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1. FC Kaiserslautern nach Transfer von Erik Durm: Verein setzt auf Fans

Der Betze-Faktor: Wie Lautern die Spieler in die Pfalz lockt

In der kommenden Zweitliga-Saison ist ein meist volles Fritz-Walter Stadion zu erwarten.
Image: In der kommenden Zweitliga-Saison ist ein meist volles Fritz-Walter Stadion zu erwarten.  © Imago

Mit Erik Durm und Andreas Luthe hat Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern zwei prominente Spieler verpflichtet. Das Transferkonzept erinnert an das Erfolgsmodell eines Bundesligisten.

Wie schnell sich das Blatt im Fußball manchmal wenden kann, dafür ist der 1. FC Kaiserslautern das beste Beispiel. Im Frühjahr 2021 hingen die Lauterer im Tabellenkeller der 3. Liga fest, dem verschuldeten Traditionsverein drohte der Abstieg in die Regionalliga und damit die fußballerische Bedeutungslosigkeit.

Im Sommer 2022 ist die Lage völlig anders: Der FCK wird am 15. Juli auf dem heimischen Betzenberg gegen Hannover 96 das erste Punktspiel der deutschen Profiligen 2022/2023 bestreiten. Ein Weltmeister von 2014 wird dabei das Trikot der Roten Teufel tragen. Der Transfer von Erik Durm wurde am Mittwoch offiziell bestätigt.

Weltmeister und Europacup-Torhüter kommen

"Der FCK war damals der Grund, warum ich angefangen habe, Fußball zu spielen. Ich war früher mit meinen Eltern immer auf dem Betze und habe die Sympathie für den Verein nie verloren", erklärte der 30-Jährige seinen Wechsel in die Pfalz.

Erik Durm zieht es nach Sky Informationen zum 1. FC Kaiserslautern.
Image: Erik Durm kommt von Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt.  © Imago

Zuvor hatten die Lauterer bereits die Verpflichtung von Torhüter Andreas Luthe von Union Berlin fix gemacht. Ein Weltmeister, und der Stammtorhüter eines Europacup-Teilnehmers. Was auf den ersten Blick wie zwei unfassbare Transfer-Coups erscheint, ist auf den zweiten Blick doch erklärbar.

Fans als X-Faktor

Trainer Dirk Schuster verweist in Bezug auf den Luthe-Transfer darauf, "dass der 1. FC Kaiserslautern eine riesige Strahlkraft hat, weil er unbedingt zu uns wollte, um vor diesem begeisterten Publikum spielen zu dürfen."

Abgesehen vom Hamburger SV wird Kaiserslautern beim Zuschauerinteresse das Nonplusultra in der 2. Bundesliga zu sein. Das zeigte sich schon am Ende der vergangenen Saison. Die Drittliga-Partien gegen Saarbrücken, Borussia Dortmund II und das Relegationshinspiel gegen Dynamo Dresden fanden in einem ausverkauften Fritz-Walter-Stadion vor 46.000 Zuschauern statt.

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Geschäftsführer Thomas Hengen setzt für die kommende Saison bereits auf diesen X-Faktor: "Die Fans sind immer ein wichtiger Faktor. Wir hoffen, dass wir in den ersten Saisonspielen viele Zuschauer ins Stadion bekommen."

Zum Transfer Update: Alle Wechsel, alle Gerüchte

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Union Berlin als Vorbild?

Auch für Luthe war die Vorstellung, in einem vollen Fritz-Walter Stadion zwischen den Pfosten stehen zu dürfen, ein entscheidender Grund für den Wechsel in die Pfalz. "Der FCK ist einer der traditionsreichsten Klubs Deutschlands und durch die starke emotionale Verbundenheit der Fans etwas ganz Besonderes. Die Region lebt den Fußball, weshalb ich mich unglaublich darauf freue, künftig im FCK-Trikot am Betzenberg aufzulaufen."

Luthe ist ein Spieler, dem ein begeisterungsfähiges Umfeld bei seinen Vereinen sehr wichtig ist. Nicht umsonst fühlte er sich beim VfL Bochum und bei Union Berlin sehr wohl. Da die Köpenicker jedoch eine Verjüngung ihres Kaders planten, war die Zukunftsperspektive des 35-Jährigen in Berlin unsicher.

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In Kaiserslautern findet er nun aber ähnliche Bedingungen vor, das gilt auch für die Herangehensweise bei der Kaderplanung. Mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln gelang es Union Berlin in den vergangenen Jahren, die wirtschaftlich besser aufgestellte Konkurrenz sportlich auszustechen. Union verpflichtete Ü30-Spieler wie Christian Gentner oder Bastian Oczipka, die schon über ihrem Zenit schienen. Dank eines idealen Umfelds konnten sie nochmal das Optimum an Leistungsfähigkeit aus sich herausholen, so dass das Team von deren Erfahrung profitierte.

Schusters Überzeugungskraft hilfreich

Das will nun auch der FCK schaffen. Eine entscheidende Rolle für dieses Konzept spielt Trainer Dirk Schuster, dem ähnliches bereits bei Darmstadt 98 gelang. Trotz ebenfalls geringer finanzieller Mittel führte er die Lilien von der 3. Liga in die Bundesliga. Schuster brachte außerdem die Karriere von Spielern wie Sandro Wagner wieder zum Laufen. Der Mittelstürmer schaffte es so über die Zwischenstation Hoffenheim sogar noch zum FC Bayern.

Mit seiner Begeisterungsfähigkeit passt Schuster hervorragend in die fußballverrückte Pfalz. Eine Begeisterungsfähigkeit, die er auch im direkten Gespräch auf die Spieler übertragen und mit der er sicher auch noch weitere Spieler von einem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern überzeugen kann.

Trainer Dirk Schuster und seine Neuzugänge Andreas Luthe (l., ), Lars Bünning (2.v.l.), Ben Zolinski (2.v.r.) und Julian Krahl (r.)
Image: Trainer Dirk Schuster und seine Neuzugänge Andreas Luthe (l., ), Lars Bünning (2.v.l.), Ben Zolinski (2.v.r.) und Julian Krahl (r.)  © Imago

Neben Durm und Luthe schloss sich mit Ben Zolinski ein weiterer Spieler den Lauterern an, der bereits über Bundesliga-Erfahrung verfügt. Zolinski bestritt 2019/2020 30 Erstliga-Partien für den SC Paderborn. Außerdem stehen bereits Innenverteidiger Lars Bünning (SV Meppen) und Torhüter Julian Krahl (Viktoria Berlin) als Neuzugänge fest.

Bis 1. September wird sich aber sicher noch was tun, die Transferperiode hat schließlich gerade erst begonnen.

Mehr zum Autor Andreas Kloo

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