Klopp, Zidane & Co.: Warum Star-Trainer Nationalteams übernehmen
Didier Deschamps, Carlo Ancelotti und Hansi Flick: Trainer, die nach großen Erfolgen mit ihren Klubs Nationalmannschaften übernehmen, gab es schon häufig. Mit unterschiedlichem Erfolg.
23.07.2026 | 22:55 Uhr
Nun stehen Jürgen Klopp und Zinedine Zidane kurz vor Engagements bei den Auswahlteams ihrer Heimatländer, und Italien will Pep Guardiola als Coach. Warum übernehmen immer mehr der besten Vereinstrainer der Welt Nationalteams?
Nationaltrainer eines Landes zu sein, galt in der Vergangenheit nicht gerade als der große Traum eines erfolgreichen Coaches. Dieser Job galt als irgendwie uncool und als vermeintlich letzter Schritt vor der Pensionierung.
Doch die Zeiten haben sich geändert.
Anerkennung bis hin zum Heldenstatus
Finanzstarke nationale Verbände zahlen Gehälter, die durchaus mit denen europäischer Top-Klubs vergleichbar sind. Der Gewinn einer WM, EM oder eines anderen prestigeträchtigen Turniers wie der Copa America kann einem Trainer höchste Anerkennung bis hin zum Heldenstatus bescheren.
Neben deutlich höheren finanziellen Anreizen erhalten Starcoaches von den nationalen Verbänden häufig besondere Befugnisse.
So will der DFB Jürgen Klopp nach Sky Sport Informationen nicht nur als Bundestrainer verpflichten. Der ehemalige Liverpool-Coach soll tiefgreifende Änderungen im Nachwuchsbereich, Spielstil und Trainerstab durchsetzen.
Mit dem FC Liverpool hatte Klopp die Champions League und die Premier League gewonnen, mit Borussia Dortmund zwei Meistertitel, darunter das Double 2012. Nun soll er die Nationalmannschaft wieder in die Erfolgsspur führen.
Nagelsmann und Flick scheitern beim DFB
Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann war der jüngste Trainer der vergangenen WM. Auch wenn seine Zeit beim DFB kein gutes Ende fand, hatte er zuvor mit dem FC Bayern einen Meistertitel (2022) gewonnen und war 2017 Trainer des Jahres in Deutschland.
Trainer wie Carlo Ancelotti oder Hansi Flick wechselten auf dem vermeintlichen Höhepunkt ihres Schaffens von der Vereins- auf die Verbandsbank.
Ancelotti war Meister in Italien, England, Frankreich und Deutschland, hatte fünf Mal die Champions League gewonnen, ehe er 2025 brasilianischer Nationaltrainer wurde. Mit der Selecao schied der bei der WM allerdings bereits im Achtelfinale aus.
Flick hatte 2020 sechs (!) Titel mit dem FC Bayern gewonnen, darunter die Champions League, bevor er ein Jahr später das DFB-Team übernahm. Mit circa 6,5 Millionen Euro Jahresgehalt war er laut des französischen Portals France Football der bestbezahlte Fußballnationaltrainer weltweit.
Doch nach einer völlig verpatzten WM 2022 hielt er sich nur noch bis März 2023 im Amt. Nach einem Jahr Pause heuerte er beim FC Barcelona an - und kehrte in die Erfolgsspur zurück: Zwei Meistertitel und ein Pokalsieg hat er mit den Katalanen bereits gefeiert.
Zidane soll auf Deschamps folgen
Mehr Erfolg als Nationaltrainer als Ancelotti und Flick hatte Thomas Tuchel.
Der 52-Jährige gewann bei der gerade beendeten WM mit England das Spiel um Platz drei gegen Frankreich. Zuvor hatte er mit Borussia Dortmund den DFB-Pokal geholt, mit dem FC Chelsea die Champions League gewonnen und mit Paris Saint-Germain sowie dem FC Bayern nationale Meisterschaften gefeiert.
Didier Deschamps, Frankreichs Weltmeistercoach von 2018 und Welttrainer des Jahres 2018, wurde mit Olympique Marseille französischer Meister und zweimal als Trainer des Jahres ausgezeichnet, bevor er 2012 die Equipe Tricolore übernahm. Nach der WM in den USA, Kanada und Mexiko trat er als Nationaltrainer zurück.
Sein designierter Nachfolger Zinedine Zidane gewann als Trainer von Real Madrid dreimal die Champions League und zwei spanische Meisterschaften. Seit seinem Abschied von Real vor fünf Jahren hat der ehemalige Superstar, der als Spieler 1998 Weltmeister mit Frankreich wurde, keinen Job mehr angenommen.
Italiens Verband kontaktiert Guardiola und Ancelotti
Ob Pep Guardiola nach seinem Abschied als Erfolgscoach von Manchester City eine Pause einlegen oder direkt den Posten als Italiens Nationaltrainer annehmen wird, bleibt abzuwarten. Italiens Verbandschef Giovanni Malago bekräftigte am Mittwoch das Interesse an und die Gespräche mit Guardiola für eine Nachfolge von Gennaro Gattuso.
"Wir stehen unter Zeitdruck", sagte Paolo Maldini, der neue Technische Direktor der FIGC. Im Fall Guardiola gebe es aber "noch keine Neuigkeiten". Maldini verriet zudem überraschend: "Wir haben auch mit Ancelotti gesprochen." Der 67-Jährige hat einen Vertrag mit dem brasilianischen Verband bis zur WM-Endrunde 2030, Maldini aber betonte: "Es schien richtig, mit den Besten der Welt zu beginnen, aber ihre Verfügbarkeit muss noch geklärt werden."
De la Fuente und Scaloni starten durch
Eine mögliche Verpflichtung des 55 Jahre alten Spaniers, mit drei Champions-League-Titeln und insgesamt zwölf nationalen Meisterschaften einer der erfolgreichsten Trainer der Gegenwart, könnte allerdings bedeuten, dass Italiens Verband budgettechnisch tief in die Tasche greifen muss.
Doch es gibt auch Nationaltrainer, die keine großen Erfolge im Verein vorweisen können.
Luis de la Fuente trainierte Deportivo Alaves in der 2. Liga, bevor er zum spanischen Verband wechselte. Nach zwei Europameistertiteln mit der U19 und einer Silbermedaille bei Olympia startete er mit der Furia Roja richtig durch: Dem Sieg in der Nations League 2023 folgte ein Jahr später der EM-Titel. Mit dem WM-Triumph krönte er sein bisheriges Schaffen.
Scaloni schaffte dieses Kunststück bei der WM 2022. Bevor er 2018 zum argentinischen Verband wechselte, war er Co-Trainer beim FC Sevilla.
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