Pep Guardiola zu stur für die Champions League?
Sechstes vorzeitiges Aus in Folge droht
10.04.2018 | 22:40 Uhr
Nach dem 0:3 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Liverpool steht Pep Guardiolas Manchester City vor dem Aus. Ein Grund für ein vorzeitiges Ausscheiden: Guardiolas Sturheit bei seiner taktischen Ausrichtung.
"Ich halte Pep für den besten Trainer der Welt. Es ist außergewöhnlich, was er macht", sagte Jürgen Klopp im exklusiven Interview mit Sky Sport vor dem Aufeinandertreffen der beiden im Viertelfinale der Champions League.
Guardiolas Vergangenheit und die zahlreichen Titel mit dem FC Barcelona und Bayern München unterstützen die Aussage Klopps. Doch in den vergangenen Jahren scheiterte der Katalane mit seinen Teams in aller Regelmäßigkeit im bedeutendsten europäischen Wettbewerb.
Pep müsse sich hinterfragen, meint Sky Experte Dietmar Hamann nach der deutlichen und verdienten 0:3-Niederlage in Liverpool und spielt damit auf mögliche Fehler des Katalanen an. "Guardiolas Mannschaft hat in Liverpool einen richtig müden Eindruck gemacht. Er muss sich hinterfragen, ob es in der Trainingssteuerung so läuft, wie es sein sollte. In England hat er zusätzlich das Problem, dass im Winter durchgespielt wird."
Guardiolas Konzept hat Schwachstellen
Neben der nicht optimalen Belastung in den Trainingseinheiten offenbarten die Guardiola-Teams eine weitere Schwachstelle: die taktische Ausrichtung!
Der 47-Jährige etablierte auf seinen bisherigen Stationen in Barcelona, München und Manchester ein ganz bestimmtes taktisches Konzept. Dieses zeichnet sich vor allem durch lange Ballbesitzzeiten, hohe Ballkontrolle, kontrollierten Spielaufbau von hinten heraus und festem Positionsspiel seiner Spieler aus.
"Du musst in deiner Position bleiben, egal was passiert. Vertraue deinen Mitspielern. Pep hat einen Plan, den du respektieren musst", verrät Thierry Henry bei Sky Sports, ein ehemaliger Spieler Guardiolas beim FC Barcelona, den Grundgedanken des Katalanen.
Hohes Pressing als Gegenmittel
Vor allem in der K.o-Phase der Königsklasse gelingt es gegnerischen Teams immer häufiger, diese starre taktische Ausrichtung zu durchbrechen und das System-Guardiola vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Bei den Bayern ging Pep gegen Real Madrid in zwei Spielen mit 0:5 unter. Auch gegen Barcelona (3:5) und Atletico Madrid (2:2) folgte das Aus. Mit seinem aktuellen Klub Manchester City scheiterte Guardiola im vergangenen Jahr überraschend an der AS Monaco, das die Citizens mit hohem Anlaufen überraschte.
Unter den Trainerkollegen schaffte es vor allem einer, Guardiolas System und taktische Ausrichtung mit hohem, aggressiven Gegenpressing zu entschlüsseln. Jürgen Klopp führt im Direktvergleich mit dem Katalanen mit 7:5 und entwickelt sich damit immer mehr zu Peps Kryptonit. Zudem ist Klopp der einzige Coach, gegen den Guardiola bei mindestens drei Aufeinandertreffen eine negative Bilanz aufweist.
Guardiola braucht einen Plan B
Pep ist ausrechenbar geworden. Seinem Team fehlt in den großen Duellen - wie zuletzt beim FC Liverpool - ein Plan B. Dominanz abgeben, auch mal den Gegner das Spiel machen lassen und so auf Fehler warten, um diese dann eiskalt auszunutzen - so oder so ähnlich könnte dieser aussehen.
Ob Guardiola trotz der mittlerweile zahlreichen Nackenschläge eine taktische Umjustierung vornehmen wird, bleibt jedoch fraglich. Der Katalane gab sich bereits nach Misserfolgen in seinem ersten Jahr bei den Citizens stur. "Ich habe 21 Titel in sieben Jahren gewonnen. Ich werde mich und meine Art zu spielen, nicht verändern", konterte Guardiola einem Journalisten auf einer Pressekonferenz.
"Wenn es aber in den kommenden Jahren nicht gut läuft, werde ich gehen", fuhr er fort. So weit ist es aufgrund der fast schon sicher errungenen Meisterschaft in der Premier League noch nicht gekommen, ein wiederholtes Ausscheiden in der Champions League scheint nach der 0:3-Niederlage gegen Liverpool aber unausweichlich - es sei denn, Pep legt seine taktische Sturheit ab und zieht ganz schnell einen Masterplan B aus dem Hut.