Neuer oder ter Stegen? Matthäus schlägt Torwart-Split bei WM vor
Matthäus-Kolumne: "So sehe ich das"
29.05.2018 | 22:26 Uhr
Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner neuen Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen aus der Bundesliga und der Fußballwelt auf skysport.de. Dieses Mal beschäftigt er sich mit der deutschen Torhüter-Frage bei der WM 2018.
In 17 Tagen startet die Weltmeisterschaft in Russland und Jogi Löw muss bereits im Vorfeld einige sehr wichtige Entscheidungen treffen. Die wichtigste wird sein: mit oder ohne Manuel Neuer zur Titelverteidigung? Der Bundestrainer hat verraten, dass er Manuel nur mitnimmt, wenn er im Turnier auch seine Nummer eins ist.
Gute-Laune-Neuer bringt keinem etwas
Gut so. Denn als Gute-Laune-Kapitän, der der Mannschaft auf dem Platz mit seiner einzigartigen Qualität nicht helfen kann, bringt eine Nominierung keinem etwas.
Außerdem haben wir mit Marc-Andre ter-Stegen einen weiteren Weltklasse-Torhüter im Kader. Er ist in dieser Saison mit Barcelona Meister geworden, war schon Champions-League-Sieger. Mit 26 Jahren ist er in einem guten Alter.
Löws Bauchgefühl wird entscheiden
Mir ist klar, dass Manuel aufgrund seiner außergewöhnlichen Klasse keine lange Anlaufzeit benötigt, um der Rückhalt zu sein, den Deutschland braucht. Er ist jetzt gesund, hat aber seit acht Monaten keine Spielpraxis. Und ich weiß nicht, ob Testspiele gegen die eigene U20 sowie zwei Partien gegen Saudi-Arabien und Österreich ihn wirklich fordern. Das sind bessere Testspiele, nicht mehr.
Aber trotzdem ist es wichtig für ihn, dass er wieder auf dem Platz steht. Löw wird am Ende mit allen Beteiligten sprechen und am Schluss vielleicht sogar auf sein Bauchgefühl hören. Denkbar wäre auch, dass Manuel als Nummer eins ins Turnier geht und ab der K.o.-Phase ins Geschehen eingreift. Es wäre eine Möglichkeit.
Macht Löw es wie bei Khedira und Schweinsteiger?
Schon 2014 in Brasilien fuhren Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger mit und wurden dort langsam an ihre volle Belastbarkeit herangeführt. Persönlichkeit, Verdienste und die individuelle Klasse spielten und spielen immer eine Rolle.
Wichtig ist, dass Jogi den Spielern klar kommuniziert, wie er sich das vorstellt, und alle genau wissen, woran sie sind. Da mache ich mir aber bei ihm überhaupt keine Sorgen. Denn er moderiert und führt unsere Nationalmannschaft seit vielen Jahren perfekt.
Auf diesen Positionen wird's eng im DFB-Kader
In einer Woche muss er bereits vier Spieler streichen. Ich möchte zu diesem Zeitpunkt keine Namen nennen, denn das wäre nicht fair.
Nur so viel: Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit sechs Innenverteidigern nach Russland fahren und auch nicht mit drei Mittelstürmern. Es dürfte auf diesen beiden Positionen jeweils mindestens einen erwischen. Von den vier Torhütern wird einer ebenfalls gestrichen.
Auch eine Stammformation ist Stand heute schwer seriös zu benennen. Es kommt immer auch auf den Gegner an. Brauche ich ein Übergewicht im Mittelfeld und agiere hinten mit Dreierkette? Wird der Gegner extrem tief stehen und ich versuche ihn über die Flügel auseinander zu nehmen? Kommt ein offensiv gefährliches Team und es ist eine Viererkette und eine Doppel-Sechs von Nöten? Das Gute ist: So gut wie jede Position ist in diesem Klasse-Kader doppelt und stark besetzt.
Transfer-Gerüchte beim FC Bayern
Doppelt besetzt sind auch die Flügel beim FC Bayern. Coman, Ribery, Robben und Gnabry. Nach den Aussagen von Real-Star Gareth Bale gibt es nun Diskussionen, ob sich der FC Bayern um so einen tollen Spieler bemühen sollte. Natürlich ist es das große Ziel des deutschen Rekordmeisters, in absehbarer Zeit wieder in ein Champions-League-Finale zu kommen - und es am besten zu gewinnen.
Und wenn ein solcher Spieler auf dem Markt ist und sich auch noch selbst bei anderen Klubs anbietet, nachdem er Real zum 13. Champions-League-Triumph geschossen hat, müssten die Bayern wenigstens darüber nachdenken.
Bale-Wechsel zu Bayern würde wenig Sinn machen
Bale ist ein fantastischer Spieler mit einem guten Charakter, der nicht nur durch seinen Fallrückzieher gegen Liverpool gezeigt hat, was er kann. Nach dem 3:1 von Kiew sagte der Waliser: "Ich möchte jedes Wochenende auf dem Platz stehen. Ich werde mich mit meinem Berater zusammensetzen und dann schauen wir weiter. Vielleicht bleibe ich, vielleicht aber auch nicht."
Ich glaube aber nicht, dass sich der FC Bayern jetzt mit Bale beschäftigt. Dass er unzufrieden bei Real ist, ist nichts Neues. Das hat jeder in dieser Saison mitbekommen. Da der FC Bayern aber mit Robben und Ribery verlängert hat und Gnabry hinzukommt, würde eine Verpflichtung wenig Sinn machen. Das Konfliktpotenzial wäre programmiert, vor allem im Kampf um die rechte Außenbahn.
Bale kann allerdings auch links spielen. Wenn man Bale hätte holen wollen, wieso dann mit "Robbery" verlängern? Es wäre eine unnötige und extrem teure Baustelle für Niko Kovac. Und ganz nebenbei hat Bale in Madrid einen Vertrag bis 2022.