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Sky Kolumne von Didi Hamann zum Champions-League-Halbfinale

Hamanns Top 3: Real Madrid braucht Spieler wie Goretzka

15.05.2021 | 14:08 Uhr

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Großer Jubel beim FC Chelsea: Thomas Tuchel, Timo Werner, Antonio Rüdiger und Kai Havertz greifen nach dem Henkelpott.

In seiner Kolumne blickt Sky Experte Dietmar Hamann zurück auf die Halbfinalspiele der Champions League zwischen Manchester City und Paris Saint-German und Chelsea gegen Real Madrid. Er lobt Thomas Tuchel, Kai Havertz, Timo Werner und Antonio Rüdiger, kritisiert PSG-Star Neymar und sagt, welchen Bayern-Spieler Real gebrauchen könnte.

TOP 1: Tuchel kommt Guardiola näher

Chelsea war gegen Real Madrid in beiden Halbfinals besser, man hatte nie das Gefühl, dass von Real ein Aufbäumen, eine Druckphase kommt

Ich fand es beeindruckend, wie souverän diese relativ junge Mannschaft aufgetreten ist. Man darf nicht vergessen, dass Real im Viertelfinale Liverpool ausgeschaltet hatte. Chelsea hat eine Reife an den Tag gelegt, die ich so nicht erwartet hätte. Sie waren schon länger mein Geheimfavorit. Nun haben sie gezeigt, dass sie auf Augenhöhe mit den Besten sind. Ich glaube, dass sie im Finale eine bessere Chance haben als Madrid sie gehabt hätte.

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Allerdings hätte Chelsea gegen Real den Sack früher zumachen müssen, die Chancenverwertung war nicht gut, aber mit dem zweiten Tor haben sie das Spiel entschieden. Seit Thomas Tuchel in London Trainer ist, kassieren sie kaum Gegentore. Das ist eine Qualität, mit der Chelsea auch ManCity in Bedrängnis bringen kann.

Als Tuchel sich während seiner Dortmunder Zeit mit Pep Guardiola getroffen hat, hat er wahrscheinlich noch ein Stück weit zu Pep aufgeschaut. Ich möchte nicht sagen, dass er jetzt mit Guardiola auf Augenhöhe ist, dazu hat Guardiola mit zwei CL- und vielen Meistertiteln mit Barca, Bayern und City zu viel erreicht, aber er kommt ihm allmählich näher. Ich glaube, er hat jetzt das Gefühl, dass er dort hingehört, wo er gerade ist: in der Weltspitze der Trainer.

Premier-League-Spiel für Chelsea wichtiger

Das Premier-League-Spiel zwischen beiden am Samstag (ab 18.30 Uhr Live auf Sky) ist auch eine Generalprobe für das Endspiel in Istanbul. Citys Meisterschaft ist nur eine Frage der Zeit, daher gehe ich davon aus, dass Guardiola einige Wechsel vornehmen wird, Qualität auf der Bank gibt es ja genügend. Für Tuchel hat das Spiel einen höheren Stellenwert. Chelsea braucht jeden Punkt für die Champions League. Sie haben City vor einigen Wochen im FA Cup geschlagen. Wenn sie am Samstag noch einmal gewinnen, könnte das mit Blick auf das Finale ein psychologischer Vorteil sein.

Auf Havertz kannst du dich verlassen!

Timo Werner hatte in London eine sehr schwierige Phase, deshalb war es sehr wichtig, dass er gegen Real sein Tor gemacht hat. Er hat sich belohnt und sich wieder etwas Selbstvertrauen geholt. Dennoch ist er den Beweis noch schuldig, dass er Chelseas Angriffslinie führen kann. Es gibt ja Spekulationen, dass Chelsea einen Stürmer holen will, und Werner muss die nächsten Wochen nutzen, um für sich Werbung zu machen.

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Kai Havertz hat nach seiner Corona-Erkrankung zu seiner Form gefunden und ist eine treibende Kraft in Chelseas Mannschaft geworden. Er ist ein fantastischer Spieler, dem ich sehr gerne zuschaue, weil alles mit einer unglaublichen Leichtigkeit macht. Gegen Real hat er in den Zweikämpfen mit Nacho viel einstecken müssen, aber er hat sehr gut dagegengehalten. Als er 17 war, hat er Leverkusen vor dem Abstieg gerettet. Wenn es hart auf hart geht und darum, Verantwortung zu übernehmen, kannst du dich auf ihn verlassen.

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Champions League: Antonio Rüdiger schmeißt den Turbo an! Im Match gegen Real Madrid sprintet der Innenverteidiger im Usain-Bolt-Modus (Videolänge: 32 Sek.).

Antonio Rüdiger hat sich vom Ersatzspieler unter Frank Lampard zur Stammkraft bei Tuchel entwickelt. Er ist ein sehr zuverlässiger Spieler, der bei Chelsea auch von der Erfahrung eines Thiago Silva profitiert. In der Nationalmannschaft sind wir ja nicht mit vielen Innenverteidigern bestückt, deswegen ist er im DFB-Team vielleicht auch eine der ersten Optionen bei der EURO.

Mount, Foden und Sancho gehören zu den Besten in Europa

In den Klubwettbewerben dominieren die englischen Teams, aber die Frage ist, ob sich das auch in Englands Nationalteam mit Blick auf die EM niederschlägt. Man muss schauen, wie viele Engländer bei Chelsea und ManCity gespielt haben: Mount und Chilwell bei Chelsea, Stones, Foden und Walker bei City - das sind nicht viele.

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Champions League, Halbfinale: Manchester City greift nach dem Henkelpott. City hat das Starensemble aus Paris entzaubert und steht erstmals im Finale um Europas Krone.

Das große Plus ist aber, dass die Engländer mit Mason Mount, Phil Foden und Jadon Sancho drei der talentiertesten Spieler haben, die es momentan in Europa gibt. England hatte immer gute Verteidiger, aber kaum Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Das ist jetzt anders. Ich glaube, dass wir England in den nächsten Jahren im Titelkampf der großen Turniere sehen werden.

TOP 2: Real Madrid bräuchte einen Spieler wie Goretzka

Von Real Madrid war ich gegen Chelsea enttäuscht. Eden Hazard hat die Erwartungen als Ronaldo-Nachfolger nie erfüllt, das muss man ganz klar sagen. In der Defensive sind sie mit David Alaba ganz gut für die Zukunft aufgestellt, aber in der Mittelfeld-Achse wird es schwierig: Luka Modric ist 35, Toni Kroos ist 31 und Casemiro ist 29, sie waren in den letzten Jahren bei den vier CL-Titeln das Herzstück der Mannschaft.

Ronaldo, Bale oder Benzema haben die wichtigen Tore gemacht, sie konnten aber nur wegen der Arbeit von Modric, Kroos und Casemiro glänzen. Das Mittelfeld war in den vergangenen Jahren Reals Lebensversicherung. Ein oder zwei Spieler aus diesem Trio müssen sie auf mittlere oder lange Sicht ersetzen, das wird die wichtigste und eine schwierige Aufgabe sein. Ein Typ wie Leon Goretzka, der spielerisch stark ist, viel Tempo und eine körperliche Präsenz hat, könnte Real sehr gut gebrauchen. Aber kriegen werden sie ihn nicht.

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Wahrscheinlich werden die Madrilenen es eher bei Kylian Mbappe versuchen. Ich glaube allerdings nicht, dass seine Verpflichtung Real automatisch wieder zum Favoriten auf den CL-Sieg macht. Ich denke, dass Real dafür zu viele Baustellen im Kader hat.

Top 3: Neymar ist von Messi und Ronaldo meilenweit entfernt

Was mich bei Paris Saint-Germain enttäuscht hat, war ihre unkontrollierte und unterschwellig aggressive Art, die sie nach Rückständen gezeigt haben. Das war im Hinspiel gegen ManCity der Fall mit dem Foul von Gueye an Gündogan, und es hat sich im Rückspiel fortgesetzt mit dem Tritt von Di Maria und dem Foul von Kimpembe, der auch Rot hätte sehen müssen. Gegen City ist es mit elf Spielern schon schwer genug, mit zehn fast unmöglich.

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Sky Experte Didi Hamann wählt deutliche Worte beim Thema Neymar und vergleicht ihn mit Lionel Messi. Ein Vergleich, dem der Brasilianer vor allem aus einem Grund nicht standhält (Videodauer: 3:16 Minuten)

Was Neymar betrifft: Man sollte seinen Namen nicht im selben Atemzug mit Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo nennen. Wenn man sich anschaut, was die beiden in den vergangenen Jahren geleistet haben, ist es fast unmenschlich. Neymar ist davon meilenweit entfernt. Er ist zwar ein hervorragender Spieler, aber er hat es bis heute nicht verstanden, wann was zu tun ist. Ich weiß nicht, ob es ihm schon einmal jemand gesagt hat, wie gut er sein könnte, wenn er sich auf sein Spiel konzentrieren würde und den ganzen Firlefanz wegließe, und wenn er dort in Eins-gegen-eins-Situationen ginge, wo es einen Unterschied macht, nicht im Mittelfeld weit weg vom Tor.

Seine Theatralik, die man im Rückspiel in Manchester nicht gesehen hat, weil PSG einen Rückstand aufholen musste, ist psychologisch gesehen Gift. Damit schadet er der eigenen Mannschaft und gibt dem Gegner Auftrieb.

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