WM in Katar: Norwegischer WM-Boykott: Haaland will einfach nur spielen

Haaland bei WM außen vor? Norwegen entscheidet über Boykott

Die norwegische Nationalmannschaft setzt mit den Shirts ein Statement in Richtung WM 2022 in Katar.
Image: Die norwegische Nationalmannschaft setzt mit den Shirts ein Statement in Richtung WM 2022 in Katar.  © Imago

Am Sonntag blickt die Fußball-Welt mit Erling Haaland für einige bange Momente nach Norwegen: Die Entscheidung über den Boykott der Katar-WM steht Spitz auf Knopf.

Erling Haaland will einfach nur spielen. "Ich habe große Lust, mit Norwegen bei der WM dabei zu sein", sagte der Wunderknabe von Borussia Dortmund. Doch der Traum des Ausnahmestürmers vom Weltturnier könnte schon am Sonntag platzen. Fünf Monate vor dem letzten Qualifikationsspiel fällt dann in Oslo die Entscheidung, ob Norwegen das Turnier im vielfach kritisierten Katar boykottiert. Und die Lage steht Spitz auf Knopf.

Jeder zweite Norweger wünscht sich einer Umfrage des Senders NRK zufolge, dass Haaland und Co. zu Hause bleiben. Nur 26 Prozent sind gegen einen Boykott.

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1750 Fußballklubs sind stimmberechtigt

Die Zeitung Verdens Gang kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Doch die Entscheidung fällt nicht in einer Volksabstimmung, sondern bei der außerordentlichen Generalversammlung des norwegischen Fußballverbandes NFF.

Alle rund 1750 Fußballklubs im Land sind stimmberechtigt, allerdings haben sich nur etwas mehr als 420 angemeldet. Stimmen der Topklubs wie jenen aus der erstklassigen "Eliteserien" zählen doppelt, eine einfache Mehrheit reicht. Die Entscheidung soll nach der Debatte zwischen 13.45 und 15.45 Uhr fallen, NRK überträgt live vom "großen Sommer-Drama des norwegischen Fußballs".

Verbandspräsident Terje Svendsen hält einen Boykott für "kein geeignetes Mittel", um die missliche Lage der Arbeiter im Wüstenstaat zu verbessern oder Veränderungen in der Menschenrechtsfrage oder bei der FIFA herbeizuführen. Wie Haaland und seine Mitspieler im "Landslaget" bei der WM-Qualifikation im März es vorgemacht haben, will er Katar und den Weltverband über klare Botschaften und sportpolitischen Druck beeinflussen.

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"Werte nicht über Bord werfen"

Zusammen mit seinen Kollegen aus Schweden und Dänemark hat Svendsen in der Sache Briefe an FIFA-Präsident Gianni Infantino verschickt. "Die Augen der Welt sind auf den Fußball gerichtet", heißt es darin, "und wir müssen uns dem Vertrauen der Welt würdig erweisen."

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Das, sagen die WM-Gegner, ist nur mit einem Boykott möglich. "Wir dürfen unsere Werte nicht über Bord werfen, nur, um ein bisschen Fußball zu spielen", sagte Kristian Sandvik, der Sprecher der Fanvereinigung Norsk Supporterallianse.

Sein Mitstreiter Gjert Moldestad meinte: "Die Leute haben keinen Bock auf eine WM, die auf einem Friedhof gespielt wird." Beide hoffen auf ein Signal gegen "ein korruptes Turnier in einer Diktatur, die Sklaverei betreibt".

FIFA baut Drohkulisse auf

Doch die FIFA hat für diesen Fall bereits eine beachtliche Drohkulisse aufgebaut. In einem Schreiben kündigt sie neben dem sofortigen Ausschluss Norwegens aus der WM-Quali, einer Geldstrafe von 20.000 Schweizer Franken und weiteren Schadensersatzforderungen das Aus für weitere FIFA-Turniere wie die WM 2026 an. Der NFF bezifferte die Gesamtverluste im Falle eines Boykotts auf 20 Millionen Euro - eine Riesensumme für den kleinen Verband.

Umso mehr hofft Svendsen auf eine "gute Debatte" über eine "sehr wichtige Frage, die nicht nur den Fußball angeht". Wie es ausgehen wird? "Ich bin sehr unsicher", sagte der Funktionär. Haaland wird's nicht gerne hören.

Sport-Informations-Dienst (SID)