Tennis News: Challenger-Turnier in Marbella mit Thiem, Wawrinka & Co.
Unverhoffter Glanz: Ein zweitklassiges Turnier wird zur großen Nummer
30.03.2022 | 22:07 Uhr
Die Tennis-Welt blickt in diesen Tagen gespannt nach Miami. Im Sunshine State kämpfen Alexander Zverev, Daniil Medvedev & Co. beim zweiten Masters-Turnier dieser Saison um wertvolle Punkte für die Weltrangliste. Diese stehen im 7000 Kilometer entfernten Marbella nicht im Vordergrund.
In der andalusischen Großstadt im Süden Spaniens an der Costa del Sol beginnt ab Montag ein Sandplatzturnier auf der Challenger-Ebene. Der Unterbau der ATP Word Tour ist für Spieler jenseits der Top-100 gedacht und bietet Nachwuchstalenten die Chance, ihre ersten Erfahrungen auf der Profi-Tour zu sammeln und in der Weltrangliste peu a peu voranzukommen.
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Normalerweise stehen die Events der zweitklassigen Serie deutlich im Schatten, doch ein illustres Teilnehmerfeld verhilft dem Turnier in Marbella plötzlich zu unverhoffter Aufmerksamkeit.
Grand-Slam-Champions, ehemalige Top-10-Spieler, Top-Talente, der Angstgegner von Novak Djokovic sowie ein deutscher Routinier schlagen ab Montag aus verschiedensten Gründen im beliebten Urlaubsdomizil auf. Sky Sport stellt einige der prominenten Teilnehmer beim wohl best-besetzten Challenger-Turnier der Geschichte vor.
Comeback #1
Vor sieben Jahren hat sich Dominic Thiem im amerikanischen Irving letztmals auf die zweitklassige Ebene begeben. Seither ist viel passiert. Der Österreicher darf sich Grand-Slam-Champion nennen (US Open 2020), ist 17-maliger Turniersieger auf der ATP-Tour und hat mit Platz drei (März 2020) seine höchste Weltranglisten-Position erreicht. Von derartigen Sphären ist der 28-Jährige derzeit weit entfernt.
Im Juni vergangenen Jahres hatte er beim Rasenturnier auf Mallorca eine Handgelenksverletzung erlitten - und seitdem kein Match mehr bestritten. Der aktuelle Weltranglisten-50. musste sich in Geduld üben und gleich mehrmals seine Rückkehr auf die Tour verschieben. Nun steht das lang ersehnte Comeback auf seinem favorisierten Belag an.
"Es war eine sehr, sehr harte Zeit für mich", schrieb Thiem am Donnerstag bei Instagram: "Ich weiß, dass es lange dauern wird, wieder auf das Top-Niveau zu kommen." Auf dem Weg dorthin sollen in Marbella die ersten kleinen Schritte erfolgen.
Comeback #2
Auch Stan Wawrinka ist endlich wieder zurück. Der dreimalige Grand-Slam-Champion und ehemalige Weltranglisten-Dritte (Januar 2014) hat eine noch längere Leidenszeit als Thiem hinter sich.
Im März vergangenen Jahres musste sich "Stan the man" das erste Mal am Fuß operieren lassen, anschließend wurde ein zweiter Eingriff notwendig. Wawrinka habe danach im Krankenhausbett "geweint", wie er dem Schweizer Portal Watson offenbarte.
Man habe die Achillessehne reinigen, den Knochen abschleifen und im Fuß "rumwühlen" müssen. Aber warum nahm der Schweizer, der in der kommenden Woche seinen 37. Geburtstag feiern wird, diese Schmerzen überhaupt noch auf sich? Schließlich muss er nach den herausragenden Erfolgen niemandem etwas mehr beweisen. Doch Wawrinka ist noch nicht fertig.
Der Mann, der zu seinen Hochzeiten über die powervollste, präziseste und eleganteste einhändige Rückhand verfügte, kämpft um einen angemessenen Abschied vom Spitzentennis. In der Weltrangliste nur noch auf Rang 232 gelistet, hat er für seine Rückkehr vor allem ein Ziel ins Auge gefasst: "Idealerweise möchte ich noch einmal ein Turnier gewinnen", sagte er und weiter: "Ob groß oder klein, spielt eigentlich keine Rolle. Einfach das Gefühl, etwas erreicht zu haben."
Die Routiniers
Philipp Kohlschreiber befindet sich mit 38 Jahren in den Endzügen seiner Laufbahn. Die letzten Monate seines Tennis-Lebens will er möglichst genießen, doch zuletzt blieben die Erfolgserlebnisse aus. In diesem Jahr gewann der ehemalige Weltranglisten-16. (Juli 2012) erst ein Match, zuletzt schied er beim ATP-Masters in Indian Wells in Runde eins aus.
Genau dort erlebte er vor drei Jahren einen seiner ganz großen Momente, als er völlig überraschend Novak Djokovic aus dem Turnier nahm und erstmals in seiner Karriere einen Branchenprimus bezwang. Nun dürfte sein ganzer Fokus auf Ende April gerichtet sein.
Dann finden in München die BMW Open statt, die der gebürtige Augsburger in seiner Karriere gleich drei Mal gewinnen konnte (2007, 2012, 2016). Für seinen wohl letzten Auftritt bei seinem Lieblingsturnier am Aumeister will Kohlschreiber bestens vorbereitet sein. Da kommt das klangvoll besetzte Challenger-Turnier in der spanischen Küstenstadt gerade recht.
Auch Fernando Verdasco hat eine schwierige Zeit hinter sich. Zwei Operationen (am Ellbogen und am Knie) haben den 38-Jährigen, der in seiner Karriere sieben ATP-Turniere gewonnen hat, weit zurückgeworfen.
Der ehemalige Top-10-Spieler weiß, dass er an sein altes Spitzen-Niveau nicht mehr herankommen wird, doch ans Aufgeben denkt der Modellathlet aus Spanien nicht. "Ich möchte mir Zeit geben, wieder konkurrenzfähig zu sein, wieder in die Top 100 der ATP zu kommen und wieder Turniere auf der ATP-Tour zu spielen." Ein Erfolgserlebnis feierte der Weltranglisten-123. in diesem Jahr bereits mit dem Turniersieg beim Challenger in Monterrey.
Unvergessen bleibt sein Halbfinale bei den Australian Open 2009, als er Rafael Nadal einen epischen Krimi über fünf Stunden und 14 Minuten lieferte und den Fünfsatz-Thriller nach atemberaubenden Ballwechseln tragischerweise mit einem Doppelfehler beendete.
Das Krisen-Duo
Lucas Pouille und Marco Cecchinato verbinden zwei elementare Gemeinsamkeiten: Standen beide bereits im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers, befinden sie sich nun in der kompliziertesten Phase ihrer Karriere.
Pouille gelang 2019 bei den Australian Open der große Wurf, schied dann aber gegen den späteren Triumphator Novak Djokovic aus. Aufgrund einer Operation am Ellenbogen musste der ehemalige Weltranglisten-10. (März 2018) zwischen Oktober 2019 und Januar 2021 pausieren, seine Rückkehr auf der Tour gestaltet sich seither kompliziert. Ob der 28-Jährige sein altes Niveau jemals nochmals erreicht, ist Stand jetzt fraglich.
In den vergangenen zwölf Monaten gewann er auf der ATP-Tour nur sieben Matches und kassierte derweil 17 Niederlagen, auch auf der Challenger-Ebene blieben Erfolge aus. Die Folge: Absturz auf Platz 135 und Selbstzweifel. Die plagen auch Cecchinato.
Der Italiener sorgte 2018 bei den French Open für Furore, als er sensationell bis in die Vorschlussrunde vorstieß und dabei auch Djokovic eliminierte. Auf sein Weltranglisten-Hoch (Platz 16 im Februar 2019) folgte jedoch eine akute und lang andauernde Formkrise.
Seine Bilanz der vergangenen drei Jahren fällt mit 36 Siegen und 59 Niederlagen ernüchternd aus, in dieser Saison ist der Weltranglisten-93. sogar noch gänzlich ohne Erfolg (0:6). Bezeichnend ist auch sein Abschneiden bei den Grand-Slam-Turnieren: Bis auf seinen Sensationslauf und einem Drittrunden-Einzug bei den French Open 2020 schied er seit 2015 bei jedem Major-Turnier in der ersten Runde aus.
Guys to watch
Der 18-jährige Holger Rune aus Dänemark zählt zu den talentiertesten und vielversprechendsten Talenten auf der Tour. Im vergangenen Jahr sorgte er bei seinem Grand-Slam-Debüt für Aufsehen, als er Djokovic in der ersten Runde der US Open einen Satz abknöpfen konnte, letztlich aber deutlich verlor.
In diesem Jahr stehen für den Weltranglisten-88. bislang erst zwei Siege zu Buche. Deutlich besser läuft es derzeit für Jiri Lehecka.
Nachdem ihm bei den Australian Open erstmals die Qualifikation für ein Grand-Slam-Hauptfeld gelungen war, kämpfte er sich beim 500er-Turnier in Rotterdam sensationell von der Qualifikation bis ins Halbfinale und schlug dabei unter anderem Denis Shapovalov. Erst im Halbfinale musste sich der 20-jährige Tscheche dem Weltranglisten-Vierten Stefanos Tsitsipas knapp in drei Sätzen geschlagen geben.
Der Djokovic-Angstgegner
Jiri Vesely beherrschte vor wenigen Wochen die Schlagzeilen, als er Djokovic überraschend im Viertelfinale von Dubai ausschaltete. Mit seinem zweiten Erfolg über den serbischen Superstar zog er in einen elitären Kreis ein. Neben Marat Safin und Nick Kyrgios ist der Linkshänder aus Tschechien nun einer von nur drei Spielern, die bei mehr als einer Begegnung noch nie gegen Djokovic verloren haben.
Zwar verpasste Vesely anschließend seinen Premieren-Erfolg bei einem 500er-Turnier (Finalniederlage gegen Andrey Rublev), doch dafür kehrte er in die Top-100 zurück. Und mit seinem Sieg über Djokovic hatte er ohnehin Geschichte geschrieben.
Der Weltranglisten-77. beendete damit nämlich die Regentschaft der "Big Four" und verhalf Daniil Medvedev mit seinem Sensationssieg auf den Tennis-Thron. Seit dem 2. Februar 2004 hatte kein anderer Spieler außer Roger Federer, Rafael Andy Murray oder Djokovic die Weltrangliste angeführt.
Neben den Genannten haben auch die 36-jährigen Pablo Andujar (Platz 67), der im vergangenen Jahr sowohl Federer (in Genf) als auch Thiem (bei den French Open) bezwang, und Pablo Cuevas (105) für Marbella gemeldet.
Dazu sorgen die Top-100-Spieler Roberto Carballes Baena (77), Jaume Munar (89) und Alex Molcan (65) ebenfalls dafür, dass ein eigentlich zweitklassiges Turnier plötzlich zur großen Nummer wird.
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