Kommentar zur Nationalmannschaft und Nagelsmann vor der WM
Direkt nach dem bitteren Aus bei der Heim-EM 2024 versprühte Julian Nagelsmann eine gewisse Jetzt-erst-recht-Mentalität.
31.03.2026 | 15:47 Uhr
Wenige Monate vor der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ist davon nicht mehr viel übrig. Auch wegen Aussagen des Bundestrainers. Ein Kommentar zur Lage beim DFB-Team.
Geknickt, aber kämpferisch fand sich Julian Nagelsmann am späten Abend des 5. Juli 2024 im Pressesaal der Stuttgarter Arena ein. "Das Traurige ist, dass eine Heim-EM in meiner Karriere wahrscheinlich nicht mehr kommt", sagte der Bundestrainer nach dem 1:2 im Viertelfinale gegen Spanien. "Das tut weh. Und: Dass man zwei Jahre warten muss, dass man Weltmeister wird, tut auch weh."
Ein WM-Titel ist nicht planbar. Das war Nagelsmann bewusst, als er diese Worte wählte. Doch er erzeugte damit im Land ein Jetzt-erst-recht-Gefühl.
Nagelsmann stapelt tief
634 Tage später, wieder im Pressesaal der Stuttgarter Arena, blieb davon nicht mehr viel übrig. Nach dem 2:1-Sieg gegen Ghana auf eine mögliche WM-Favoritenrolle angesprochen, sagte er: "Ich glaube nicht, dass wir Favorit sind. Ob wir Herausforderer sind, weiß ich nicht. Wir müssen gut ins Turnier starten und uns gute Voraussetzungen schaffen. Dann ist dort alles möglich."
Damit hat er zwar recht. Die deutsche Mannschaft ist (noch) nicht gefestigt. Weltklasse verkörpern derzeit auch nur Joshua Kimmich und Florian Wirtz. Die Kaderqualität bei anderen Nationen ist höher. Aber Nagelsmann sendet insbesondere in der öffentlichen Kommunikation Signale, die eher spalten als zusammenschweißen.
Undav-Thema nervt den Bundestrainer
Das wird an der Personalie Deniz Undav deutlich. Eine sachlich formulierte Frage eines Journalisten zu Undavs Aussagen nach dem Spiel, er werde weiter seiner Joker-Rolle trotzen wollen, beantwortete der Bundestrainer genervt.
Bei allem Respekt für seine Ehrlichkeit: Die Euphorie in Stuttgart über die Leistung des Siegtorschützens so zu bremsen anstatt sich zumindest vor der Kamera für ihn und die Mannschaft zu freuen, ist wenig souverän. Im Gegenteil: Sie schafft eine unnötige Baustelle. Und davon hat Nagelsmann aus sportlicher Sicht schon genug.
Geht diese Mannschaft für Nagelsmann durchs Feuer?
Der Bundestrainer täte gut daran, sich das Leben nicht selbst mit solchen Aussagen schwer zu machen - und weder bei den Fans noch vielleicht sogar bei dem einen oder anderen Spieler die WM-Vorfreude zu dämpfen.
Die Nationalmannschaft soll zwar in erster Linie für ihr Land durchs Feuer gehen. Es wird ihr aber leichter fallen, wenn im Sommer an der Seitenlinie auch ein Trainer steht, für den sie durchs Feuer geht.
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