1. FC Köln News: Nach dem Aus von Horst Heldt startet der Umbruch

Tabula rasa nach Heldt-Rauswurf: Köln startet in Schicksals-Saison

Mit der Entlassung von Geschäftsführer Horst Heldt startet der 1. FC Köln direkt nach dem Klassenerhalt in die neue Saison.
Image: Mit der Entlassung von Geschäftsführer Horst Heldt startet der 1. FC Köln direkt nach dem Klassenerhalt in die neue Saison.  © DPA pa

Keine 24 Stunden nach dem Klassenerhalt hat sich der 1. FC Köln von Geschäftsführer Horst Heldt getrennt. Damit starten die Domstädter bereits in die neue Saison, in der vor allem in Sachen Führung, Finanzen und Kaderplanung eine Herkules-Aufgabe auf den Effzeh wartet.

Aufgelöst umarmte Heldt nach Abpfiff seinen Geschäftsführer-Kollegen Alexander Wehrle. Arm in Arm liefen die beiden strahlend zum Team, in dem Wissen, dass das große Ziel Klassenerhalt geschafft ist. Durch das furiose 5:1 im Relegations-Rückspiel bei Holstein Kiel ist die Bundesliga für die kommende Saison gesichert.

Lange dürfte die Freude des Duos nicht gehalten haben. Zumindest nicht bei Heldt: Der operative Geschäftsführer wurde am Vormittag nach den Feierlichkeiten vom Vorstand der Kölner über seine Entlassung informiert.

Funkel-Coup kaschiert Fehl-Politik

Während sich über den Zeitpunkt aus strategischer und moralischer Sicht durchaus streiten lässt, senden die Domstädter damit zumindest ein klares Signal: Der Neuanfang hat begonnen. Doch wieso ohne Heldt, der mit seinem Schachzug Friedhelm Funkel für die Restsaison zu installieren den Klub vor dem drohenden Abstieg bewahrt hat?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zählt man diese auf, beginnt damit unweigerlich auch die Fehleranalyse der abgeschlossenen Saison und die Baustellen für den Sommer werden aufgedeckt. Lobt man Heldt für die Verpflichtung von Funkel, stolpert man auch über die Frage, wie es zu dieser Retter-Aktion in letzter Sekunde gekommen ist.

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Friedhelm Funkel verabschiedet sich endgültig von der Trainerbank

Gisdols Endspiele reißen Köln in den Tabellen-Keller

Schon im Sommer wurde Heldt für die Entscheidung, am damaligen Cheftrainer Markus Gisdol festzuhalten, stark kritisiert und nicht nur in Fankreisen langsam angezählt. Statt einen klaren Strich zu ziehen, versuchte der Geschäftsführer es immer weiter mit dem Coach und manövrierte den Klub so in eine unkomfortable Situation. Auf Niederlagen folgten Endspiele, in denen Gisdol plötzlich wieder gewann. Eine Endlos-Spirale, die den Effzeh immer weiter in den Tabellenkeller zog.

Der Funkel-Streich war aus der Not geboren, der neue Ansatz soll eine längere Haltbarkeit haben. Für die kommende Saison steht mit Steffen Baumgart der Wunschtrainer bereit. Der nun Ex-Paderborner spielt einen attraktiven Angriffsfußball, ist zudem ein absoluter Sympathieträger. Baumgart soll die schlechten Erfahrungen mit offensiven Zweitliga-Trainern wie Markus Anfang und Achim Beierlorzer vergessen machen.

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Kader-Zusammenstellung als Ursache für schwache Saison

Neben der zu späten Trainer-Reaktion in der ablaufenden Spielzeit muss sich Heldt auch den unausgeglichenen Kader ankreiden lassen. Knipser Simon Terodde wurde ohne Not an den HSV abgegeben, Top-Stürmer Jhon Cordoba an die Hertha verkauft. Auch Anthony Modeste ging im Laufe der Saison. Als Ersatz wurde nur der verletzungsanfällige Sebastian Andersson von Union Berlin geholt.

Die insgesamt zu kostenintensiven Transfers von Dimitrios Limnios, Tolu Arokodare, Max Meyer und Emmanuel Dennis zündeten allesamt nicht. Sie sollen den Verein wieder verlassen. Die unkonstanten Lichtblicke Marius Wolf (Leih-Spieler von Borussia Dortmund) und Ondrej Duda waren für einen Bundesliga-Kader nicht ausreichend. Die unausgeglichene und überteuerte Truppe stellt die nächste Herausforderung dar.

Tafelsilber muss verkauft werden - FC-Gerüst bleibt

Ohne die Einnahmen der Zuschauer in den vergangenen Monaten bleibt den Kölnern kaum Geld für Transfers. Zwar werden die Rheinländer alles für einen Verbleib von Abwehrchef Sebastiaan Bornauw und Abräumer Ellyes Skhiri unternehmen, doch kommen unmoralische Angebote, ist der Effzeh schier gezwungen das Tafelsilber aus dem Schrank zu holen.

So misslich die Lage trotz des Klassenerhalts zu sein scheint, von Null müssen die Kölner nicht beginnen. Das Gerüst für die neue Saison steht. Leistungsträger wie Keeper Timo Horn, Jonas Hector oder der quirlige Florian Kainz, der nach vielen Rückschlägen zu einem der Durchstarter im neuen Jahr werden könnte, bleiben dem Bundesligisten treu.

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Mit Uth und Baumgart in eine neue Ära?

Schalke-Stürmer Mark Uth, der schon im vergangenen Jahr nach Köln wechseln wollte, ist wegen des königsblauen Abstiegs und einer Vertragslaufzeit bis 2022 wieder ein realistischer Kandidat. Sofern der 29-Jährige bereit ist, selbst Abstriche zu machen.

Hinzu kommt der Coup um Baumgart, der auch bei anderen Klubs hoch im Kurs stand. Zwar dürfte der Trainer aufgrund der knappen Finanzen und der schwierigen Vorstands-Konstellation kaum Mitspracherecht bei den Transfers haben, doch auch in Paderborn hat der Coach ohne große Neuzugänge mit einem vermeintlich bundesliga-untauglichen Kader für Aufsehen gesorgt.

Scouting, Transfers und Einigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Die drei großen Aufgaben für die neue Saison sind gutes Scouting, richtige Verkäufe und Einigkeit zwischen Vorstand und der neuen Vereinsführung. Diese muss sich erst beweisen, denn obwohl der vorzeitige Heldt-Nachfolger Jörg Jakobs zur Zeit von Jörg Schmadtke einen guten Job als Scout gemacht hat, hat der Vorstandsberater auch Anteil am jetzigen Kader.

Zusammen mit Thomas Kessler muss er die richtigen Hebel in Bewegung setzen, um den Verein zurück auf die Erfolgsspur zu führen. Zwar dürfen sich die Kölner noch über den Klassenerhalt freuen, doch dabei ist die nötige Demut angesagt. Denn wenn der nun gestartete Neuanfang nicht konsequent und fachmännisch in die Wege geleitet wird, hat der 1. FC Köln in der Schicksals-Saison 2021/2022 vielleicht nicht mehr so viel Glück.

Mehr zum Autor Lars Pricken