HSV-Profi Jordan Torunarigha im exklusiven Sky Sport Interview
Der Hamburger Innenverteidiger zeigte in den vergangenen Wochen starke Leistungen im Trikot der Rothosen, was jedoch nicht immer so in dieser Saison war.
27.02.2026 | 13:15 Uhr
Jordan Torunarigha (28) im exklusiven Sky Sport Interview über besondere Fußball-Tage, den HSV-Flow, Lektionen fürs Leben - und warum sein Vater beim Autokauf ein Wörtchen mitredet.
Sky Sport: Jordan, war das in Mainz ein Tag, an dem man morgens aufwacht und sofort spürt: Heute wird alles gut?
Jordan Torunarigha: Ja, absolut. Es gibt diese Tage, da läuft einfach alles - vom ersten Moment an. Gute Laune, guter Körper, klarer Kopf. Und dann willst du der Mannschaft direkt helfen, zeigen: Es ist kein herber Verlust, wenn jemand ausfällt. Ich wollte von Beginn an Verantwortung übernehmen.
Sky Sport: Und im Spiel? Wie fühlt sich das an, wenn die ersten Duelle sitzen?
Torunarigha: Überragend. Wenn die ersten Pässe ankommen, du die ersten Zweikämpfe gewinnst, kommst du in so einen Flow. Und dann willst du jeden Zweikampf gewinnen, jeden Pass spielen. Mit jedem gelungenen Moment wächst du weiter. Wenn du einmal drin bist, ist es schwer, dich zu stoppen.
Sky Sport: Spürt man dann auch, dass der Gegenspieler merkt: Heute wird's schwierig?
Torunarigha: In der Bundesliga gibt keiner auf. Egal, wie gut dein Flow ist - du musst immer 100 Prozent geben. Sonst kippt es ganz schnell.
"Sind eine gestandene Mannschaft
Sky Sport: Der HSV wirkt im Moment extrem stabil. Ist das Selbstverständnis gewachsen?
Torunarigha: Wir arbeiten jeden Tag hart dafür. Der Trainerstab macht sich unfassbar viele Gedanken. Am Anfang der Saison war es noch holprig, aber jetzt sind wir eine gestandene Mannschaft. Wir wissen, wohin wir wollen - und was wir können.
Sky Sport: Für dich persönlich lief der Start nicht ideal. Wie blickst du darauf zurück?
Torunarigha: Als mein Transfer verkündet wurde, waren die Erwartungen hoch. Manche dachten, da kommt der neue van Dijk nach Hamburg (schmunzelt). In der Vorbereitung und in den ersten Spielen bin ich dem nicht gerecht geworden. Aber das passiert. Wichtig ist, weiterzumachen. Ich bin stolz, dass ich aus diesem Loch rausgekommen bin.
Sky Sport: Gab es Momente, in denen dich das runtergezogen hat?
Torunarigha: Klar. Aber ich habe immer an mich geglaubt. Und ich habe meine Familie hinter mir. Meine Mutter sagt immer: 'Es ist nur eine schlechte Phase, kein schlechtes Leben.' Das hilft enorm. Sie ist meine beste Psychologin.
Sky Sport: Ist sie deine wichtigste Ansprechpartnerin?
Torunarigha: Auf jeden Fall. Meine Mutter ist die höchste Person. Sie gibt immer ehrliche Ratschläge - auch wenn sie nicht jede taktische Feinheit analysiert. (lacht)
Sky Sport: Du hattest eine Weile Probleme und bist jetzt Stammkraft. Auch Glatzel oder Jatta haben schwere Phasen erlebt und sind wieder da. Beim HSV scheint niemand abgeschrieben zu sein. Ist das Teil der Kultur?
Torunarigha: Ja. Niemand ist hier raus. Wenn du Leistung bringst, spielst du. Ganz einfach. Die Mannschaft ist top besetzt. Fällt einer aus, ist der Nächste bereit. So ist es auch im Leben: Niemals aufgeben, hart arbeiten - am Ende kommt die Belohnung.
Sky Sport: Wie begleitet der Trainer diese Prozesse?
Torunarigha: Durch ehrliche Kommunikation. Er sagt klar, was gut ist und was nicht. Das schätze ich sehr. Er hat definitiv einen großen Anteil daran, dass es jetzt so läuft.
"Ich kann noch mehr"
Sky Sport: Du bist 28 - fühlst du dich noch in der Entwicklung?
Torunarigha: Auf jeden Fall. Man hat nie ausgelernt. Ich kann noch mehr. Ich weiß auch, in welchen Bereichen - aber die verrate ich nicht. Sonst wissen es ja die Gegner. (grinst)
Sky: Wie besonders ist die Atmosphäre im Volksparkstadion?
Torunarigha: Extrem besonders. Als ich hier das erste Mal aufgelaufen bin, war das unbeschreiblich. Wenn wir in der letzten Minute treffen, kann man nicht in Worte fassen, was passiert - da fliegt hier das Dach weg. Das geht durch den ganzen Körper.
Sky Sport: Denkst du beim Blick auf deinen bisherigen Karriereverlauf manchmal an dein acht- oder neunjähriges Ich zurück?
Torunarigha: Klar. Von Chemnitz nach Berlin, dann Belgien und jetzt Hamburg - das war ein krasser und lehrreicher Weg. Und er ist noch nicht zu Ende. Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.
Sky Sport: In Mainz habt ihr gezeigt, dass es zur Not auch ohne Vuskovic geht. Mit welchen Gedanken blickst du auf deinen 19-jährigen Abwehrchef?
Torunarigha: Wir sind wie Brüder, reden sehr offen miteinander. Ich sage ihm, was gut war und was nicht. Wichtig ist: Er hört zu. Er denkt nicht, nur weil er einen sehr hohen Marktwert hat, kann er machen, was er will. Er trägt als junger Spieler noch die Bälle - das sagt viel aus. Und wir freuen uns füreinander - wie in dieser Woche, als er seine Führerscheinprüfung bestanden hat.
Sky Sport: Gibst du ihm Tipps fürs Autofahren?
Torunarigha: Nein. Jeder muss seine eigenen Fehler machen und daraus lernen (schmunzelt).
Sky Sport: …Tipps beim Autokauf?
Torunarigha: (lacht) Ja. Ich würde einen Kleinwagen empfehlen - das habe ich auch gemacht. Mein Vater hat darauf geachtet und darauf bestanden, dass ich nicht mit einem Luxuswagen zum Training komme. Ich bin damals Polo gefahren - hat mich auch von A nach B gebracht.
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