Matthäus: Sevilla kann Bayern nicht das Wasser reichen
Kolumne "So sehe ich das"
03.04.2018 | 19:18 Uhr
Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen aus der Bundesliga und der Fußballwelt auf skysport.de. Dieses Mal spricht er über die anstehenden Leckerbissen des europäischen Top-Fußballs.
Ja, der BVB hat aktuell viele Sorgen und wird diese in naher Zukunft anpacken und lösen müssen. Und ja, der FC Bayern ist auf der Suche nach einem Trainer und wird diesen in den nächsten Wochen präsentieren.
Heute möchte ich allerdings über die anstehenden Leckerbissen des europäischen Top-Fußballs sprechen. Morgen beginnen die Viertelfinal-Partien in der Champions League. Alle Top-Favoriten auf den Titel sind noch vertreten. Das Schöne dabei ist, dass keiner im Viertelfinale gegeneinander spielt und wenn alles gut läuft, steht die Crème de la Crème im Halbfinale. Nämlich Real Madrid, der FC Barcelona, die Bayern und Manchester City.
Heynckes hat Vorteil gegenüber Montella
Das wären die Tabellenführer der drei stärksten Ligen plus dem Titelverteidiger der Königsklasse. Natürlich müssen diese Teams noch das Viertelfinale überstehen. Doch danach könnten sich die Fans auf Halbfinalbegegnungen freuen, die ihresgleichen suchen.
Doch erstmal zu den Viertelfinal-Begegnungen. Obwohl sie Manchester United im Achtelfinale ausgeschaltet hat, ist Sevilla eine Mannschaft, die den Bayern eigentlich nicht das Wasser reichen kann. Wenn die Bayern zwei ordentliche Tage erwischen, dürften sie gegen Sevilla keine Probleme bekommen.
Jupp Heynckes und seine Bayern werden Sevilla mit Sicherheit nicht unterschätzen. Dafür kennt und verfolgt Jupp die spanische Liga viel zu genau. Auch das ist ein Vorteil gegenüber Vincenzo Montella auf der gegnerischen Bank.
Neuer und Becker - die weltbesten Torhüter
Sevilla war in den letzten Jahren extrem erfolgreich in der Europa-League. Sie haben diesen Wettbewerb in den letzten zwölf Jahren fünf Mal gewonnen und sind damit Rekordhalter. Von 2014-2016 gelang ihnen sogar der Titel-Hattrick. In der Liga stehen sie nur auf Rang sechs, haben aber am Wochenende beim 2:2 gegen Barcelona gezeigt, dass sie mit jedem Gegner mithalten können. Trotzdem: In zwei Spielen und dem Rückspiel in München, ist der FC Bayern glasklarer Favorit.
Bei Barcelona gegen den AS Rom liegen die Dinge ähnlich. Rom hat sich schon gegen Donezk sehr schwer getan und hatte seinem brasilianischen Torhüter Alisson Becker eine Menge zu verdanken. Becker, der mit Brasilien vor einigen Tagen gegen Deutschland gespielt hat, ist für mich neben Manuel Neuer der beste Torwart der Welt. Aber das wird nicht reichen. Barca ist haushoher Favorit.
Juventus gegen Real. Die Wiederauflage des letzten Endspiels. Juve ist nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Meisterschaft wieder Tabellenführer. Die Mannschaft ist unglaublich routiniert, und ist auch deshalb trotz Minimal-Fußball im Achtelfinale gegen Tottenham Hotspurs weitergekommen. Für einige war dies vielleicht unverdient, aber es hat gezeigt, dass man mit Juventus immer rechnen muss.
Pep gegen Klopp - das unangenehmste Los
Real Madrid ist in diesem Wettbewerb traditionell und vor allem in den letzten Jahren, so fokussiert, dass es für jeden Gegner extrem schwer wird. Auffällig gegen Paris im Achtelfinale war vor allem, dass Zinedine Zidane auch vor unbequemen und überraschenden Maßnahmen nicht zurückschreckt. Er hat in Paris Modric und Kroos auf der Bank gelassen und sein Plan ist trotzdem komplett aufgegangen. Er stellt das System manchmal um, richtet sich auch mal nach dem Gegner, hat meistens einen sehr guten Plan.
Nachdem die Mannschaft in der Hinrunde der Meisterschaft geschwächelt hat, ist sie jetzt in der Verfassung den Champions-League-Hattrick schaffen zu können. Madrid ist hier für mich der Favorit. Nicht im gleichen Umfang wie Bayern oder Barcelona, weil Juventus eben ein anderes Kaliber ist. Und zwar nicht nur in der Defensive wie viele immer denken, sondern auch vorne mit Dybala, Higuain und Co.
Pep gegen Klopp, beziehungsweise Manchester City gegen Liverpool. Für City und Guardiola ist es mit das unangenehmste Los überhaupt. Ich bin sicher, jeder andere Gegner wäre ihm lieber gewesen. Man spielt im internationalen Wettbewerb nicht gerne gegen ein Team aus der eigenen Liga. Im Januar besiegte Liverpool City mit 4:3 und führte zwischendurch mit 4:1.
Liverpool stellt den besten Stürmer der PL
Im September 2017 gab es aber auch eine 0:5-Klatsche für die Reds. Es ist das ausgeglichenste Los des Viertelfinales. Liverpool hat sich mittlerweile auch in der Defensive stabilisiert. Vorne sind sie schon lange sehr stark. Sie stellen mit Salah aktuell den besten Stürmer der Premier League mit 29 Toren. Insgesamt hat er bereits 37 Pflichtspiel-Tore für Liverpool in dieser Saison geschossen. Mit dem aggressiven Pressing-Stil von Klopps Mannschaften, hat sich Pep in der Vergangenheit sehr oft sehr schwer getan.
Das haben wir auch in der Bundesliga erlebt. Nochmal kurz zurück zu den Bayern. Sie werden gewinnen wollen. Selbst ein 0:0 kann gefährlich sein, wie United festgestellt hat. Die großen Teams spielen immer und überall auf Sieg. Wenn dann doch ein Unentschieden mit Auswärtstoren herauskommt, ist das in Ordnung. Aber der Plan von Teams wie Real, Barca, Bayern ist immer zu gewinnen. Das steckt in der DNA dieser Vereine.