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Real Madrid News: Ramos vor dem Aus - wie plant Ancelotti?

Trainer weg, Kapitän wohl auch - Real vor Umbruch ohne Umbruch

Robert Gherda

06.06.2021 | 11:00 Uhr

Sergio Ramos wird Real Madrid zum Saisonende sehr wahrscheinlich verlassen.
Image: Sergio Ramos wird Real Madrid zum Saisonende sehr wahrscheinlich verlassen. © DPA pa

Trainer Zinedine Zidane wollte nicht mehr bei Real Madrid bleiben, Kapitän Sergio Ramos darf es wohl bald nicht mehr. Die spanische Zeitung As meldet, dass eine Scheidung zwischen den Königlichen und ihrem Kapitän unausweichlich ist. Der spanische Rekordmeister steht also vor einem Umbruch, allerdings handeln die Verantwortlichen nicht so.

Die Anziehungskraft von Real Madrid ist nach wie vor gewaltig. Ganze fünf Tage, nachdem Zinedine Zidane als Trainer von Real zurücktrat, hatten die Königlichen in Carlo Ancelotti bereits einen namhaften Nachfolger gefunden. Der Italiener kennt den Verein, war schließlich bereits in den Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 Real-Coach und gewann unter anderem die Champions League. Der 61-Jährige kommt vom FC Everton und unterschrieb einen Vertrag bis 2024.

Ancelotti hatte "keine Zweifel"

"Als Real Madrid mich anrief, hatte ich keine Zweifel. Null. Es ist besonders. Ich habe das gleiche Gefühl wie damals, als ich zum ersten Mal kam", erklärte der Übungsleiter bei seiner Vorstellung. Und weiter: "Damals war meine Unsicherheit größer, nun habe ich mehr Selbstvertrauen. Danke an Real Madrid, ich will dem Präsidenten und José Ángel (Sanchez, Generaldirektor bei Real, Anm. d. Red.) danken. Ich bin sehr glücklich, zurückzukehren. Es ist mein Zuhause."

Tatsächlich dürfte er sich schnell in seinem "Zuhause" zurecht finden, denn obwohl seine Entlassung bereits sechs Jahre zurückliegt, ist die Mannschaft zu großen Teilen noch die Gleiche. Spieler wie Toni Kroos, Luka Modric, Casemiro, Isco, Karim Benzema waren bereits in Ancelottis erster Amtszeit wichtige Säulen und sollen es nun auch wieder werden, obwohl einige der Spieler bereits in die Jahre gekommen sind.

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  1. Politano
    Image: MATTEO POLITANO: Wechselt für 19 Millionen Euro von Inter Mailand zum SSC Neapel © Imago
  2. McKennie
    Image: WESTON MCKENNIE: Wechselt für mehr als 18 Millionen Euro vom FC Schalke zu Juventus © Imago
  3. Ibanez
    Image: ROGER IBANEZ: Wechselt für 8 Millionen Euro von Atalanta Bergamo zu AS Rom © Imago
  4. Pepe
    Image: PEPE: Wechselt für 15 Millionen Euro von Gremio Porto Alegre zum FC Porto © Imago
  5. Darmian
    Image: MATTEO DARMIAN: Wechselt für knapp 2,5 Millionen Euro zu Inter Mailand © Imago
  6. Toljan
    Image: JEREMY TOLJAN: Wechselt für 5 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu US Sassuolo © Imago
  7. Candreva
    Image: ANTONIO CANDREVA: Wechselt für rund 2,5 Millionen Euro von Inter Mailand zu Sampdoria Genua © Imago
  8. Unnerstall
    Image: LARS UNNERSTALL: Wechselt ablösefrei von PSV Eindhoven zu Twente Enschede  © Imago
  9. MUSA BARROW: Wechselt für 14,5 Millionen Euro von Atalanta Bergamo zum FC Bologna.
    Image: MUSA BARROW: Wechselt für 14,5 Millionen Euro von Atalanta Bergamo zum FC Bologna © Imago
  10. KAYKY: Wechselt für zehn Millionen Euro von Fluminense zu Manchester City.
    Image: KAYKY: Wechselt für zehn Millionen Euro von Fluminense zu Manchester City © Imago
  11. JOEL DROMMEL: Wechselt für 3,5 Millionen Euro von Twente Enschede zu PSV Eindhoven.
    Image: JOEL DROMMEL: Wechselt für 3,5 Millionen Euro von Twente Enschede zu PSV Eindhoven © Imago
  12. Der Wechsel von David Alaba zu Real Madrid ist perfekt.
    Image: DAVID ALABA: Wechselt ablösefrei vom FC Bayern zu Real Madrid © Imago
  13. Konate verlässt Leipzig.
    Image: IBRAHIMA KONATE: Wechselt für 40 Millionen Euro von RB Leipzig zum FC Liverpool
  14. Danilo Pereira – Defensives Mittelfeld – Wadenverletzung
    Image: DANILO PEREIRA: Wechselt für 16 Millionen Euro vom FC Porto zu Paris St. Germain © DPA pa
  15. MIKE MAIGNAN: Wechselt für 13 Millionen Euro vom OSC Lille zum AC Milan
    Image: MIKE MAIGNAN: Wechselt für 13 Millionen Euro vom OSC Lille zum AC Milan © Getty
  16. Stürmer Sergio Aguero wird Manchester City im Sommer verlassen.
    Image: SERGIO AGÜERO: Wechselt ablösefrei von Manchester City zum FC Barcelona © Getty
  17. ERIC GARCIA:
    Image: ERIC GARCIA: Wechselt ablösefrei von Manchester City zum FC Barcelona © Getty
  18. Emerson
    Image: ERMERSON: Wechselt für neun Millionen Euro von Betis Sevilla zurück zum FC Barcelona. © DPA pa
  19. Georginio Wijnaldum ist eines der heißen Transferziele im Sommer.
    Image: GEORGINIO WIJNALDUM: Wechselt ablösefrei vom FC Liverpool zu Paris St. Germain © Imago
  20. EMILIANO BUENDIA: Wechselt für 38,4 Millionen Euro von Norwich zu Aston Villa
    Image: EMILIANO BUENDIA: Wechselt für 38,4 Millionen Euro von Norwich zu Aston Villa © Getty

Sogar Gareth Bale, der unter dem Ex-Bayern-Coach seine vielleicht beste Zeit in Madrid erlebte, soll nach Leihende bei Tottenham Hotspur zurückkehren und wieder aufblühen. Angesprochen auf die Personalie erklärte Ancelotti auf der Pressekonferenz: "Gareth hat bei Tottenham nicht viel gespielt, aber er hat oft getroffen. Er war sehr effektiv, vor allem zuletzt. Er kehrt nun zurück, ich kenne ihn sehr gut. Er ist motiviert, zu versuchen, so gut wie es geht zu spielen. Er kann eine großartige Saison spielen, daran habe ich keine Zweifel."

Zwei wichtige Profis aus seiner ersten Zeit bei Real wird er aber nicht oder zumindest sehr wahrscheinlich nicht mehr begrüßen können. Cristiano Ronaldo spielt mittlerweile bekanntlich bei Juventus und auch wenn immer wieder über eine Rückkehr des Superstars spekuliert wird, ist ein solches Szenario derzeit eher unwahrscheinlich.

Ramos-Abschied scheint sicher

Und dann ist da noch Sergio Ramos. Der Vertrag des langjährigen Kapitäns läuft aus und eine Verlängerung ist so gut wie ausgeschlossen. Das Tischtuch zwischen dem 35-Jährigen und Präsident Florentino Perez scheint zerschnitten, die Verhandlungen stecken in einer Sackgasse. Perez nimmt es Ramos laut der As offenbar noch übel, dass er sich während der Pandemie gegen eine Gehaltskürzung von zehn Prozent wehrte. Der Routinier argumentierte damals, dass das Eingesparte nur dafür verwendet würde, um "Kylian Mbappes Gehalt zu bezahlen".

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Ramos, seit 2005 (!) bei den Madrilenen, wird ab Sommer also fast sicher in einem neuen Trikot zu sehen sein, das deutete auch Ancelotti selbst an: "Ich hatte mir damals auch kein Real Madrid ohne Carlo Ancelotti vorstellen können. Doch es passierte trotzdem", so der Trainer-Rückkehrer nüchtern.

Alaba richtiger Transfer zur falschen Zeit

Doch das ist nicht alles, was schwer vorstellbar ist. Schwer zu glauben, aber der stolze Traditionsklub blieb in zwei der vergangenen drei Saisons ohne einen einzigen Titel. Im Halbfinal-Rückspiel der diesjährigen Champions League gegen den späteren Sieger FC Chelsea wurden der überalterten Mannschaft (Durchschnittsalter über 29 Jahre, Anm. d. Red.) dabei deutlich die Grenzen aufgezeigt.

Die Spanier waren mit dem 0:2 an der Stamford Bridge noch bestens bedient und hatten der jungen Tuchel-Truppe im Grunde nichts entgegenzusetzen. Sky Experte Lothar Matthäus und Michael Ballack kritisierten die Leistung anschließend scharf und waren sich einig, dass ein Umbruch bei Real überfällig ist.

Neuer Coach, neuer Kapitän und eine Mannschaft, die offensichtlich über ihren Zenit ist - all das spricht eigentlich tatsächlich für einen bevorstehenden Radikalumbruch, doch die Königlichen haben offenbar andere Pläne - auch, weil der Klub kein Geld hat. Vor kurzem wurde der Vertrag mit dem 35-Jährigen Modric verlängert und auch Lucas Vazquez, der in drei Wochen 30 Jahre alt wird und nach einem Kreuzbandriss noch monatelang fehlt, erhielt ein neues Arbeitspapier bis 2024. Zudem kehrt wie oben erwähnt der 31-Jährige Bale zurück.

Hazard freut sich auf Ancelotti

Für den 33-Jährigen Karim Benzema gibt es ohnehin keinen Backup und auch Ancelotti wird wieder auf die Treffsicherheit des Torjägers oder die Anspiele in die Spitze des 31-Jährigen Toni Kroos hoffen müssen. Oder vielleicht bekommt der erfahrene Coach ja auch die Verletzungsanfälligkeit des 30-jährigen Eden Hazard in den Griff? Der Belgier freut sich jedenfalls schon auf den neuen Coach, wie der dem belgischen Fernsehsender RTBF sagte:

"Alle in Madrid wissen, was Ancelotti dem Klub gegeben hat. Er hat die Champions League gewonnen und kennt viele Spieler. Wir wissen, dass er ein Trainer mit viel Erfahrung ist. Er kennt die Stadt und die Fans. Ich glaube, wir können zusammen Großes schaffen."

Vielleicht hat der Belgier recht und Ancelotti gelingt es, aus der gestandenen Mannschaft noch einmal alles herauszuholen. Es scheint derzeit jedenfalls der einzige Plan zu sein, den die Real-Bosse verfolgen, denn selbst der einzige Neuzugang spricht nicht dafür, dass Perez & Co. vorhaben, die Alterstruktur der Mannschaft kurzfristig zu verändern. David Alaba ist ein absoluter Weltklassespieler, aber wird noch in diesem Monat 29. Zudem ist er auch ohne Ablöse mit einem Transfervolumen von rund 140 Millionen Euro für den angschlagenen Verein in Coronazeiten nicht gerade billig und wirkt ein wenig wie ein richtiger Transfer zur falschen Zeit.

Hoffnung dank Ödegaard & Co.

Doch es gibt auch Hoffnung: Mit Innenverteidiger Eder Militao (23 Jahre alt), Linksverteidiger Ferland Mendy (25), Mittelfeldspieler Fede Valverde (22) und den schnellen Flügelspielern Marco Asensio (25) sowie den beiden 20-jährigen Rodrygo und Vinicius Junior hat Real ein sehr starkes Gerüst an jungen Spielern, zu dem sich ab der kommenden Saison auch noch Martin Ödegaard gesellt. Der Norweger - einst von Ancelotti als PR-Gag abgetan - konnte zuletzt beim FC Arsenal überzeugen und will nun endlich auch in Madrid durchstarten. Dasselbe trifft auf Dani Ceballos (24) zu, dessen Leihe bei den Gunners ebenfalls endet.

Zudem lassen die Gerüchte um Mbappe nicht nach. Sollte sich der Weltmeister dazu entschließen, seinen bis Sommer 2022 laufenden Vertrag bei PSG nicht zu verlängern, könnten die Franzosen gezwungen sein, über einen Transfer zu verhandeln. Real dürfte in diesem Fall sicherlich ein Wörtchen mitreden, auch wenn zuvor wohl erst Spieler wie Raphael Varane verkauft werden müssten, um das nötige Kleingeld auf dem Konto zu haben.

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Was macht Mbappe?

Ein Mbappe im weißen Dress der Königlichen würde den nötigen Umbruch im Team natürlich vereinfachen beziehungsweise beschleunigen. Sich jedoch nur darauf zu verlassen, ist sehr gefährlich, denn wenn der Plan scheitert, droht ein Umbruch, der durch die Abgänge von Zidane und Ramos bereits losgetreten wurde, ohne dass wirklich etwas passiert. Ein Umbruch ohne Umbruch sozusagen - und das hilft Real Madrid in der derzeitigen Phase überhaupt nicht. Auch wenn die Anziehungskraft nach wie vor gewaltig ist.

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