Lothar Matthäus: Tief, tiefer, HSV! Das Glück scheint aufgebraucht zu sein
Kolumne "So sehe ich das"
20.02.2018 | 17:07 Uhr
Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen aus der Bundesliga und der Fußballwelt auf skysport.de. Dieses Mal beschäftigt er sich mit dem seit Jahren kriselnden Hamburger SV und nimmt zudem die anderen Nordklubs unter die Lupe.
Tief, tiefer, HSV. Die Situation rund um die Hamburger ist langsam aber sicher hoffnungslos. Sie gewinnen keine Spiele, sie schießen kaum Tore (mit 18 Treffern schlechteste Offensive der Liga) und sie haben jetzt das absolute Endspiel vor der Brust - am Wochenende beim Nord-Derby in Bremen (ab 17:30 Uhr live und exklusiv auf Sky). Der HSV muss dieses Spiel gewinnen, um die Chance zu haben, mit weiteren guten Ergebnissen überhaupt an die Rettung zu denken.
Ich kann den riesigen Frust der HSV-Anhänger verstehen, auch wenn das geschmacklose Plakat am Wochenende total daneben war. Aber was diese treuen und tollen Fans seit Jahren miterleben müssen, kann nur zu großer Enttäuschung führen. Vielleicht muss der HSV jetzt nach den glücklichen Rettungen der letzten Jahre absteigen, um viele Dinge zu korrigieren, die in den letzten zehn Jahren falsch gemacht wurden. Das Glück scheint aufgebraucht zu sein.
HSV-Führung wird neue Macher installieren
Der neue Präsident Bernd Hoffmann wird wahrscheinlich so kurzfristig nicht für sportlichen Erfolg sorgen können. Wenn die Mannschaft nach der Präsidenten-Wahl plötzlich bessern Fußball spielt, müssten gefährdete Klubs alle sechs Monate den Präsidenten austauschen.
Also in anderen Worten, es würde mich wirklich sehr wundern, wenn dieses Team plötzlich bessere Leistungen zeigen würde. Ich denke aber, dass die HSV-Führung in naher Zukunft personelle Entscheidungen treffen wird und neue Macher installiert.
In Hamburg ist in den vergangenen Jahren so viel Personal auf und neben dem Platz ausgetauscht worden, Kontinuität ist an der Elbe ein absolutes Fremdwort. Es wurden Spieler gekauft, die sich im Vergleich zu ihren ehemaligen Vereinen total verschlechtert haben.
Ich denke an Hunt, Hahn oder Kostic. Die Brasilianer Walace und Douglas Santos haben ebenso wenig eingeschlagen wie die Torhüter Mathenia und Pollersbeck. Spieler die den HSV verlassen, werden allerdings besser oder gar Nationalspieler. Demirbay, Gregoritsch, Ostrzolek und Tah beispielsweise.
Umgang mit Kühne muss optimiert werden
Auch der Umgang mit Kühne und dessen Millionen muss deutlich optimiert werden. Die öffentliche Wahrnehmung ist: Mal will man sein Geld, mal verzichtet man darauf und beim nächsten Mal ist es den Verantwortlichen egal. Auch hier ist alles mit dabei, bis auf eine klare Linie. Die fehlt in diesem Verein komplett. Konstant sind leider nur die schlechten Leistungen.
Nicht ganz so dramatisch, aber doch meilenweit von den Erwartungen entfernt sind zwei weitere Nord-Klubs. Wolfsburg und Bremen. Bremen spielt zwar ganz ansehnlichen Fußball, liegt aber mit 23 Zähler auf Platz 15 punktgleich mit Mainz auf dem Relegationsplatz.
Wolfsburg hat einen mickrigen Punkt mehr. Obwohl der Klub in letzter Zeit eine Menge in neue Spieler wie Didavi, Malli, Mehmedi, Verhaegh, Camacho, Dimata, etc. investiert hat. Auch hier liegen Anspruch und Wirklichkeit meilenweit auseinander.
Einzige Hoch im Norden - Hannover 96
Das einzige Hoch im Norden geht von Hannover 96 aus. Aufsteiger. 32 Punkte. Platz sieben. Respekt. Am Beispiel 96 sieht man, was eine gute, ruhige und sportlich erfahrene Führung wert ist. Das Duo Heldt / Breitenreiter kauft besonnen, mit Auge und finanziell vernünftig ein. Die Spieler passen von der Qualität, ihrem Charakter und den Anforderungen des Trainers optimal zusammen.
Der HSV ist auf dem Weg in die zweite Liga. Stand jetzt gemeinsam mit dem 1. FC Köln. Zwei große Städte, zwei tolle Klubs mit fantastischen Fans und Stadien. Bitter und traurig für die Bundesliga.