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Wimbledon: Novak Djokovic schlägt Nick Kyrgios, Rekorde und Analysen

Fünf Erkenntnisse zum Djokovic-Triumph: Federer bangt & Kyrgios-Klassiker

Novak Djokovic setzt seine Siegesserie beim traditionsreichen Wimbledon-Turnier fort. Auch dank einer altbekannten Schwäche seines Gegners.

Am Ende war doch wieder alles beim Alten. Novak Djokovic schlug Nick Kyrgios im Finale von Wimbledon mit 4:6, 6:3, 6:4, 7:6 (7:3) und sicherte sich damit seinen vierten Titel beim Rasenklassiker in Folge. Der Serbe baute damit seine beeindruckende Bilanz bei Grand-Slam-Turnieren aus.

Bei Endspielgegner Kyrgios dagegen wurde unzweifelhaft deutlich, was dessen großes Manko ist.

Sky Sport nennt fünf Erkenntnisse zum Wimbledon-Finale der Herren 2022.

1. Djokovic ist der mental stärkste Spieler, den es jemals gab

"Er ist ein bisschen wie ein Gott", adelte Kyrgios seinen Gegner nach der Viersatz-Niederlage im Endspiel. Dabei wirkte Djokovic im ersten Satz noch ziemlich irdisch, kassierte nach einem Doppelfehler ein Break und verlor den ersten Durchgang mit 4:6. Beunruhigen ließ er sich davon überhaupt nicht. Er erhöhte danach einfach den Druck und beging nahezu keine Fehler mehr. "Ich habe Djokovic seit zwei Jahren in Wimbledon nicht so stark spielen sehen wie heute", lobte Sky Experte Michael Stich dessen Leistung.

Während sich Kyrgios ab dem 2. Satz selbst aus der Konzentration brachte, bewahrte Djokovic bis zum Matchball den hundertprozentigen Fokus und drehte so die Partie. (Zu den Wimbledon-Ergebnissen)

Nicht nur im Finale stellte Djokovic seine Comeback-Qualitäten unter Beweis. Auch in der 1. Runde gegen Kwon Soonwoo und im Halbfinale gegen Cameron Norrie hatte er sich nach dem Verlust des ersten Satzes zurückgemeldet. Im Viertelfinale gegen Jannik Sinner lag er sogar mit 0:2 nach Sätzen zurück und behielt am Ende deutlich die Oberhand. Mental ist der Serbe wohl der stärkste Spieler, den der Tennissport jemals erlebt hat.

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2. Kyrgios steht sich selbst im Weg

Stich hatte es schon am Samstag prophezeit: "Bei Kyrgios werden wir eine Achterbahnfahrt erleben." Und er sollte Recht behalten.

Der 27-Jährige begann stark und äußerst fokussiert. Seine Aufschlagspiele gestaltete er im 1. Satz souverän, nur drei unforced errors unterliefen ihm. Doch nach dem 6:4 im ersten Durchgang ging es auf der Achterbahn nach unten. Kyrgios brachte sich selbst aus dem Rhythmus. Er schimpfte mit der Box, diskutierte mit dem Schiedsrichter, beleidigte eine Zuschauerin oder sprach einfach nur laut mit sich selbst. So verlor er den 2. Satz.

Die Vorentscheidung im Match führte Kyrgios schließlich auch selbst herbei. Beim Stand von 4:4 und eigenem Aufschlag im 3. Satz war eigentlich noch alles offen. Der Australier führte 40:0, ehe ihm ein leichter Fehler nach dem anderen unterlief. Mit einem Doppelfehler und einer Rückhand ins Netz schenkte er Djokovic das Spiel. Die Schuld suchte Kyrgios bei seiner Box, die nach dem Punkt zum 40:0 nicht aufgestanden sei zum Applaudieren. Das hätte ihn verunsichert.

Im 4. Satz hielt Kyrgios das Duell bis in den Tie-Break hinein offen. Beim ersten Punkt ging jedoch eine Challenge zu seinen Ungunsten aus. Kyrgios meckerte und seine Konzentration war weg. Djokovic gewann den Tie-Break souverän mit 7:3 und damit auch das Match.

"Die mentale Komponente ist ein Teil des Talentes. Und die fehlt ihm", hatte Stich bereits zu Beginn der Woche über Kyrgios geurteilt. Diese Komponente entschied auch das Finale gegen Djokovic.

3. Grand-Slam-Rennen wieder voll entfacht

Die ewige Frage, wer der beste Tennisspieler der Geschichte ist - Djokovic, Rafael Nadal oder Roger Federer - beschäftigt die Tennis-Fans schon seit etlichen Jahren. 20 der vergangenen 22 Grand-Slam-Turniere haben die "Big Three" gewonnen. Was die Anzahl der Grand-Slam-Titel angeht, ist Djokovic nun mit dem 21. Erfolg an Rekordhalter Nadal (22) herangerückt, der zurzeit verletzte Federer steht weiter bei 20 Erfolgen.

Schon vor zwei Jahren hat Djokovic den Grand-Slam-Rekord für sich als Ziel benannt. "Ich kann die meisten Grand Slams gewinnen und den Rekord für die meisten Wochen auf Platz eins brechen. Das sind definitiv meine klaren Ziele", sagte er damals.

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Die Chance auf das Erreichen dieses Zieles ist nun wieder gestiegen. Ob der 35-Jährige allerdings schon in diesem Jahr zu Nadal aufschließen kann, ist fraglich. Wenn die Corona-Einreisebestimmungen in die USA so bleiben wie sie aktuell sind, kann der ungeimpfte Djokovic nicht an den US Open teilnehmen.

4. Rasenkönig-Thron von Federer wackelt

"Dieser Titel bedeutet mir eine Menge, Wimbledon wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben", sagte Djokovic bei der Siegehrung nach dem gewonnenen Finale.

Mit dem siebten Titel beim Rasenklassiker hat Djokovic zu Pete Sampras und William Renshaw aufgeschlossen. Seit 2017 ist er in Wimbledon unbesiegt. Vier Mal in Folge haben in der Open Era in Wimbledon ansonsten nur Björn Borg, Pete Sampras und Roger Federer gewonnen. Der Schweizer hält mit acht Titeln noch den Rekord. Die Frage ist nur, wie lange noch.

Zwar hat "King Roger" vergangene Woche angekündigt, unbedingt noch einmal in Wimbledon spielen zu wollen. Allerdings wird er im August 41 Jahre alt. Seine Chance auf einen 9. Titel dürfte also gering sein.

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Federer führt zwar auch die Liste der Rasen-Titel mit 19 an. Das liegt aber auch daran, dass Djokovic auf die Turniere vor Wimbledon normalerweise verzichtet. Vor allem auf Rasen kommt Djokovic seine Technik und Reaktionsschnelligkeit zugute. "Es gibt keinen besseren Returnspieler als Novak", ist sich Stich sicher.

5. Europa dominiert das Herrentennis

Dass die Big Three das Herrentennis der vergangenen 20 Jahre dominieren, ist bekannt. Aber es gibt auch noch eine andere Dominanz, die europäische. Djokovic baute diese Vorherrschaft in Wimbledon mit dem 50. Major-Titel in Folge für einen Europäer aus. Überhaupt: Von den letzten 77 Grand-Slam-Titeln wanderten sage und schreibe 74 Pokale nach Europa!

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Der letzte nicht-europäische Grand-Slam-Champion war Juan Martin del Potro aus Argentinien bei den US Open 2009, sein Landsmann Gaston Gaudio gewann 2004 die French Open.

Die dritte nicht-europäische Ausnahme ist Andy Roddick, der 2003 die US Open für sich entscheiden konnte. Es war zugleich bis heute der letzte US-amerikanische Erfolg auf Grand-Slam-Ebene.

Mehr zum Autor Andreas Kloo

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