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Hertha BSC: Ein Kommentar zur Präsidentschaftswahl von Ex-Ultra Kay Bernstein

Mit Ex-Ultra Bernstein: Ein letzter Rettungsversuch der Herthaner

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Der frühere Ultra Kay Bernstein ist neuer Präsident von Hertha BSC.

Hertha BSC wird ab sofort von einem ehemaligen Ultra als Präsident angeführt. Die Mitglieder des Hauptstadt-Klubs wählten am Sonntag den Kommunikationsmanager Kay Bernstein. Es ist ein letzter Rettungsversuch der Herthaner, meint Sky Reporter Philipp Hinze.

"Wir müssen den Verein von innen heraus entgiften." Es war eines der eindringlichen Zitate während Kay Bernsteins Rede auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung von Hertha BSC. Nach dem Rücktritt des enorm kritisierten Präsidenten Werner Gegenbauer wählten die blau-weißen Mitglieder am Sonntag ein neues Vereinsoberhaupt. Dank 1670 Ja-Stimmen steht jetzt ein ehemaliger Ultra an der Berliner Spitze.

Die Hertha kam in den vergangenen Monaten nicht zur Ruhe. Sowohl sportlich und finanziell als auch politisch krachte es an allen Ecken und Enden. Immerhin hielt der viel zitierte Big City Club die Klasse - über den Notausgang Relegation.

Atypischer kann ein Präsident eines Fußball-Bundesligisten kaum sein

Für die neue Spielzeit nimmt sich die Alte Dame vor allem eines vor: Ruhe. Der Verein muss für Kontinuität, eine positive Außendarstellung und Erfolg sorgen. Darüber hinaus ist der Dialog mit den sich zuletzt immer weiter distanzierenden Fans dringend von Nöten. Fannähe. Ein Wort, das bei der Hertha seit langer Zeit vermisst wird. Aktive Fanszene und Klub waren bzw. sind zerstritten. Sogar so sehr, dass die eigenen Spieler nach einer erneuten Derbyniederlage gegen Union aufgefordert wurden, die getragenen Trikots vor der Ostkurve auszuhändigen. Es lief einiges schief in der Hauptstadt.

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Schulterschluss? Schwierig. Wie also kann das zerschnittene Tischtuch zwischen Klub und Vereinsführung geflickt werden? Womöglich mit einem Präsidenten, der zum einen der Hertha seit jeher die Treue hält und bereits buchstäblich sein letztes Hemd für die Blau-Weißen gab. Zum anderen aber auch aktiv den Kontakt zu den Menschen rund um den Verein sucht und den gemeinsamen Austausch lebt - weg vom Egoismus. Ein Präsident, der Charisma, Glaubwürdigkeit und Emotionalität verkörpert. Diese Beschreibung passt nicht zum ebenfalls kandidierenden CDU-Politiker Frank Steffel. Sie trifft vielmehr auf den ehemaligen Berliner Ultra Kay Bernstein zu.

Der 41-Jährige war damals Mitbegründer der Herthaner Ultragruppierung "Harlekins Berlin". Bernstein führte die Harlekins über Jahre, wurde mit Stadionverboten belegt und genoss das Ultraleben. Atypischer kann ein Präsident eines Fußball-Bundesligisten auf den ersten und zweiten Blick wohl kaum sein. Für die aktive Fanszene steht Bernstein aber vor allem für den gewünschten Neustart. "Einer von uns" lautet das Motto.

Glamouröser Hauptstadtklub gehört der Vergangenheit an

Bernstein ist mittlerweile Unternehmer, engagiert sich intensiv für soziale Projekte und ist dazu Szenekenner. Das selbsternannte "Kind der Kurve" hat aber keinerlei Erfahrungen auf Funktionärsebene. Es ist ein mutiger, gar ungewöhnlicher Schritt der Mitglieder, die nach dem Wahlergebnis ihrem Jubel freien Lauf ließen.

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Ein vielleicht letzter Rettungsversuch der Herthanerinnen und Herthaner: Der Neustart unter Bernstein, der sich während seiner Rede rein fachlich zwar auf recht dünnem Eis bewegte, menschlich und emotional aber den Großteil der Anwesenden abholte - passend in blauer BSC-Jacke gekleidet. Mit diesem Vereinsoberhaupt bewegen sich die Berliner weg vom angestrebten glamourösen Hauptstadtklub, was ein Teil als positiv, ein anderer Teil als negativ bewerten wird.

Die Alte Dame hat in den zurückliegenden Chaosjahren eine Menge verloren. Nicht nur sportlich, sondern vor allem in der Außendarstellung. Das weiß auch der neue Präsident, wenn er sagt: "Lasst uns dem Berliner Sport-Club seine Seele zurückgeben." Das Wahlergebnis ebnet vielleicht den Weg zur 180-Grad-Drehung. Besser spät als nie.

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