Tuchel muss im zweiten Jahr abliefern

Ein Jahr Paris Saint-Germain

Thomas Tuchel gewann mit Paris die französische Meisterschaft.
Image: Thomas Tuchel gewann mit Paris die französische Meisterschaft.  © Getty

Thomas Tuchel geht im Sommer in seine zweite Saison mit den Superstars von Paris Saint-Germain. Sky Reporter Max Bielefeld beantwortet die wichtigsten Fragen zum PSG-Trainer.

Nach einer sensationellen Hinrunde mit Paris Saint-Germain wurde Thomas Tuchel von den Pariser Fans und Medien gefeiert. Neymar und Co. begeisterten unter seiner Regie: Sie stellten einen Startrekord in der Ligue 1 auf und setzten sich in der Königsklasse in einer schweren Gruppe (u.a. mit Liverpool, Neapel) als Erster durch.

Doch nach dem überraschenden Achtelfinal-Aus in der Champions League gegen Manchester United war plötzlich alles anders. Das Pokalfinale gegen Rennes ging verloren und in der Meisterschaft gab es empfindliche Niederlagen gegen Nantes, Montpellier und Lille. Zwar ist der Meistertitel längst in der Tasche, doch daran wird ein PSG-Trainer schon seit Jahren nicht mehr gemessen. Unai Emery und Laurent Blanc lassen grüßen…

Sky Sport beantwortet die wichtigsten Fragen um die Zukunft von Thomas Tuchel bei Paris Saint-Germain:

Wie ist Tuchels Stellung intern?

Nach wie vor gut, auch wenn sein vorher makelloses Image durch die turbulenten letzten Wochen erste Risse erhalten hat. Der Emir Tamim Al-Thani höchstpersönlich ist weiter von Tuchels Arbeit überzeugt. Einen so mächtigeren Fürsprecher hatte bislang noch kein PSG-Trainer unter der Ägide der Katari. Nicht zuletzt aufgrund dieses Rückhalts verlängerte Tuchel seinen Vertrag im März vorzeitig bis 2021.

Mehr als angespannt ist jedoch nach wie vor das Verhältnis zu Sportdirektor Antero Henrique. Tuchel kritisierte zuletzt immer häufiger öffentlich die Zusammenstellung des Kaders und betonte, nicht genügend Spieler zu haben. Präsident Nasser Al-Khelaifi aber stärkte Henriques Position öffentlich und bestätigte den Portugiesen in seinem Amt. Gut möglich also, dass die beiden Streithähne gemeinsam in die neue Saison gehen müssen.

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Paris St. Germain hat sich im Duell mit Manchester United gewissermaßen selbst rausgeschmissen. Vor allem in der ersten Hälfte gab es haarsträubende Fehler. Neben Gianluigi Buffon fiel Thilo Kehrer mehrfach negativ auf.

Was wird von Tuchel erwartet?

Mindestens der Einzug ins Champions-League-Halbfinale! Zwar betont Tuchel immer wieder, dass sich die Verantwortlichen nicht darauf versteifen sollten. Doch auch er weiß, dass er in seiner zweiten Saison in der Königsklasse abliefern muss. Gelingt ihm das nicht, wird es spätestens im Sommer 2020 erneut einen Trainerwechsel an der Seine geben. Völlig egal, welcher Punkterekord in der Ligue 1 als nächstes gebrochen wird.

Wer wird die neue Nummer 1 im Tor?

Noch unklar. Fest steht nur, dass Tuchel die Torwartrotation beenden und sich auf eine klare Nummer 1 festlegen wird. Offen ist auch die Zukunft von Gianluigi Buffon. Sein Vertrag läuft Ende Juni aus und trotz einer beidseitigen Option auf ein weiteres Jahr gab es noch keine Gespräche zwischen Henrique und den Beratern des Italieners.

Sein Konkurrent Alphonse Areola hat seinen Vertrag zwar kürzlich bis 2023 verlängert, doch noch immer konnte der 26-Jährige nicht restlos überzeugen. Sollte das Pariser Eigengewächs nächste Saison nicht Stammkeeper werden, dürfte er den Verein im Sommer verlassen - das Versprechen hat sein Berater Mino Raiola bekommen.

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Was passiert mit Kevin Trapp?

Derzeit gibt es Überlegungen in Paris, ihn zu behalten und eventuell sogar seinen 2020 auslaufenden Vertrag zu verlängern. Doch nach seiner sehr starken Saison mit Eintracht Frankfurt wird sich der Nationalspieler kaum mit einer Reservistenrolle anfreunden. Seine Berater befinden sich aktuell in Gesprächen mit den PSG-Verantwortlichen.

Und was wäre mit einem spektakulären Transfer auf der Torwartposition? Möglich, aber viel Geld für einen neuen Keeper will Paris in diesem Sommer nicht ausgeben. Zwar beobachten Henrique und Co. sehr interessiert die Situation von Uniteds David de Gea und Reals Keylor Navas (beide Vertrag bis 2020), doch konkrete Verhandlungen gab es noch nicht.

Welche Spieler sollen kommen?

Tuchel will den Konkurrenzkampf im Kader mit punktuellen Transfers erhöhen. Winterneuzugang Leandro Paredes (kam für 47 Millionen Ablöse von Zenit St. Petersburg) konnte die Probleme im zentralen Mittelfeld bislang nicht beheben, weswegen mindestens zwei Neue fürs zentrale Mittelfeld kommen sollen. Die neusten Gerüchte aus Frankreich drehen sich um Toni Kroos. Angeblich soll der Real-Mittelfeldmann im Sommer nach Paris kommen. Sollte Real Paul Pogba aus Manchester verpflichten, ist es vorstellbar, dass man den deutschen Nationalspieler ziehen lässt.

Mit Ander Herrera ist sich PSG bereits einig, der Transfer sollte in den nächsten Wochen offiziell gemacht werden. Der Spanier kommt ablösefrei von Manchester United. Außerdem steht Dortmunds Raphael Guerreiro weiter sehr weit oben auf Tuchels Wunschliste. Wir können einen Bericht des kicker bestätigen. Der vielseitige Portugiese hat den großen Vorteil, mehrere Positionen abdecken zu können.

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Nach drei vergebenen Matchbällen konnte Paris Saint-Germain die Meisterschaft am 33. Spieltag endlich eintüten. Die Folge: eine wilde Kabinenfeier mit reichlich Champagner (Video-Länge: 48 Sekunden).

Was passiert mit Neymar und Mbappe?

Die beiden Superstars haben zuletzt betont, bei PSG bleiben zu wollen. Zwar ist Kylian Mbappe der große Wunsch von Real-Coach Zinedine Zidane, doch in diesem Sommer wird der Megatransfer höchstwahrscheinlich nicht zustande kommen.

Ähnlich sieht es auch bei Neymar aus. Das Umfeld des Brasilianers betont gegenüber Sky, dass der 222-Millionen-Mann sich auch nächste Saison in Paris sieht, doch man könne "bei einem solchen Spieler nie etwas ausschließen". Fakt ist: Mit einem Abgang eines Superstars hätte PSG einerseits auf einen Schlag alle Probleme mit dem Financial Fairplay gelöst. Andererseits sind Neymar und Mbappe die Aushängeschilder des katarischen Großprojekts. Und das soll unter keinen Umständen sportlich geschwächt werden.

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