Fernando Alonso droht mit Aston Martin eine schwierige Saison
Aston Martin will eigentlich den WM-Titel gewinnen - stattdessen muss Fernando Alonso im neuen Boliden um seine Gesundheit bangen.
05.03.2026 | 17:35 Uhr
Fernando Alonso als Witzfigur, so weit ist es schon gekommen. In Melbourne wurde am Donnerstag über Favoriten für die neue Saison gerätselt, Valtteri Bottas hatte gute Laune, nannte mit ironischem Unterton den Namen des Ex-Weltmeisters - und der ganze Saal lachte herzhaft.
Die Krise des eigentlich so ambitionierten Aston-Martin-Teams ist ein beherrschendes Thema vor dem WM-Auftakt in Australien. Die Probleme sind allerdings ernst. Und so schwer, dass Alonso gar um seine Gesundheit fürchten muss, wenn er in dieses Auto steigt.
Denn der Aston Martin vibriert stark, sobald er Fahrt aufnimmt, und die Auswirkungen auf das Auto klingen in der hochtechnologisierten Formel 1 zunächst wie Slapstick. "Spiegel fallen ab, Rücklichter fallen ab", zählt Teamchef und Top-Designer Adrian Newey auf, das sei aber nicht das Gravierendste: "Die Vibration wird in die Finger des Fahrers übertragen. Und Fernando ist der Ansicht, dass er nicht mehr als 25 Runden fahren kann, bevor er das Risiko dauerhafter Nervenschäden in den Händen eingeht."
Stroll bringt James-Bond-Image in die F1
Auch in den Füßen habe er während der sehr überschaubaren Test-Einsätze schon nach wenigen Runden ein "Taubheitsgefühl" wahrgenommen, präzisierte Alonso. Der Spanier, zweimal schon Weltmeister, wirkte dabei schicksalsergeben.
"Grundsätzlich hat man viele Baustellen bei Aston Martin - ob das jetzt der Motor ist oder die Batterie. Das Getriebe ist offenbar auch ein Thema. Das ist das Worst-Case-Szenario, wenn man hierher kommt, vorher die wenigsten Testkilometer gefahren ist und eigentlich weiß, dass man das Rennen nicht beenden kann", blickt Sky Sport Experte Timo Glock auf die Lage beim angeschlagenen britischen Rennstall.
Die Situation bei Aston Martin ist zum einen eine Erinnerung daran, was alles schiefgehen kann, wenn die Formel 1 sich ein grundlegend neues Reglement verschreibt. Bei den meisten Teams lief der Hybridmotor in den Testfahrten schon bemerkenswert gut, bei Aston Martin dagegen droht der Totalausfall für das Rennen am Sonntag (ab 3:30 Uhr live auf SkyF1) - und vielleicht noch eine Weile darüber hinaus.
Und damit füllen diese Probleme zum anderen auch ein weiteres Kapitel in der bislang schon höchst unterhaltsamen Geschichte des Aston-Martin-Rennstalls. Zur Erinnerung: Die Edelmarke mit dem James-Bond-Image wurde vom Milliardär Lawrence Stroll in die Formel 1 gebracht, die Infrastruktur mit viel Geld aufgemöbelt. Alonso stieß 2023 zum Team, die Ankunft des Meistermachers Newey sollte nun so etwas wie das letzte fehlende Puzzlestück sein. Und laut eines Fünfjahresplans - formuliert von Stroll vor fünf Jahren - sollte der Rennstall jetzt eigentlich um Siege oder sogar Titel fahren.
Tragik bringt die Situation für Alonso mit
Das wird nun kaum passieren, vielleicht fahren sie am Sonntag lieber überhaupt nicht - oder nur ein paar Runden. "Wir müssen uns sehr stark begrenzen mit Blick auf die Rundenanzahl", sagte Newey, "bis wir die Quelle dieser Vibrationen in den Griff bekommen haben." Die Quelle ist die Power Unit von Honda, für den japanischen Hersteller sind die Ereignisse in Melbourne ein PR-Desaster. Die Motoren sind runderneuert, der Elektroanteil steigt auf fast 50 Prozent - und eigentlich will jeder Teilnehmer hohe Ingenieurskunst präsentieren.
Eine gewisse Tragik bringt die Situation für Alonso mit. 2005 und 2006 war er Weltmeister, wollte das gerne wiederholen, setzte in der Folge aber mehrfach aufs falsche Pferd. Das britische Team ist nun sein letzter Schuss, es will aber einfach nicht aufwärts gehen.
Er glaube "zu 100 Prozent" daran, dass Honda die Probleme lösen werde. "Es wird aber Zeit brauchen. Ob es zu der Zeit passt, die ich in meiner Karriere noch habe, muss man abwarten", sagte der Spanier. Im Sommer wird er 45 Jahre alt: "Ich habe keine Kristallkugel." In diesem Jahr wird es nichts werden mit dem dritten WM-Titel - das steht quasi schon fest.
Die aktuelle Saison sei bereits gelaufen, wie Glock am Donnerstag in Australien anmerkte: "Die erste Saisonhälfte ist auf jeden Fall für Aston Martin gelaufen. Was man so hört, sind die Baustellen aber so groß, dass das das ganze Jahr dauern wird, bis man ein Auto hat, das funktioniert. Die Problematik ist ja, dass alle anderen Teams nicht stehen bleiben und auch weiterentwickeln. Aston Martin hat jetzt die Aufgabe, erstmal die Probleme auszusortieren und dann die Entwicklung des Autos voranzutreiben, um überhaupt an den Rest des Felds anzuknüpfen. Das ist eine sehr große Herausforderung."
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