Kolumne: Matthäus über Marco Rose, Fredi Bobic & den FC Bayern
Matthäus zur Rose-Situation: Redet Klartext!
09.02.2021 | 18:49 Uhr
Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt. Dieses Mal spricht der Rekord-Nationalspieler über die Personalien Marco Rose und Fredi Bobic sowie über das Reise-Chaos des FC Bayern und die Wintertransfers in der Bundesliga.
Ich bin davon überzeugt, dass Marco Rose der neue Trainer von Borussia Dortmund wird.
Mein Tipp an die Beteiligten: Redet Klartext! Das zahlt sich am Ende immer aus und man hat nach ein paar Tagen erheblich mehr Ruhe, als wenn man jetzt noch wochenlang den ganzen Fragen irgendwie aus dem Weg gehen muss.
Es sieht für mich so aus, als habe Rose mehr als nur eine Tendenz und das wird er meiner Meinung nach Max Eberl und somit dem Klub mitgeteilt haben.
Rose soll für klare Verhältnisse sorgen
Der Gladbach-Coach sollte lieber jetzt für klare Verhältnisse sorgen. Damit wäre das Thema deutlich schneller beendet. Außerdem kann man sich besser auf die großen sportlichen Ziele konzentrieren und man nimmt am Ende auch der Mannschaft das Alibi, die Diskussionen hätten sie abgelenkt.
Rose ist einer der besten Trainer in Europa. Auch wenn er bei einem klasse Verein ist, mit dem man eine Menge erreichen kann und mit dem er womöglich am Ende der Saison sogar vor dem BVB steht, so ist der Anreiz zur gefühlt zweiten deutschen Kraft zu wechseln, mit Sicherheit vorhanden. Wirtschaftlich kann ihm Dortmund persönlich und sportlich ein bisschen mehr bieten.
Seit Wochen wird darüber geschrieben, gesprochen und spekuliert und die Gesetze dieses Geschäfts sprechen für mich eine eindeutige Sprache.
Eberl hat ein bis zwei Kandidaten in der Hinterhand
Ich bin davon überzeugt, dass ein Top-Manager wie Max Eberl im Gegenzug sehr gut vorbereitet ist und bereits ein bis zwei Kandidaten in der Hinterhand hat, um die erfolgreiche Arbeit von Rose nahtlos fortzuführen.
Wie so oft im Fußball, kommt jetzt noch zusätzliche Brisanz durch das Aufeinandertreffen beider Vereine im DFB-Pokal hinzu. Da kommen direkt persönliche Erinnerungen bei mir hoch. Ich sag' nur: 1984.
Bobic zu Hertha wäre ein Schritt zurück
Bei Fredi Bobic und dem Gerücht bezüglich seines Wechsels als Sportvorstand zu Hertha BSC ist es für mich anders gelagert. Das wäre aktuell sportlich ein Schritt zurück. Und wenn er als Baumeister dafür sorgt, dass Eintracht Frankfurt nächste Saison in der Champions League spielen darf, wäre es für ihn wahrscheinlich bitter, wenn er sich dieses Spektakel vor dem Fernseher anschauen müsste.
Ich traue ihm mit seinem Können und seinen Kontakten natürlich zu, dass er in zwei bis drei Jahren auch aus der Hertha einen Spitzenklub macht, der dann oben mitmischt. Ich denke aber, dass er in Frankfurt noch nicht fertig ist. Die Anzeichen für einen Wechsel sind hier jedenfalls bei weitem nicht so eindeutig wie bei beim Trainer der Borussia. Auf der anderen Seite hat Fredi eine familiäre und persönlich emotionale Bindung zu unserer Hauptstadt und das spielt mit Sicherheit auch eine große Rolle.
Kann Ärger des FC Bayern absolut nachvollziehen
Emotional negativ ist die Erinnerung des FC Bayern seit letztem Freitag an Berlin. Und das hat was mit dem Flughafen und dem Startverbot zu tun. Ich kann den großen Ärger von Rummenigge und Hoeneß absolut nachvollziehen. Ich will es mal so sagen: Was da Freitagnacht passiert ist, war typisch deutsch. Kleinkariert und vielleicht einfach Anti-Bayern. Sportlich ist dieser Klub der Botschafter Nummer eins unseres Landes weltweit.
Nach all der Planung im Vorfeld wegen der einen oder anderen Minute die Mannschaft nicht losfliegen zu lassen, war pure Schikane. Das wäre mit keinem anderen Spitzenverein der Welt passiert. Wenn Real Madrid, Juventus oder Liverpool zur Klub-WM aufgebrochen wären, dann hätten sie zu jeder Tages- und Nachtzeit die Erlaubnis bekommen. Sportlich gesehen geht der FC Bayern als Favorit in das Turnier und es wäre fantastisch, wenn Flick und seine Mannschaft den sechsten Titel einfahren und somit auch auf dem Papier die beste Mannschaft der Welt wären.
Wintertransfers haben mich nicht überzeugt
Ein Wort noch zu den Wintertransfers der Bundesliga. Da war oft zu hören, dass wir jetzt noch mehr Weltmeister in unserer Liga haben und richtig gute Namen verpflichtet wurden. Ich bin da etwas anderer Meinung. Für mich waren das zum Großteil Notverpflichtungen, die nicht wirklich hilfreich sind. Ob Max Meyer, Huntelaar, Mustafi oder Khedira. Das sind Spieler, die Einsatzminuten suchen, die sie bei ihren Ex-Klubs so gut wie gar nicht mehr bekommen haben.
Die Bundesliga ist knallhartes Business und keine Operettenliga wie in China oder den USA. Die Fitness ist bei einigen ein großes Thema und die Hierarchie in ihren jetzigen Mannschaften kommt durch ihre Ankunft mächtig ins Wanken. Die Teams hätten Spieler gebraucht, die sie sofort nach vorne bringen und nicht erstmal auf der Bank sitzen oder noch ein paar Wochen brauchen, bis sie vielleicht bei hundert Prozent sind. Mich haben diese Transfers überhaupt nicht überzeugt.