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Kevin-Prince Boateng im Interview über Rassismus im Fußball

Boateng: "Will den Tag, an dem kein schwarzer Spieler arbeitet"

Lars Pricken

04.06.2020 | 21:44 Uhr

Kevin-Prince Boateng setzt sich seit Jahren gegen Rassismus ein.
Image: Kevin-Prince Boateng setzt sich seit Jahren gegen Rassismus ein. © Imago

Besiktas-Profi Kevin-Prince Boateng hat sich im exklusiven Interview mit Sky Sports zu den aktuellen Protestaktionen gegen Rassismus geäußert. Ein Anfang, aber noch lange nicht genug, findet der 33-Jährige.

Der Tod des afroamerikanischen Bürgers George Floyd durch einen Polizisten hat weltweit eine Rassismus-Debatte ausgelöst. Auch im Fußball ist die Thematik angekommen. Spieler wie Weston McKennie, Jadon Sancho oder Marcus Thuram setzten am vergangenen Wochenende unterschiedlichste Zeichen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.

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Boateng: "Macht der Fußball viel dagegen? Nicht wirklich"

Der FC Liverpool postete via Twitter ein Foto, auf dem alle Spieler symbolisch auf dem Platz knieten. "Das ist ein guter Anfang, um zu zeigen, dass sie auf unserer Seite sind", erklärt Boateng im Gespräch mit Sky Sports.

Insgesamt würde der Sport, und im Speziellen der Fußball, aber noch nicht genug gegen Rassismus unternehmen: "Macht der Fußball viel dagegen? Nicht wirklich. Eine Werbung im Fernsehen oder ein Banner, wenn die Teams auf das Feld gehen, ist nicht genug. Es ist schon spät, aber noch nicht zu spät."

Schwere Beleidigungen sind für Boateng Alltag

Sanktionen gegen etwaige Proteste gegen Rassismus würden sich verbieten. Der Offensivspieler verstehe, dass die FIFA politische oder religiöse Botschaften nicht akzeptiere, der Fall George Floyd sei jedoch etwas anderes: "Wenn du eine Message wie Sancho hast, ist das etwas komplett anderes. Er hat etwas für die menschliche Spezies getan, das ist nichts Politisches oder Religiöses."

Angesprochen auf persönliche Erlebnisse wird der ehemalige Bundesliga-Profi emotional. Beinahe täglich erlebe Boateng Rassismus, auch auf dem Platz. "Affe, für jedes Tor kriegst du eine Banane. Wir packen dich in eine Box und schicken dich zurück in dein Land. Das 'N-Wort' wurde schon oft benutzt. Sie spritzen mit Wasser und sagen, dass man damit vielleicht den Dreck abwaschen könnte", erklärt Boateng, der gar nicht mehr traurig, sondern "nur noch wütend" sei.

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Joshua Kimmich will sich mit seiner Reichweite gegen Rassismus einsetzen. (Videolänge: 00:35 Sekunden)

Rassismus als Schulfach und große Protestaktionen

Anfangen würde das Problem bei den Kindern, denen das Thema nicht wirklich Nahe gebracht würde. Boateng könnte sich Rassismus als Fach in der Schule vorstellen. "Wie Mathe, Englisch oder Geschichte. Wir müssen unsere Kinder bilden, das ist das größte Problem", meint der 33-Jährige.

Als Zeichen gegen Rassismus stellt sich Boateng größere Protestaktionen vor. "Nimm jede schwarze Person aus dem Sport oder jeden schwarzen Schauspieler aus Filmen, wie wäre das? Langweilig. Ich will einen Tag, an dem kein schwarzer Spieler zur Arbeit geht. Nicht, weil wir nicht arbeiten wollen oder keinen Respekt vor dem Verein haben, sondern zu Ehren unserer schwarzen Community", schlägt Boateng vor, dem schon ein Tag vorschwebt: "Vielleicht an George Floyds Geburtstag."

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