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Kretzschmar: Nur drei Tage frei - das ist zu viel Verschleiß

Die Kolumne von Sky Experte Stefan Kretzschmar

Stefan Kretzschmar

02.11.2019 | 10:54 Uhr

Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs.
Image: Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs. © Sky

Sky Experte Stefan Kretzschmar beleuchtet in seiner Kolumne regelmäßig die wichtigsten Themen aus der Welt des Handballs. Diesmal spricht er über die aktuelle Kreuzbandriss-Serie in der HBL und sucht nach Ursachen und Lösungen.

Simon Ernst, Sebastian Heymann, Tim Suton, Simon Hald, ... die aktuelle Liste der Kreuzbandriss-Verletzten in der HBL wird leider immer länger. Ein Kreuzbandriss ist natürlich eine der schwerstmöglichen Verletzungen. Vor einigen Jahren bedeutete ein Kreuzbandriss noch das Karriere-Ende, da war einem Handballspieler schon klar: "Für dich geht es jetzt nicht mehr weiter." Heutzutage hat man verschiedene Operationsmethoden, sodass man das Knie wieder voll funktionsfähig machen kann.

3:35
Noch Tage später ist die schwere Verletzung von Simon Ernst Gesprächsthema Nummer eins bei den Füchsen Berlin. Seine Mitspieler sprechen über das tragische Ereignis (Videolänge: 3:35).

Schwerer Weg für die Sportler

Manche Kreuzbandrisse werden auch konservativ behandelt, also gar nicht operiert. Aber die Reha ist natürlich Wahnsinn, sechs bis acht Monate Minimum, nach einem Kreuzbandriss muss man wieder viel Muskulatur aufbauen, um das Knie möglichst stabil zu entlasten.

Das ist ein alleiniger Ritt über einen sehr langen Zeitraum, abseits der Mannschaft. Das erfordert viel Motivation, Disziplin und Eigeninitiative. Das ist eine schwere Zeit, die ein Handballspieler da durchstehen muss. Deswegen tut das auch jedem unfassbar Leid, für die die es jetzt getroffen hat. Bei Simon Ernst ist es am allerschlimmsten, weil es eben sein dritter Kreuzbandriss ist. Der Junge hat sich zwei Jahre lang extrem zurückgekämpft, ein absoluter Musterprofi. Das ist dann schon sehr niederschmetternd, wenn so etwas zum dritten Mal passiert.

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Stefan Kretzschmar spricht in seiner Kolumne über die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs.

Schlimmes Schicksal

Ich mache da keine Unterschiede, Kreuzbandriss ist Kreuzbandriss - egal ob es die Nummer 12 trifft oder die Nummer 1. Diese Verletzungen sind tragisch, das ist ein schlimmes Schicksal für die Jungs und das trifft alle Vereine auf eine sehr grausame Art und Weise, weil man auch am persönlichen Schicksal des Spielers mitleidet - alles andere wäre unmenschlich.

Natürlich sollte man diese Position, wenn man ambitioniert ist, neu besetzen für den Zeitraum des Ausfalls des Spielers. Aber das ist nicht immer so einfach. Die meisten Spieler, die Qualität besitzen, stehen bei anderen Vereinen unter Vertrag. Natürlich kennt man den Spielermarkt weltweit und versucht, die Lücke einigermaßen zu schließen. Aber A) es haben auch nicht alle die finanziellen Mittel, um sich unheimlich gute Spieler zu holen und B) gibt es die auch nicht. Die guten Spieler stehen nicht zur Verfügung und da ist die Suche eher enttäuschend bzw. aussichtslos, um einen gleichwertigen Ersatz zu finden.

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Schockdiagnose für Füchse Berlin und insbesondere für Nationalspieler Simon Ernst: Im Heimspiel gegen den Bergischen HC riss er sich zum dritten Mal innerhalb von nur zweieinhalb Jahren das Kreuzband im rechten Knie.

Entwicklung des Körperbaus nicht unterschätzen

Es gibt viele Ansatzpunkte: Kühn, Ernst und Suton waren in ihrem jungen Alter physisch sehr stark und konnten sich schon in den Profimannschaften durchsetzen. Die Muskulatur entspricht dann dem eines Ende Zwanzigjährigen, aber die Sehnen und Gelenke sind noch nicht endgültig ausgeprägt. Heißt: Diese Sehnen und Gelenke entsprechen nicht der Struktur eines Endzwanzigers. Man muss einfach, egal wie gut die Spieler auch sind, immer vorsichtig und behutsam sein. Man sollte die Entwicklung des Körperbaus nicht unterschätzen bzw. in den roten Bereich fahren lassen.

Die meisten außergewöhnlichen Talente spielen im Sommer bei den Junioren Welt- und Europameisterschaften mit und das schon seit Jahren. Sie trainieren sowohl mit der Männermannschaft als auch im Juniorenbereich, sie haben also kaum Regenerationszeit und das halte ich für sehr gefährlich. Das ist das Hauptproblem all unserer Profis und unserer gesamten Sportart!

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Nur drei Tage frei im Sommer

Es betrifft alle Profis in der Bundesliga, aber die Nationalspieler trifft es viel schlimmer und man darf eben die Junioren- und Jugendnationalspieler nicht vergessen, die haben ihre Höhepunkte nunmal im Sommer. Dazu gehören auch immer ein Trainingslager und eine Vorbereitung. Till Klimpke und Sebastian Heymann hatten diesen Sommer drei Tage frei - das geht natürlich auf Dauer nicht. Das ist zu viel Verschleiß und dann machen es die Gelenke irgendwann nicht mehr mit. Das ist brutal und da muss im Handball ein Umdenken stattfinden und zwar schnell. Die Sommerpause muss verlängert werden. Das ist in meinen Augen zwingend notwendig, für alle Profis!

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