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Super League News: Christian Seifert exklusiv am Sky Mikro

"Geldverbrennungs-Maschinen": Seifert-Kritik an Super-League-Klubs

Sky Sport

19.04.2021 | 23:11 Uhr

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Sky Sport News hat DFL-Chef Christian Seifert zum Interview getroffen und über die geplante Super League gesprochen. Das ganze Interview im Video (Videolänge: 12:26 Min.).

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat sich exklusiv im Sky Interview über die neue Super League und deren Folgen geäußert und die teilnehmenden "Super-Klubs" für ihr wenig nachhaltiges Management kritisiert.

Sky Sport: Herr Seifert, neue Champions-League-Reformen und der große Paukenschlag mit der Super League. Wie ist das bei Ihnen angekommen?

Christian Seifert: Naja, es hatte sich in den letzten Wochen angedeutet, dass dieses Thema der Super League deutlich relevanter und vielleicht auch wahrscheinlicher ist, als es der eine oder andere wahrhaben wollte. Jedenfalls, wenn man im europäischen Fußball einigermaßen vernetzt ist und das muss ich ja sein von Berufswegen, hat man da schon das eine oder andere Gerücht gehört. Auf der anderen Seite: Die Champions-League-Reform kann man diskutieren. Da gibt es sicherlich auch ein paar Kritikpunkte. Aber es war immer klar, dass, wenn eine Super League kommt, dass das noch mal eine ganz andere Dimension haben würde. Das erkennt man ja jetzt auch an den aktuellen Diskussionen, dass wenn es denn dann so sein würde und eine Super League eingeführt wird, dass das den europäischen Fußball von Grund auf verändern wird.

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Für DFL-Chef Christian Seifert hat sich die Super League in den letzten Wochen bereits angedeutet (Videolänge: 44 Sek.).

Sky Sport: Droht jetzt wirklich eine Spaltung des europäischen Fußballs? Droht eine radikale Entwertung der Champions League und auch der nationalen Ligen?

Seifert: Naja, also grundsätzlich ist es noch ein bisschen früh, darüber zu spekulieren, was droht. Ob diese Superliga dann so tatsächlich kommt, das wird noch abzuwarten sein. Der Weg dahin wird sehr lang, sehr steinig und gepflastert sein - von immensen und beinharten juristischen Auseinandersetzungen. Wenn eine solche Super League kommen würde, dann ist natürlich völlig klar, dass das Auswirkungen haben wird, in allererster Linie auf die UEFA und damit auf das Gefüge im gesamten europäischen Fußball. Denn die UEFA als Veranstalter der Champions League, der Europa League und auch der neuen Conference League, veranstaltet die Champions League eben nicht nur, sondern nimmt damit natürlich auch eine Menge Geld ein. Und ein Teil dieser Gelder wird eben auch aufrechterhalten, um den europäischen Fußball im weitesten Sinne am Laufen zu halten. Die UEFA hat über 50 Mitgliedsverbände und ein Großteil dieser Verbände bestreitet sein Hauptbudget tatsächlich aus den Transferzahlungen der UEFA. Und wenn dann eine Champions League wegfallen würde als Refinanzierungsinstrument der UEFA, dann hätte das immense Folgen. Und diese Folgen wären nicht gut.

Sky Sport: Der FC Bayern, Borussia Dortmund und der deutsche Fußball haben sich quasi unisono gegen diese Super League ausgesprochen. Inwiefern ist bei Ihnen eine große Sicherheit, dass sich das auch nicht ändern wird?

Seifert: Zuerst einmal ist es gut, dass sowohl Borussia Dortmund als auch der FC Bayern da klar Stellung bezogen haben. Und das übrigens schon zu Beginn der Debatte. Sie erinnern sich, als eine neue Champions-League-Reform angedacht war im Mai 2019, als sich alle 36 Klubs der DFL gegen diese Reform gestellt haben, die ja unter anderem vorsah, dass man sich eigentlich nicht mehr über die nationalen Ligen qualifiziert und dass es Spiele am Wochenende geben könnte. Da war schon klar, dass Bayern und Dortmund die Welt anders sehen, als einige andere Spitzenklubs in Europa. Und ich muss das leider so sagen: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass wir in Deutschland im internationalen Vergleich eine Menge von dem haben, was sich andere wünschen. Ja, wir haben einigermaßen verträgliche Ticketpreise, wir haben Stehplätze, Sie können Bier trinken. Es gibt noch Bilder im Free-TV. Und gleichzeitig wird in keinem Land so harsch darüber diskutiert, ob die Kommerzialität zu weit getrieben ist. Für Deutschland kann ich sagen: Im internationalen Kontext ist sie das ganz sicher nicht. Sehr viele internationale Ligen schauen eigentlich mit großen und wohlwollenden Augen nach Deutschland. Wir sind da manchmal selbst unser größter Kritiker.

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Sowohl Borussia Dortmund als auch der FC Bayern München haben sich gegen die Super League entschieden. Für DFL-Chef Christian Seifert hat die Bundesliga damit eine starke Botschaft an alle anderen Vereine gesendet (Videolänge: 1:38 Min.).

Die beiden Spitzenklubs, die man global kennt - viel mehr haben wir auch nicht - haben sich von Beginn an dazu bekannt, da eben nicht an Bord zu sein. Es ist erst einmal eine starke Botschaft, die wir so in andere Ligen weitergeben.

Sky Sport: Es ist ja schon mal eine Drohung ausgesprochen worden: Ausschluss aus nationalen Ligen. Nationalspieler, die nicht mehr zur Nationalmannschaft gehen können. Sind das legitime Mittel?

Seifert: Allein die Tatsache, dass UEFA-Präsident Ceferin, mit dem ich gestern noch selbst telefoniert habe, am Sonntag zu solchen Mitteln greift oder diese Mittel in den Raum stellt, zeigt schon, wie ernst diese Situation ist - auch für die UEFA. Wir müssen als Bundesliga momentan bei Weitem nicht darüber nachdenken - was andere Klubs und Ligen in den Raum gestellt haben - ob man diese Mannschaften ausschließen sollte. Denn noch mal: Bayern und Dortmund haben sich zur Bundesliga bekannt und sind eben nicht in diesem Kreis der Gründer dieser Super League. Die FIFA und UEFA und alle Mitgliedsverbände der FIFA haben das vor einiger Zeit sehr klar dokumentiert, dass man alle juristischen Schritte unternehmen wird, um eine solche Gründung zu verhindern, falls es solche Überlegungen gibt.

Ob das dann tatsächlich juristisch funktionieren würde, das wäre sicherlich zu prüfen. Klar ist, dass es ein scharfes Schwert ist, Spielern gerade aus Lateinamerika oder generell Nationalspielern zu sagen: Ihr könnt da gerne mitspielen mit euren Klubs, aber dann spielt ihr nicht mehr bei der Europameisterschaft und auch nicht mehr bei der WM. Darüber werden dann aber sicherlich Gerichte zu entscheiden haben. Sie können davon ausgehen, dass die Klubs, die sich da zusammengetan haben und einige davon kenne ich sehr gut, dass die sich vorher auch überlegt haben, ob sie diesen Schritt tatsächlich tun. Und dazu gehört sicherlich auch, sich juristisch vorzubereiten, ob das möglich ist. Insofern erwarte ich, dass es da einen sehr, sehr langen und harten und unter Umständen auch schmutzigen juristischen Kampf geben wird.

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DFL-Chef Christian Seifert äußert sich zur Super League und verurteilt diese - zudem spricht er von Geld-Verbrennungsmaschinen bei einigen Top-Klubs (Videolänge: 1:34 Min.).

Sky Sport: Wie groß ist denn der Imageschaden, den Sie befürchten im Zusammenhang mit der Europameisterschaft und Zuschauer-Debatte?

Seifert: Ich gehe davon aus, dass sich die Initiatoren dieses Projektes ihre Gedanken gemacht haben und ganz offensichtlich in der Abwägung zu dem Schluss gekommen sind: 'Kann sein, dass wir jetzt ein bisschen Gegenwind kriegen'. Aber auf lange Sicht ist es das Projekt wert. Mich wundert diese Einsicht ein bisschen, denn man darf natürlich auch nicht vergessen, was man aufgibt. In der Champions League mitzuspielen, war sehr lukrativ. Ob eine solche Superliga tatsächlich auf lange Zeit den Namen verdient? Schauen Sie sich Tottenham und Arsenal an. Das sind Mitinitiatoren. Die sind momentan weit davon entfernt, europäische Top-Klubs zu sein. Ob dann diese Summen tatsächlich eingespielt werden, die da im Raum stehen? Meiner Erfahrung nach und meiner Information nach liegen diese Summen noch nicht auf dem Tisch. Das ist bestenfalls eine Projektion, mit denen man dann in Gespräche geht oder vielleicht Investment-Fonds anspricht, ob man hier investieren möchte oder was auch immer.

Aber ob diese Summen dann tatsächlich fließen - da hab ich an der einen oder der Stelle auch noch ein Fragezeichen dran und dafür eine funktionierende Champions League aufzugeben? Das ist ein immenses Risiko und mit Blick auf den europäischen Fußball keine gute Entwicklung. Der europäische Fußball braucht auch kleine Nationalverbände, er braucht auch kleine Ligen. Gerade wir als Bundesliga haben Spieler aus Dänemark, Schweden, Österreich, Norwegen, Serbien, Kroatien. Diese Spieler werden nicht als Topstars oder als Weltstars geboren. Die müssen ausgebildet werden, die müssen trainiert werden, die müssen ihre ersten Ligaspiele machen. Dann werden sie irgendwann gescoutet und vielleicht erfolgt irgendwann ein Transfer in die Bundesliga und von da unter Umständen auch weiter zu anderen Top-Klubs. Dieses System am Laufen zu halten, ist letztlich eine der Aufgaben der UEFA. Ansonsten wird auf lange Sicht auch das Spiel an sich leiden. Und deshalb haben wir uns auch sehr klar dazu bekannt, dass wir hier hinter der Position der UEFA und hinter der Position des FIFA-Präsidenten stehen.

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Sky Sport: Es ist nicht nur mitten in dieser Pandemie dieser Plan bekannt geworden, sondern Corona wird sozusagen auch noch als Argument herangezogen, diese Superliga überhaupt zu gründen. Ist es aus Ihrer Sicht ein Scheinargument?

Seifert: Das ist für mich ein ganz, ganz schlechtes und vorgeschobenes Argument. Ich habe vor einiger Zeit einer englischen Zeitung gesagt, dass in Wahrheit einige dieser europäischen Super-Klubs wirklich sehr schlecht gemanagte Geldverbrennungsmaschinen sind. Denn der europaweite Profifußball, gerade die Spitzen-Ligen, haben zehn Jahre eines immensen Wachstums hinter sich. Und viele dieser Klubs, und die meisten davon muss man sagen in Italien und auch in Spanien, haben es nicht geschafft, auch nur im Ansatz ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, nicht mal im Ansatz. Und wenn man es dann schafft, in einer Phase zehnjährigen Wachstums am Ende dieser Periode mehrere Hundert Millionen Euro Schulden aufgehäuft zu haben, dann zu einem solchen Mittel zu greifen und zu sagen: Das machen wir jetzt auch wegen der Corona-Krise, dann ist das bestenfalls zynisch.

Insofern fehlt mir dafür das Verständnis, das ist auch eine maximal egoistische Herangehensweise. Denn man darf nicht vergessen: Die UEFA hat letztes Jahr die Champions-League-Rechte vergeben - zu sehr, sehr, sehr guten Konditionen in ganz Europa. Einige dieser Ligen, zum Beispiel meine Kollegen in England, stehen kurz davor, ihre nationalen Medienrechte zu vergeben. Und selbstverständlich leidet der Wettbewerb einer nationalen Liga, wenn es völlig egal ist, ob sie Dritter oder Vierter werden, weil sie spielen nämlich sowieso nie mehr Champions League. Insofern ist das schon eine sehr, sehr egozentrische und egoistische Sichtweise, weshalb wir uns da auch von Anfang an klar positionieren. Und das wird sich auch nicht ändern.

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DFL-Chef Christian Seifert äußert sich zur Super League und verurteilt diese - zudem spricht er von Geld-Verbrennungsmaschinen bei einigen Top-Klubs (Videolänge: 1:34 Min.).

Sky Sport: Es ist viel passiert im Fußball auf internationaler Ebene, was mit Kommerzialisierung zu tun hat. Ich glaube, viele denken jetzt, dass das der Zeitpunkt gekommen ist, wo die Blase Fußball zu platzen droht. Sehen Sie auch diese Gefahr?

Seifert: Ich weiß nicht, ob man wirklich von einer Blase sprechen kann. Ja, ich lese auch aktuell, dass sich ganz viele Menschen von der Bundesliga abwenden. Ich habe den Eindruck, der ein oder andere Kommentator oder dass ein oder andere Twitter-Forum spricht da vielleicht sehr über sich selbst. Tatsache ist: Menschen in den Stadien fehlen und das ist ein Problem. Tatsache ist auch: Jedes Wochenende schauen enorm viele Menschen Bundesliga und erfreuen sich daran. Ich sehe nicht, dass sich Millionen Menschen von der Bundesliga abwenden. Und wenn ich hier in Frankfurt sehe, wie groß die Euphorie ist, dass sich Frankfurt vielleicht für eine Champions League qualifizieren kann, dann ist das auch ein Beleg dafür, dass das vielleicht nicht ganz so ist, wie das hier und da kommentiert wird. Oder schauen Sie sich an, welche unglaubliche Geschichte Union Berlin schreibt.

Der Fußball schreibt weiterhin faszinierende, emotionale und auch begeisternde Geschichten. Tatsache ist aber, dass es wie in vielen Bereichen der Gesellschaft Ausprägungen gibt. Die sind halt nicht ideal. Ja, wir haben manchmal die Tendenz, uns nur auf das Ideale zu konzentrieren und zu vergessen, was wir eigentlich hier haben in Deutschland. Und das ist eine ganze Menge. Das ist eine erste Liga und eine zweite Liga, die noch miteinander sprechen, die in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen. Das sind Spitzenklubs, die sich eben nicht bekennen zu einer Superliga. Das sind Eintrittspreise, das sind Stehplätze, das sind Stadien. Da kann man sagen, ist doch eine Selbstverständlichkeit! Ich kann Ihnen sagen - ist es eben nicht! Jedenfalls nicht im internationalen Kontext. Ich glaube tatsächlich, dass sich einige Klubs abgehoben haben von der Realität, dass sie nicht mehr verstehen, was die Wurzeln des Fußballs sind. Ich glaube aber auch, dass diese Klubs nicht in Deutschland sitzen.

Das Interview führte Alexander Bonengel.

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