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Hoeneß-Attacke auf DFB wegen ter Stegen und Neuer - das steckt dahinter

Bayern-Boss Uli Hoeneß lässt Torhüter-Diskussion eskalieren

Sarah Zoche

20.09.2019 | 15:01 Uhr

3:50
Uli Hoeneß teilt verbal aus - gegen Nationalkeeper ter Stegen und den DFB (Video-Länge: 3:50 Min.).

Uli Hoeneß hat nach dem Spiel gegen Belgrad den DFB wegen der anhaltenden Torwart-Diskussion um Marc-Andre ter Stegen und Manuel Neuer deutlich kritisiert. Sky Sport erklärt, warum die Kritik so scharf ausfällt und was der Bayern-Boss damit bezwecken könnte.

Uli Hoeneß hat mal wieder den Attacke-Modus aktiviert. Der FCB-Präsident wirft Bundestrainer Joachim Löw und dem DFB vor, sich in der von ter Stegen angestoßenen Torwart-Diskussion in der Nationalmannschaft nicht klar genug positioniert und hinter Bayern-Keeper Manuel Neuer gestellt zu haben.

Der FC Bayern werde sich vom DFB "in Zukunft nicht mehr gefallen lassen, dass unsere Spieler beschädigt werden ohne Grund", polterte Hoeneß. Er habe sich "vom DFB mehr Unterstützung erwartet".

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Worüber regt sich Uli Hoeneß so auf?

Ter Stegen hatte sich öffentlich über seine Reservistenrolle in der Nationalmannschaft beklagt, Neuer bemängelte daraufhin, dass die Aussagen seines Rivalen nicht förderlich für die Mannschaft gewesen seien. Und der Bundestrainer? Der blieb wie immer diplomatisch.

"Wir alle können uns doch nur freuen, mit Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen zwei Weltklassetorhüter zu haben. Auch Kevin Trapp und Bernd Leno sind zu außergewöhnlichen Leistungen in der Lage. Es ist doch klar, dass jeder einzelne ehrgeizig ist und auch spielen will. In der Nationalmannschaft brauchen und wollen wir diesen Konkurrenzkampf", sagte Löw der Bild-Zeitung am Dienstag. Zu wenig aus Sicht von Bayern-Boss Hoeneß.

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Wieso kritisiert Hoeneß Löw und den DFB so scharf?

Dass der für seine Wutreden bekannte 67-Jährige gleich zu einem Rundumschlag ausholt, hat wohl mehrere Gründe.

1. Bayern will mit Neuer verlängern

Obwohl bereits die Zahlen und Fakten für Neuer sprechen, entschloss sich Hoeneß für eine feurige Verteidigungsrede, die eigentlich gar nicht notwendig war. Grund dafür könnte die Vertragssituation des Bayern-Keepers sein. Neuer hat noch einen Vertrag bis 2021, der FCB will unbedingt verlängern.

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Neuer soll "spüren, dass der FC Bayern zu 1000 Prozent hinter ihm steht", so die Einschätzung von Sky Reporter Uli Koehler. Im Juli hatte Neuers Berater Thomas Kroth die Zukunft seines Schützlings beim FC Bayern in einem SZ-Interview offen gelassen - und die Transfer-Politik des Rekordmeisters offen kritisiert.

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Nun hat sich auch Uli Hoeneß zur Torwart-Diskussion gemeldet und Manuel Neuer den Rücken gestärkt. Sky Reporter Uli Köhler ordnet die Situation ein (Videolänge: 4:36 Min.).

2. Hoeneß sieht Image des FC Bayern gefährdet

Medienschelten, die legendäre Pressekonferenz, in der Karl-Heinz Rummenigge unter anderem den Passus zur Würde des Menschen zitierte: Der FC Bayern fühlt sich in der jüngsten Vergangenheit schlecht präsentiert und tut etwas dagegen.

Gegen negative Schlagzeilen oder Zweifel an Hoeneß' Lebenswerk wird entschlossen vorgegangen. Das kündigte der Rekordmeister selbst in der besagten PK an. Dass der Bayern-Präsident so vehement für Neuer in die Bresche springt, ist ein Resultat davon. Seine forschen Aussagen gegenüber dem DFB sind medienwirksam, erregen Aufmerksamkeit und damit die nötige Bühne, um die Dinge in der Öffentlichkeit aus Sicht der Bayern "geradezurücken".

Allerdings: Wie auch bei ter Stegen verlässt Hoeneß immer öfter die sachliche Ebene und rutscht ins Persönliche (siehe Mesut Özil, Juan Bernat) ab.

3. Die Ausbootung von Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller

Ein weiterer Grund für die öffentliche Schelte dürfte das stark vorbelastete Verhältnis zwischen dem FC Bayern und dem DFB sein. Seit der Ausbootung von Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller Anfang des Jahres herrscht Eiszeit. Der Rekordmeister zeigte sich empört. "Wir halten den Zeitpunkt und die Umstände der Bekanntgabe an die Spieler und an die Öffentlichkeit für fragwürdig", schrieben Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic damals in einer gemeinsamen Stellungnahme.

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Dass sich Hoeneß damals zu dem Vorfall nicht äußerte, hatte seine Gründe. "Hätte ich damals gesagt, was ich denke, hätte das Internet erst einen Salto rückwärts und dann vorwärts gedreht", sagte der FCB-Boss dem Vereinsmagazin 51.

4. Böse Erinnerungen an den Fall Kahn vor der WM 2006

Nicht zuletzt will der FC Bayern wahrscheinlich um jeden Preis verhindern, einen zweiten "Kahn-Fall" zu erleben. Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann hatte bei der Heim-Weltmeisterschaft 2006 Bayerns Torwart-Legende und die langjährige unangefochtene Nummer eins Oliver Kahn auf die Bank verbannt. Stattdessen durfte Jens Lehmann zwischen die Pfosten.

Damals lautete die Begründung, dass Lehmann besser in die "Spielphilosophie" der DFB-Elf passe. Eine Diskussion um Details will der Rekordmeister im Vorfeld der EURO 2020 erst gar nicht aufkommen lassen. Mit absoluten Aussagen wie "überhaupt keinen Anspruch" oder "da gibt es überhaupt keine Diskussion" will Hoeneß eben diese im Keim ersticken.

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