Schalke 04: Trainer Frank Kramer vor "Endspiel" gegen Hoffenheim
Vor "Endspiel": Hat Kramer auf Schalke überhaupt noch eine Chance?
13.10.2022 | 23:54 Uhr
Der Druck auf Frank Kramer ist gewachsen: Der Schalke-Trainer steht am Freitag im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim vor einem "Endspiel" um seine persönliche Zukunft. Doch selbst bei einem Erfolgserlebnis stellt sich die Frage: Hat Kramer auf Schalke überhaupt noch eine Chance?
Am Samstagnachmittag senkten die Schalke-Fans ihren Daumen nach unten. Erstmals in dieser Saison waren "Kramer raus"-Rufe unüberhörbar zu vernehmen. Der schwache Auftritt bei der 0:4-Niederlage gegen Bayer Leverkusen hatte die mitgereisten Anhänger erzürnt. Der Bundesliga-Rückkehrer befindet sich wieder mal am Anfang einer rund um den Klub bekannten Dauerschleife.
Dass auf Schalke die Trainerfrage diskutiert wird, ist nicht wirklich mehr überraschend, zumal sich der Vorgang mit Blick auf die jüngere Vergangenheit alle paar Monate wiederholt. In den vergangenen zwei Jahren versuchten sich - man höre und staune - gleich sieben Trainer bei Königsblau. Die hohe Fluktuation auf dem Cheftrainer-Posten ist ein mitentscheidender Grund für den brutalen Absturz des einstigen Dauergastes im Europapokal.
Schalke fehlt Kontinuität auf Trainer-Position
Auch der neuen Führung um Sportvorstand Peter Knäbel und Sportdirektor Rouven Schröder ist es bislang nicht gelungen, den hohen Verschleiß an Trainern zu stoppen, auch wenn der Wille nach der angestrebten Kontinuität auf dieser Schlüsselposition durchaus zu erkennen ist.
So haben die Verantwortlichen in der Aufstiegssaison trotz früh aufkommender und stetig wachsender Kritik lange an Dimitrios Grammozis festgehalten, ehe sie nach der 3:4-Heimniederlage gegen Hansa Rostock keine andere Wahl mehr hatten. Die bleibt ihnen wohl auch nicht bei einer Niederlage am Freitag zuhause gegen die TSG Hoffenheim. "Das ist nicht mein Thema. Wir brauchen die Haltung, wollen ein anderes Gesicht zeigen, und wir wollen punkten", sagte Kramer vor dem Duell mit der TSG.
Die Chefetage hat nach dem Debakel gegen Leverkusen öffentlich eine "in allen Belangen verbesserte Leistung" eingefordert. Nicht nur von der Mannschaft, sondern explizit auch "vom Trainerstab um Frank Kramer". Ein unmissverständliches Statement, doch Kramer ist nach nur einem Sieg in neun Spielen bereits an einem Punkt angelangt, an dem selbst ein Erfolgserlebnis in Form eines Sieges oder Remis sein berufliches Schicksal wohl nur herauszögern würde.
Kramer kann Skepsis nicht widerlegen
In Wahrheit hatte er von Tag eins an trotz der Unterstützung aus den eigenen Reihen keine wirkliche Chance, zu groß war im Umfeld die Skepsis an dem 50-Jährigen. Die Zweifel waren mit Blick auf seine vorherigen Stationen in Deutschland nachzuvollziehen, verlor Kramer mit Bielefeld, Düsseldorf und Hoffenheim mehr Spiele als er gewann. Nur in Fürth fiel seine Bilanz knapp positiv aus.
Die Zahlen sind jedoch nur ein Faktor, warum die Verpflichtung des gebürtigen Memmingers mit großem Argwohn betrachtet wurde und sogar Irritationen auslöste. Schließlich kündigte Knäbel während der Trainersuche bei der Beschreibung des Profils einen emotionalen Coach an, der auch mutig spielen lässt. Und auch wenn Kramer quasi vor jedem Spiel betont, couragiert auftreten zu wollen, ist davon in dieser Saison bislang nur wenig zu sehen - was aber auch nicht großartig verwundern darf.
Spielerisch kann der unter schwierigen finanziellen Bedingungen zusammengestellte Kader mit den meisten Teams kaum mithalten, der Aufsteiger muss andere Lösungen finden, um die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu sichern. Mit Kramer haben sich die Verantwortlichen für einen laufintensiven und kampfbetonten Ansatz entschieden, dafür steht der Schwabe - aber auch der Kader der Knappen? Es ist mehr als offensichtlich, dass sich einige Akteure mit der Spielweise (noch) nicht identifizieren können.
Schalke wird die Wahrheit schonungslos vor Augen geführt
Schalke agiert oftmals mit langen - häufig auch unkontrolliert - geschlagenen Bällen auf die beiden Stürmer Simon Terodde und Sebastian Polter und will dann den so genannten "zweiten Ball" gewinnen. Ein eindimensionales Konzept, das bislang nur wenig Ertrag brachte. Gegen Hoffenheim soll nun eine Systemumstellung auf Dreierkette Abhilfe schaffen. "Wir wollen die bestmögliche Version von uns auf den Platz bringen", meinte der Fußballlehrer.
Das ist in dieser Spielzeit bislang zu selten gelungen und wer es wie Schalke nicht schafft, selbst in Überzahl-Spielen gegen den VfB Stuttgart (1:1) und den FC Augsburg (2:3) mehr als nur einen mickrigen Zähler zu holen, dem wird die Wahrheit schonungslos vor Augen geführt.
Dass es für den Traditionsklub in dieser Saison nur um den Klassenerhalt gehen würde, war jedem bewusst. "Wenn man das genau betrachtet, sind wir genau da, wo wir erwartet wurden", sagte Kramer richtigerweise. Immerhin stand das Team in dieser Saison bis dato nicht ein einziges Mal auf einem direkten Abstiegsplatz. Ein Argument, das für den Trainer spricht, doch der Verein muss die Gesamtentwicklung im Auge haben - und die ist besorgniserregend.
Schalke fehlt es nicht nur an taktischer Variabilität und defensiver Stabilität, gegen Leverkusen mangelte es zuletzt auch an der Körpersprache. Ein weiteres alarmierendes Zeichen.
STIMMT AB!
"Das letzte Spiel hat uns alle enttäuscht. Die Art und Weise, die Ausstrahlung, das war nicht Schalke 04", betonte Schröder am Donnerstag: "Es ist die Pflicht der Mannschaft, ihr Gesicht zu ändern. Da geht es nicht um den Cheftrainer, sondern darum, dass wir uns anders präsentieren."
Das würde viel, aber nicht alles ändern. Will Kramer auf Schalke eine Zukunft über die WM-Pause hinaus haben, reicht ein Positiv-Erlebnis allein nicht aus. Stattdessen ist eine klar erkennbare und nachhaltige Turnaround-Strategie von Nöten.
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