Pierre Gasly schockt die F1-Elite: Kann der Alpine-Pilot nach seiner Monza-Pole auch das Rennen gewinnen?
Pierre Gasly hat sich die Pole Position für den Großen Preis von Italien in Monza gesichert. Der Alpine-Pilot setzte sich überraschend gegen Mercedes, McLaren, Ferrari und Red Bull durch.
05.09.2026 | 22:24 Uhr
Gasly feierte seine erste Pole Position in der Formel 1 beim 191. Grand-Prix-Wochenende seiner Karriere. Für Alpine ist es die erste Pole seit Fernando Alonso 2009. Ist sogar wie 2020 der Rennsieg möglich?
Was für eine unglaubliche Leistung von Pierre Gasly!
Der Franzose raste im Qualifying zum Großen Preis von Italien der gesamten Konkurrenz davon und düpierte dabei die komplette F1-Elite. Mit seiner ersten Pole beim 191. Rennwochenende tritt Gasly in die Fußstapfen von Jean Alesi. Dieser holte 1997 als bislang letzter Franzose eine Pole in der Motorsport-Königsklasse - ebenfalls in Monza. Zudem ist Gasly der erste Pilot seit Fernando Alonso im Jahr 2009 (in Ungarn), der eine Pole für das Team aus Enstone einfuhr.
"Es war ein unglaubliches Qualifying, schon ab der ersten Runde in Q1. Ich habe mich sehr gut gefühlt im Auto, hab versucht, in jeder Session etwas draufzulegen. Es hat sich wie eine sehr gute Runde angefühlt, ich bin so glücklich. Ich habe versucht, neun Jahre lang eine Pole einzufahren. Jetzt ist es mir gelungen. Mein erster Sieg war in Monza und jetzt meine erste Pole. Diese Strecke ist für mich definitiv etwas Besonderes", zeigte sich Gasly überwältigt.
ZUM DURCHKLICKEN: Das Qualifying-Ergebnis in Monza*
Gasly brilliert erneut in Monza
Der 30-Jährige hatte einst im Jahr 2020 sensationell für das damalige AlphaTauri-Team seinen ersten und bis heute einzigen Rennsieg gefeiert. Seine bislang beste Gridposition stammt aus dem Jahr 2021, als er sich P2 in Katar schnappte. Nun hat Gasly auch eine Pole in den Geschichtsbüchern stehen. Und das nur einen Tag, nachdem ihm sein Monaco-Podium aberkannt worden war.
"Ich kann das immer noch nicht ganz glauben. Wir hatten ein schwieriges Wochenende mit der Entscheidung um Monaco. Es ist schön, mit so etwas zurückzukommen", freute sich Steve Nielsen, Geschäftsführer von Alpine, am Sky Sport Mikrofon und betonte, dass die FIA-Entscheidung eine Extramotivation für das Team sei. Außerdem lobte Nielsen die Zusammenarbeit seiner beiden Piloten auf dem Temple of Speed.
"Es war sehr gut, wie wir das mit dem Windschatten in Zusammenarbeit hinbekommen haben. Ich bin sehr glücklich für Pierre, zwei Riesenerfolge am gleichen Ort hier in Monza. Ich lerne auch von ihm, von seiner Erfahrung", meinte Franco Colapinto, der seinen Job perfekt ausfüllte und selbst auf P8 fuhr, bei Sky Sport. Durch den Windschatten seines argentinischen Teamkollegen profitierte Gasly und konnte sich als einer von wenigen Piloten auf seiner zweiten schnellen Runde in Q3 entscheidend verbessern.
Ganz viel Lob für Gasly
"Toll, was er heute gemacht hat. Das zeigt, dass Monza seine eigenen Regeln hat. Autos, die effizient sind, können hier stark sein. Ich hatte sie gar nicht auf dem Zettel, gebe ich zu", gestand Sky Sport F1-Experte Ralf Schumacher. Der Alpine erwies sich auf den langen Geraden im Königlichen Park als das schnellste Auto im Feld, der A526 hatte dabei kaum mit Luftwiderstand zu kämpfen. Großes Lob erhielt der in Mailand wohnende Gasly von der geschlagenen Konkurrenz, unter anderem von Mercedes, McLaren und Ferrari.
"Das war eine unglaubliche Leistung von Pierre. Wir haben 15 Minuten vor dem Qualifying noch eine Schachpartie beendet, da hat er mich besiegt. Dann dachte ich: 'Okay, dann besiege ich dich halt im Qualifying'. Jetzt ist er schon wieder vor mir. Herzlichen Glückwunsch an Pierre. Er und Alpine waren sehr schnell, es freut mich für sie", sagte Mercedes-Star George Russell, der neben Gasly aus der ersten Startreihe ins Rennen gehen wird.
Russell selbst bekam von Teamkollege Kimi Antonelli, der nach seinem Motorenwechsel von ganz hinten starten wird, Windschatten. Doch der langte nicht. "Unser Auto war gut genug für die Pole. Aber Max (Verstappen; Anm. d. Red.) hat es ganz clever gemacht und hat alle auflaufen lassen vor der letzten Kurve. Damit war der Kimi zu knapp dran für einen guten Windschatten für den George. Und George war dann die ganze Runde innerhalb von zwei Sekunden hinter dem Max, gerade in der Parabolica hat er dadurch 1,5 Zehntel verloren", erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei Sky Sport.
Konkurrenz hat Probleme
Bei McLaren konnte Weltmeister Lando Norris bei seinem entscheidenden Q3-Versuch nicht vom Windschatten von Teamkollegen Oscar Piastri profitieren. Der Australier verbremste sich vor der Variante del Rettifilo und musste durch den Notausgang. "Es ist einfach unglücklich gelaufen. Jeder hat versucht, Windschatten zu bekommen. Ich habe da aber irgendwie keinen bekommen", zeigte sich der Brite bedröppelt.
Auch bei Ferrari war der Wurm drin. "Viele Dinge sind schief gegangen. Nicht alles sieht man im Fernsehen. Aber wir hatten einige Probleme während des gesamten Qualifyings", erzählte Charles Leclerc bei Sky Sport. Scuderia-Teamchef Fred Vasseur verriet: "In Q2 waren wir ein wenig in Panik, hatten ein Problem auf der Outlap mit der Batterie. Wir konnten diese nicht aufladen." Am Ende kamen die Roten nur dank einer Tausendstelsekunde mit beiden Autos überhaupt in die Top-10.
Red Bull konnte den geplanten Windschatten für Max Verstappen in Q3 nicht ausführen, da Liam Lawson es auch durch eine Behinderung durch Piastri nicht über Q2 hinausschaffte. Ohne Windschatten-Unterstützung haderte Verstappen anschließend mit seinem Red Bull: "Es ist immer was anderes am Auto. Schon das ganze Jahr habe ich immer Probleme mit der Hinterachse und das kann in jeder Session auftreten: Jetzt ist es hier im Qualifying passiert. Das hat dann Zeit gekostet und ist schade. Es geht immer was schief", zeigte sich der viermalige F1-Weltmeister enttäuscht.
Kann Gasly auch gewinnen?
Doch kann Alpine die Pole von Samstag auch in einen Rennsieg am Sonntag (ab 13.30 Uhr LIVE & EXKLUSIV bei Sky Sport) umwandeln? "Unter normalen Umständen nicht, weil Gasly das Tempo über die Distanz nicht gehen kann. Die Reifen werden bei ihm schneller kaputt gehen. Aber nichts ist unmöglich", zeigte sich Schumacher etwas pessimistisch.
Mercedes, McLaren und Ferrari gaben sich derweil optimistisch, dass sie im Rennen eine bessere Performance zeigen werden: "Ich denke, ich habe die Pace, um das Rennen zu gewinnen", sagte Russell auf der Pressekonferenz der ersten Drei. Wolff meinte: "Das Rennen ist eine ganz andere Sache. Da brauchst du ein Auto, das über die Distanz gehen kann. Auf den Geraden schnell zu sein, das hilft aber immer."
Daher wird Gasly auf den langen Geraden sicherlich alles andere als einfach zu überholen sein. Ob er sich allerdings selbst ernsthaft erneute Siegchancen beim Italien-GP ausrechnet, wollte der Monza-Meister aus Mailand nach seiner Mega-Runde noch nicht verraten. "Das ist ein Problem für Sonntag", meinte der Alpine-Pilot mit einem schelmischen Lächeln.
Ein Masterplan wie im Qualifying ist Gasly in Monza aber nach dieser Leistung allemal erneut zuzutrauen.
JETZT ABSTIMMEN!
*Piastri erhielt nachträglich eine Gridstrafe von drei Plätzen. Antonelli, Lawson und Albon starten nach Wechseln von Motoren-Komponenten von ganz hinten.
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