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Nach der Entlassung von Peter Stöger

Zurück im Chaos: Der 1. FC Köln bricht auseinander

von Robin Schmidt

05.12.2017 | 10:28 Uhr

FC-Präsident bedauert Ende der Stöger-Ära

Kein Cheftrainer, kein Sportdirektor – nur sechs Monate nach dem größten sportlichen Erfolg seit 25 Jahren steht der 1. FC Köln vor einem Scherbenhaufen. Die skurrile Entlassung von Peter Stöger ist der unrühmliche Höhepunkt einer desaströsen Entwicklung.

"Spürbar anders". So lautet der Kölner Vereinsslogan. Nach den jüngsten Ereignissen müsste man diesen umbenennen in "1. FC Köln - spürbares Chaos".

Obwohl das Schlusslicht beim 2:2-Remis auf Schalke eine kämpferisch starke Leistung zeigte und etwas Hoffnung für die Zukunft machte, verabschiedete sich Peter Stöger nach dem Schlusspfiff von den eigenen Fans. Weil bereits am Freitag klar war, dass dies sein letztes Spiel als FC-Trainer sein würde.

Dieser Vorgang wurde auf der Pressekonferenz bestätigt. Spätestens hier wurde deutlich: Der Effzeh hat sich zu einem Chaos-Klub zurückentwickelt. Das Auftreten von Präsident Werner Spinner und Geschäftsführer Alexander Wehrle war alles andere als souverän.

Wehrle spricht in Rätseln

Für die Trennung gab das Duo keine konkreten Gründe an. Während Spinner darum bat, die Entscheidung so zu akzeptieren, sagte Wehrle, dass sich bei Stöger etwas verändert habe. Was genau der Geschäftsführer damit meinte, führte er nicht weiter aus.

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Dabei befanden sich die Geißböcke in den vergangenen viereinhalb Jahren auf einem guten Weg und mauserten sich zu einem seriös geführten Bundesliga-Verein. Die Entwicklung gipfelte in der ersten Europacup-Teilnahme seit 25 Jahren. Doch im Erfolg macht man bekanntlich die größten Fehler. Davor war auch Köln nicht gefeit.

Alles fing an mit den Querelen um den China-Wechsel von Anthony Modeste verbunden mit einer fehlerhaften Einkaufspolitik. Der 25-Tore-Mann wurden nicht adäquat ersetzt. Viele Millionen wurden in den glücklosen Jhon Cordoba investiert. Den Kader in der Breite qualitativ besser aufzustellen, wurde verpasst.

Der größte Fehler war jedoch, dass aus dem Führungsgremium niemand erkannte, dass sich Stöger und Manager Jörg Schmadtke offenbar voneinander entfernten.

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Schlammschlacht mit Heldt

Seit der Trennung von Schmadtke vor rund sechs Wochen stehen die Rheinländer nun ohne Sportdirektor da. Dazu leistet sich der Verein noch eine öffentliche Schlammschlacht mit Horst Heldt, der als möglicher Nachfolger gehandelt wurde. Wehrle machte noch einmal deutlich, dass der erste Impuls von Hannovers Manager ausgegangen sein soll.

"Am Tag als Schmadtke gegangen ist, bekam ich einen Anruf eines Vertrauten von Heldt. Der sagte, dass Heldt sogar mit dem Fahrrad nach Köln kommen würde. Glauben Sie allen Ernstes, dass wir ihn auf die Liste gesetzt haben? Niemals!"

Dies hatte Heldt dementiert. Er sei von einem von Hannover beauftragten Headhunter kontaktiert worden. Beide Partien schieben sich öffentlich den Schwarzen Peter zu. Bei der Suche nach einem Nachfolger hilft das dem FC sicher nicht.

Viele Internas werden wie in vergangenen Zeiten bei den Rheinländern nach außen getragen. So kam heraus, dass Interimstrainer Stefan Ruthenbeck seiner U19-Mannschaft bereits vor der offiziellen Bestätigung seinen Aufstieg zu den Profis mitteilte.

Präsident Spinner reagierte noch am Sonntag und nordete seinen Interimscoach mal direkt ein: "Natürlich ist das nicht glücklich. Punkt."

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Vereinsbosse in der Kritik

Spinner findet es sehr bedenklich, was "alles in die Öffentlichkeit gelangt ist". Dem Präsidenten ist bewusst, dass der FC alles in allem derzeit ein desaströses Gesamtbild abgibt.

Ob Ruthenbeck nun der richtige Mann ist, der für Ruhe sorgen kann, ist fraglich. Seine Aussichten auf eine langfristige Anstellung sind eher gering. "Wir haben noch keinen Vertrag mit einem neuen Trainer abgeschlossen. Wir sind weiterhin in Gesprächen. Es kann sein, dass wir im Winter eine Veränderung vornehmen werden", sagte Wehrle.

Diese Aussagen schwächen den neuen Mann an der Seitenlinie schon vor seinem ersten Auftritt am Donnerstag im Gruppen-Endspiel ums Weiterkommen in der Europa League bei Roter Stern Belgrad.

Ein klar durchdachter Plan sieht anders aus. Dagegen genießt Stöger bei den Fans trotz des sportlichen Absturzes weiter ein hohes Ansehen. Viele bedauern seinen Abgang - wie auch einige Spieler, die sich mit positiven Worten von dem 51-Jährigen verabschiedeten.

Ob ein Festhalten am Österreicher der richtige Weg gewesen wäre, darüber kann man nur spekulieren. Aber: Es wäre "spürbar anders" gewesen.

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