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Abbau beschlossene Sache

HSV-Uhr: Das Ende des tickenden Mahnmals als neuer Anfang?

Sven Töllner

17.06.2019 | 18:50 Uhr

Der HSV hat sich entschieden: Die legendäre Uhr im Hamburger Volksparkstadion wird abgebaut.
Image: Der HSV hat sich entschieden: Die legendäre Uhr im Hamburger Volksparkstadion wird abgebaut. © Getty

Der Hamburger SV will sich schon im Juli endgültig von seiner legendären Uhr im Volksparkstadion trennen. Sky Reporter und HSV-Experte Sven Töllner ordnet die Entscheidung ein.

Mit einer vermeintlich einfachen Frage im Gepäck stößt man beim HSV auf eine ganz interessante Erkenntnis. Wer hatte 2001 eigentlich die Idee, DIE UHR ins Stadion zu integrieren?, lautet die Frage an aktuelle und ehemalige Funktionäre, Vereins-Ikonen und Klub-Historiker. So ganz sicher ist sich keiner. "Könnte im Rahmen eines Sponsoring-Deals entstanden sein", glaubt einer. "Fällt in die Ära Hoffmann/Beiersdorfer", behauptet ein anderer. Eine These, die sich relativ verlässlich entkräften lässt. Denn das Ding tickt sehr sicher seit 2001 vor sich hin - jetzt allerdings hat ihr letztes Stündlein geschlagen. Die Uhr muss raus - und viele atmen auf!

Ein Gutes hat der schleierhafte Ausflug in die Anfänge des viel diskutierten Symbols vorgestriger Vereinskultur: Bislang hat sich noch keiner gefunden, den man möglicherweise trösten muss, weil dessen gut gemeinter Gedanke von damals - um die Jahrtausendwende herum entstanden - nun vor Beginn der zweiten Zweitliga-Saison der HSV-Geschichte brachial kassiert wird.

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HSV-Uhr ist zum Störfaktor geworden

Das Ende der Uhr ist beschlossene Sache. "Der ständige Blick in den Rückspiegel", wie Klub-Boss Bernd Hoffmann es gegenüber Bild ausdrückt, hilft nicht. Die brotlose Nostalgie ist über die Jahre der Erfolglosigkeit, die in einem immer schneller rotierenden Abwärtsstrudel schließlich im Abstieg gipfelte, zu einem echten Störfaktor geworden. Das sichtbare Symbol dieser Haltung ist die Uhr.

"Lass mich bloß mit der blöden Uhr in Ruhe", hörte man Markus Gisdol sagen. Oder war es Mirko Slomka? Oder Huub Stevens? Oder sogar schon Thomas Doll? Irgendwie ist die permanente Erinnerung an das letzte Alleinstellungsmerkmal eines ehemals erfolgreichen Vereins allen Trainern gehörig auf den Zeiger gegangen. Ein Problem weniger also schon mal für Dieter Hecking, den nächsten Trainer, der in Kürze den x-ten Versuch starten wird, den HSV wieder ein bisschen näher an das klubeigene Selbstverständnis heranzuführen.

Mit dem Absturz ins Unterhaus war ihre Daseinsberechtigung ja eigentlich ohnehin perdu. Dem ungelenken Versuch, den umgestellten Wecker mit dem Hinweis auf die Vereinsgründung weiterlaufen zu lassen, wird nun ein Ende bereitet.

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Sechs Jahre hat Rafael van der Vaart für den Hamburger SV gespielt. Es geht in die zweite Zweitligasaison mit dem Wiederaufstieg als Ziel. Van der Vaart mit einem Erklärungsversuch.

Wird auch Lotto King Karl aus dem Stadion verbannt?

Der Klub braucht eine neue Identität, finden viele Verantwortliche. Eine neue Kultur, eine neue Grundhaltung. Keine glänzenden Augen, die sich in den Gedanken an Athen '83 verheddern, sondern einen klaren Blick für die Bedürfnisse der Gegenwart und die Herausforderungen der Zukunft. Die Uhr war mehr Mahnmal als Motivationsstütze und ist wohl nur der Anfang des Großreinemachens im Volkspark.

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Ob Lotto King Karl weiterhin auf dem Steiger vor die Nordtribüne gehievt werden sollte, um die "Perle" zu feiern und Gegner zu triezen, die dem HSV auf teleskopische Distanz enteilt sind, wird derzeit aktiv im Klub diskutiert. Und vieles spricht dafür, dass auch Lotto im Stadion ausgespielt hat.

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Erster Schritt für eine neue Zeitrechnung beim HSV

Der HSV kappt einige Verbindungen in die Vergangenheit, die zentnerschwer auf den Schultern ungezählter Spieler und Verantwortlicher zu lasten schienen. Dafür dass in Folge dessen automatisch besserer und erfolgreicherer Fußball gespielt wird, gibt es derzeit keine Anhaltspunkte. Das sicher zu stellen, liegt maßgeblich im Verantwortungsbereich des neuen Sportvorstands Jonas Boldt und der Spieler, die er für die kommende Saison verpflichten wird.

Die große Geschichte des sechsmaligen Deutschen Meisters ist in den Archiven des Vereins bestens aufgehoben und in den Köpfen einiger älterer Anhänger eine schöne Erinnerung. Bei den aktuell Verantwortlichen dürfen derartige Gedanken keine allzu präsente Rolle spielen. Die müssen einen belastbaren Plan für die Zukunft entwickeln. Die ersten Schritte für eine neue Zeitrechnung beim HSV sind getan. Weitere müssen folgen.

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