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Offiziell: Grindel tritt als DFB-Präsident zurück

Rücktritt des DFB-Präsidenten Grindel

Sport-Informations-Dienst (SID)

03.04.2019 | 10:27 Uhr

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In diesem Video (Länge: 4:56 Minuten) erklärt Reinhard Grindel auf einer Pressekonferenz seinen Rücktritt als DFB-Präsident.

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist zurückgetreten. Der Druck auf den 57-Jährigen war in den vergangenen Tagen immens gestiegen - am Ende stolperte er über eine geschenkte Luxusuhr.

Reinhard Grindel wirkte angeschlagen, aber erstaunlich aufgeräumt. Sein entscheidender Fehltritt, die Annahme einer 6000 Euro teuren Uhr, die ihn zum sofortigen Rücktritt vom Amt des DFB-Präsidenten zwang, mache ihn "fassungslos", sagte der seit Wochen angezählte 57-Jährige am Dienstag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes. Seine vorgeschriebene Stellungnahme klang jedoch mehr wie eine Rechtfertigung als eine Entschuldigung.

"Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig und seit Jahren mit Compliance-Fragen befasst bin", sagte Grindel, der die Luxusuhr 2017 von dem ukrainischen Funktionär Grigori Surkis geschenkt bekommen, aber nicht gemeldet hatte: "Ich bin tief erschüttert, dass ich wegen eines solchen Vorgangs meine Funktion als DFB-Präsident aufgeben muss, die ich gerne ausgeübt habe, vor allem um dem Amateurfußball in Deutschland Impulse zu geben."

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Nach den Medienberichten über einen Rücktritt von Reinhard Grindel als DFB-Präsident ordnet Sky Reporter Marc Beherenbeck die Lage ein. (Video: 04:44)

Grindel bittet um "eine faire Beurteilung"

Die Uhren-Affäre war allerdings nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Bereits am Freitag war der Druck auf Grindel enorm gestiegen, als über der Öffentlichkeit und angeblich auch Teilen des DFB-Präsidiums verschwiegene Zusatzeinnahmen in Höhe von 78.000 Euro berichtet wurde. Es passte zum Bild des äußert ungeschickt agierenden DFB-Präsidenten, für den das letzte Fettnäpfchen das eine zu viel war.

"Der Druck auf seine Person ist in den vergangenen Wochen auf unterschiedlichen Ebenen permanent gestiegen", sagte DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball, der den Verband bis zum DFB-Bundestag am 27. September zusammen mit Vize Rainer Koch kommissarisch führen wird: "Es ist daher im Sinne des deutschen Fußballs und seiner Handlungsfähigkeit, den Weg für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB freizumachen."

Grindel bat am Ende seiner Stellungnahme um "eine faire Beurteilung" seiner am Ende "leider nur dreijährigen Amtszeit". Mit dem früheren CDU-Politiker an der Spitze hatte der DFB die EM 2024 nach Deutschland geholt, zudem steht die Grundsteinlegung für die neue DFB-Akademie vor der Tür. Der Öffentlichkeit und vor allem seinen internen Kritikern war das allerdings egal.

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Wie geht es weiter an der Spitze des DFB? Max Bielefeld beleuchtet mögliche Nachfolgekandidaten.

Grindel zeigt sich einsichtig

Jemand aus dem unmittelbaren Umfeld des DFB-Präsidenten streute seit Wochen Informationen, um Grindel in die Ecke zu treiben. Rückhalt spürte der einstige DFB-Schatzmeister kaum noch. Die Uhr, für die "keinerlei Gegenleistung" erbracht worden, und die ein "reines Privatgeschenk, ohne jeden Bezug zum ukrainischen Verband oder gar einem Wirtschaftsunternehmen" gewesen sei, wie Grindel betonte, reichte am Ende zum Sturz des Präsidenten.

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"Selbstverständlich werde ich mich auch an die Compliance-Beauftragten der FIFA und UEFA wenden und den Vorgang der Zollverwaltung melden", sagte Grindel, der selber einräumte, dass auch dieser vermeintliche Skandal mit ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl hätte verhindert werden können - wie so häufig in seiner Amtszeit.

"Ich kann es mir nur so erklären, dass ich zutiefst davon überzeugt war, dass ich nichts Unrechtes tue und im Stress des Amtes einfach zu wenig hinterfragt habe", sagte Grindel, dessen nachträgliche Erklärungsversuche schon in der Affäre um Mesut Özil oder bei der Ausbootung der Weltmeister Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels äußerst unglücklich gewirkt hatten.

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Sky Reporter Alexander Bonengel kommentiert den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel (Video-Länge: 1:04 Minuten).

DFB steht vor großen Problemen

Grindels Demission stellt den DFB allerdings vor große Probleme. Ein starker Nachfolger ist weit und breit nicht in Sicht. Rauball, der sich nicht erneut zum DFL-Präsidenten wählen lassen wird, liegt mit 72 Jahren über der Altersgrenze.

Koch fehlt der Rückhalt im Profibereich. Der langjährige Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm äußerte am Montag, er habe "überhaupt keine Ambitionen", DFB-Präsident zu werden. Als mögliche Alternative wird auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff gehandelt. Der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger forderte indes einen hauptamtlichen Präsidenten. Der Aufwand sei "nur als Hauptamt mit entsprechender Bezahlung" zu schaffen, sagte Zwanziger der Rheinischen Post: "Alles andere ist Heuchelei und verführt zur Intransparenz."

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Reinhard Grindel ist am Ende eine geschenkte Uhr zum Verhängnis geworden. Der Ex-DFB-Präsident stand nach einer Reihe von Fehltritten und umstrittenen Entscheidungen schon länger unter Druck: eine Chronik (Videolänge: 2:17 Min.).

Seine Ämter in den Führungsgremien der UEFA und FIFA wird Grindel "in enger Abstimmung mit dem DFB" fortführen. Vor allem in der Europäischen Fußball-Union (UEFA), betonte der CDU-Politiker immer wieder, sei er inzwischen als Vizepräsident äußert gut vernetzt.

Sport-Informations-Dienst (SID)

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