1. FC Köln News: Gisdol und Heldt unter Erfolgsdruck
Köln hofft auf Neustart - Druck auf Gisdol und Heldt steigt
12.10.2020 | 17:00 Uhr
Der 1. FC Köln hat mit drei Niederlagen einen glatten Fehlstart hingelegt, saisonübergreifend sind die Domstädter seit 13 Bundesligaspielen ohne Sieg. Der Druck wächst. Nicht nur auf die Mannschaft, sondern auch auf Trainer Markus Gisdol und Sportvorstand Horst Heldt.
Es war der 6. März 2020, als dem 1. FC Köln mit einem 2:1-Sieg beim späteren Absteiger SC Paderborn der bislang letzten Sieg in der Bundesliga gelang. Fünf Tage später verloren die Geißböcke das Derby bei Borussia Mönchengladbach. Und das Unheil nahm seinen Lauf.
Köln seit 13 Bundesligaspielen ohne Sieg
Mit vier Unentschieden und sechs Niederlagen schrammte die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol zwar gerade noch an den Abstiegsplätzen vorbei, zeigte aber teilweise desolate Leistungen.
Die Euphorie, die Gisdol nach seinem Dienstantritt im vergangenen November mit acht Siegen aus seinen ersten 13 Spielen entfacht hatte, wich blankem Entsetzen. Tiefpunkt: das 1:6 am letzten Spieltag der vergangenen Saison in Bremen.
Schon wieder mitten im Abstiegskampf
In der Sommerpause sollte der Negativtrend gestoppt werden. Zwar verließ Top-Torjäger Jhon Cordoba, der mit seinen 13 Treffern großen Anteil am Aufschwung und Klassenerhalt hatte, die Kölner und wechselte zu Hertha BSC. Doch dieser Verlust sollte mit den Verpflichtungen von Sebastian Andersson, Ondrej Duda, Dimitrios Limnios und Marius Wolf aufgefangen werden.
Diese Hoffnung hat sich bisher jedoch nicht erfüllt. Zwar traf Andersson gleich im ersten Spiel gegen Hoffenheim, doch Köln verlor die wilde Partie in der Nachspielzeit noch 2:3. Beim 0:1 in Bielefeld patzte Torwart Timo Horn schwer, und beim 1:3 gegen Gladbach war der Effzeh chancenlos. Die Mannschaft steht wieder da, wo Gisdol sie übernommen hatte: mitten im Abstiegskampf.
Hoffen auf Neustart nach der Länderspielpause
Der Trainer, dessen Vertrag in der Sommerpause vorzeitig verlängert worden war, weiß um den Ernst der Lage.
"Wir haben uns dazu entschieden, weiter zusammenzuarbeiten, wir wissen aber auch, was auf uns zukommt in dieser Saison und dass dann so ein Start nicht grade förderlich ist", sagte der 51-Jährige nach der Derby-Pleite am Sky Mikrofon.
"Es wird die ganze Saison so sein, dass wir um den Klassenerhalt kämpfen", meinte der FC-Coach und ergänzte: "Du musst dir auch bewusst sein, dass es schwierige Phasen gibt, in denen die Ergebnisse nicht da sind."
Natürlich hätte er sich aus den ersten drei Spielen mehr Punkte gewünscht, "aber es war jetzt nicht möglich aus verschiedenen Umständen, und jetzt gilt es einen Neustart zu machen nach der Länderspielpause."
Dramatische Situation
Am kommenden Samstag empfangen die Kölner Eintracht Frankfurt zum nächsten Heimspiel. Bis zur richtungweisenden Partie gegen die gut gestarteten Hessen muss Gisdol mit seinem Team viele Baustellen bearbeiten. "Es gilt nicht mehr zu sagen, es gab nicht genügend Zeit, die Neuen zu integrieren", findet Sky Reporter Christopher Lymberopoulos.
Die Situation sei "dramatisch" und der Druck auf alle Beteiligten "immens", ergänzt der FC-Experte.
Heldt sind die Hände gebunden
"Wir sind alle verantwortlich für Ergebnisse, das fängt bei mir an und hört beim Einwechselspieler auf", sagte Heldt nach dem Gladbach-Spiel bei Sky
Der Sportchef hatte sich zuletzt vor den Chefcoach gestellt, im August hatte er den Vertrag mit Gisdol verlängert. Diesen bald wieder zu entlassen, würde auch auf ihn selbst zurückfallen. Außerdem könnte man sich jetzt einen Trainerwechsel in der durch die Corona-Krise aktuell sehr schwierigen Situation gar nicht leisten. Zumal die Alternativen fehlen.
Gisdol braucht positive Resultate
Doch allmählich muss Gisdol die Kurve kriegen und das ihm anhaftende Image widerlegen, dass er zwar für kurzfristigen Erfolg stehe, aber Probleme habe, eine Mannschaft perspektivisch zu entwickeln.
Zeit dafür wird er aber nur bekommen, wenn die Ergebnisse wieder stimmen. Auch wenn ihm der Klub für seine Rettungsaktion der vergangenen Saison dankbar ist, greifen am Ende doch irgendwann die so oft genannten Gesetzmäßigkeiten des Geschäfts.
"Wir haben von Anfang an nicht drum herumgeredet, dass es für uns eine lange und schwierige Saison wird. Das wissen wir und deshalb müssen wir das dementsprechend angehen", richtet Heldt den Blick nach vorn.
Köln leidet unter dem Ausschluss der Fans
Dass das Heimspiel gegen Frankfurt bei einer aktuellen Inzidenz-Zahl von fast 50 schon wieder vor leeren oder fast leeren Rängen stattzufinden droht, macht die Aufgabe nicht leichter. Gerade im für seine emotionalen Fans bekannten Köln spielt dir Unterstützung durch die Zuschauer eine wichtige Rolle.
"Der Effzeh leidet unter dem Fan-Ausschluss, für sie ist es ein klarer Wettbewerbsnachteil, wenn die Wechselwirkung mit dem Publikum fehlt", meint Sky Reporter Marco Wiefel. Gegen Hoffenheim waren gar keine, gegen Gladbach lediglich 300 Zuschauer im Stadion zugelassen.Der letzte Heimsieg gelang im Dezember gegen Leverkusen. Damals vor ausverkauftem Haus.
Schwere Brocken vor der Brust
Ob mit oder ohne Fans im Rücken - gegen Frankfurt einen positiven Neustart zu schaffen, ist für den Verein und für die Stadt, die schon den Ausfall des Karnevals in seiner klassischen Version verkraften muss, fast schon von existenzieller Bedeutung.
Nach dem Auswärtsspiel in Stuttgart heißt der nächste Gegner im Kölner Stadion Bayern München. Und im November geht es nach Bremen und Dortmund.