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Matthäus Kolumne zum Vertrags-Poker von Manuel Neuer und dem FC Bayern

Matthäus zu Neuer-Poker: Dankbarkeit ist keine Einbahnstraße

31.03.2020 | 15:23 Uhr

Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus. 
Image: Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus.  © Sky

Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de. In dieser Woche befasst er sich mit der Frage: Bleibt Manuel Neuer noch länger beim FC Bayern oder verlässt er den Klub 2021?

Eins vorne weg: für mich ist Manuel Neuer immer noch der beste Torwart der Welt. Man kann so gut wie jeden Spieler ersetzen. Beim FC Bayern trifft dies aktuell auf drei Profis nicht zu. Robert Lewandowski, Joshua Kimmich und Manuel Neuer sind unersetzlich.

Aktuell ist es so, dass der Kapitän des FC Bayern sowie der deutschen Nationalmannschaft und dessen Management einen neuen Vertrag aushandeln. Der jetzige läuft bis 2021. Dem Vernehmen nach fordert die Spieler-Seite nun einen Kontrakt bis 2025 oder länger. Neuer wäre dann fast 40 Jahre alt. Der Verein soll eine Verlängerung bis 2023 angeboten haben.

Kein Bayern-Spieler erfährt mehr Wertschätzung als Neuer

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Bayern jemals irgendeinem Spieler mehr Wertschätzung entgegengebracht hätten, als sie es bei Manuel Neuer getan haben. Man hat alles und jeden angegriffen, der der Meinung war, Marc-Andre ter Stegen solle ins deutsche Tor. Der Klub hat Manuel zurecht und über alle Maßen in all den langen Verletzungspausen unterstützt und zu ihm gehalten. Als die Verpflichtung von Alexander Nübel publik wurde, haben Trainer Hansi Flick und alle anderen ganz klar Partei für Neuer ergriffen.

Bereits bei seiner Verpflichtung von Schalke 04 haben die Bayern-Bosse gegen viele Widerstände wie eine Eins zu ihrem Spieler gehalten. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Er hat das bis hierhin absolut verdient.

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Sky Reporter Marc Behrenbeck schätzt die Transfergerüchte rund um Manuel Neuer ein und erklärt auch, wieso die geplante Vertragsverlängerung noch nicht in trockenen Tüchern ist (Videolänge: 3:13 Minuten)

Bayern und Neuer sollten sich in der Mitte treffen

Allerdings sollte er sich vor allem in diesen Zeiten daran erinnern, dass Dankbarkeit und Wertschätzung keine Einbahnstraßen sind. Jetzt stur auf einen Vertrag zu pochen, den er in dieser Länge und vor allem in seinem Alter so gut wie nirgendwo mehr angeboten bekommt, wäre frech. Wenn die Bayern einen Vertrag bis 2023 anbieten und der Spieler aber einen bis 2025 möchte, sollte man sich in der Mitte, also bei 2024 treffen.

Wenn er dann immer noch fit ist, keine langen Verletzungen erlitten hat und genauso überragend hält wie bisher, spricht bestimmt nichts gegen eine weitere Verlängerung. Aber ein Spieler mit seiner Verletzungshistorie kann leider nicht garantieren, dass er bis 39 oder 40 problemlos spielt.

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Nach allem, was der Rekordmeister für diesen zugegebenermaßen außergewöhnlichen Torwart getan hat, wünsche ich mir gerade jetzt mehr Einsicht und Vernunft und keine Forderungen, die dem Arbeitgeber Kopfzerbrechen bereiten. Wenn er seine Leistung bringt, muss er sich über Konkurrenz im Tor sowieso keine Sorgen machen, denn die gibt es dann weit und breit nicht.

FCB sollte sich "nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen"

An Stelle der Bayern würde ich mir jedenfalls auch von Neuer und seinem Management nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen. Ich kann und möchte mir Manuel in keinem anderen Trikot vorstellen, aber wenn er denkt, dass bei einem anderen Verein von der Kragenweite eines FC Bayern, ein besseres Angebot und reizvollere Rahmenbedingungen bekommt, dann möge er zugreifen.

Ich bin aber skeptisch, ob er einen solchen finden würde. Mal ganz davon abgesehen, dass die Coronakrise auch dazu führen wird, dass die kommenden Verträge mit Sicherheit nicht mehr so dotiert sein werden, wie sie es davor waren.

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Alaba? "Reisende soll man nicht aufhalten"

Ein anderer wichtiger Bayern-Spieler, dessen Vertrag 2021 ausläuft, ist David Alaba. Er kokettiert schon länger mit einem Wechsel. Wie bereits erwähnt, sind in meinen Augen nur "Lewy", Kimmich und Neuer unverzichtbar. Bei Alaba wäre ich der Meinung, Reisende soll man nicht aufhalten.

Wenn er eine neue Herausforderung sucht und beispielsweise zu Real Madrid oder dem FC Barcelona wechseln möchte, dann kann man das verstehen und eine Lösung für diesen ebenfalls extrem verdienten Spieler finden. Mit Alphonso Davies steht ein ganz toller Ersatz bereit auf der linken Seite. Alaba ist 27 und es ist die vielleicht letzte Chance, einen anderen Spitzen-Klub zu erleben und zu genießen.

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