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1. FC Nürnberg droht der Fall von der Bundesliga in die 3. Liga

Club droht Super-GAU! Die Gründe für den tiefen Fall

Udo Hutflötz

01.07.2020 | 19:29 Uhr

Der 1. FC Nürnberg droht nach zwei niederschmetternden Spielzeiten von der Bundesliga in die 3. Liga durchgereicht zu werden. Sky Sport blickt auf die Gründe für den tiefen Fall des Traditionsvereins.

Die Freude war nahezu grenzenlos. Treffer von Hanno Behrens und Tim Leibold beim 2:0-Sieg gegen den SV Sandhausen am 6. Mai 2018 sorgten für den achten Bundesliga-Aufstieg des 1. FC Nürnberg. Der Traditionsverein aus Franken war wieder dort, wo er sich selbst am liebsten sieht - im deutschen Fußball-Oberhaus.

Allerdings sollte die damalige Feier, die nach der Rückkehr aus Sandhausen direkt am Vereinsgelände am Valznerweiher mit Tausenden Club-Fans fortgesetzt wurde, die vorerst letzte bleiben. Es folgten fränkische Gruselmonate: in der Bundesliga holte der Club in 34 Spielen lediglich drei Siege, nach dem erneuten Gang in die 2. Bundesliga folgten nur acht weitere. In Addition macht dies gerade einmal elf Siege aus den letzten 68 Ligaspielen - eine Statistik, die den FCN nun in die Relegation zur 3. Liga zwingt. Dort droht der Super-GAU!

Doch wie konnte es soweit kommen? Sky Sport betreibt Ursachenforschung.

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XXL-Umbruch sorgt für Stotterstart

Als frischer Bundesliga-Absteiger zählte der FCN neben dem VfB Stuttgart, dem Hamburger SV und Hannover 96 vor Saisonbeginn zu den "Big Four" der 2. Bundesliga. Doch dieser Erwartungshaltung konnten die Franken anders als der Großteil der Konkurrenz am Anfang der Spielzeit nicht immer gerecht werden. Nach rund einem Drittel der Saison lag der Club mit 14 Punkten nach zwölf Spielen lediglich auf Rang elf - zwei Punkte vor der Abstiegszone.

Ein Grund dafür war sicherlich der große personelle Umbruch, der nach dem Bundesliga-Abstieg im Kader stattgefunden hat. 13 externen Neuzugängen und vier Jugendspielern, die in den Profi-Kader aufgenommen wurden, standen im Sommer 17 Abgänge - unter anderem von absoluten Leistungsträgern wie Tim Leibold, Eduard Löwen und Ewerton - gegenüber. Der damalige Trainer Damir Canadi hatte Probleme damit, aus diesem XXL-Umbruch mit aber mehr als durchschnittlichen Zweitligaspielern eine funktionierende Mannschaft zu basteln. Es blieb wie auch im weiteren Verlauf der Saison meist bei einzelnen guten individuellen Leistungen, die jedoch nicht für die erhoffte Punktausbeute sorgten.

Neuzugänge zünden nicht

Ein Blick auf die Leistungen der einzelnen Akteure offenbart zudem, dass nur ein Bruchteil der geholten Spieler auch wirklich eingeschlagen und eine Bereicherung für den Club dargestellt hat. Neben Robin Hack, der mit zehn Treffern der Nürnberger Top-Scorer in dieser Saison ist, konnte kaum ein Profi über einen längeren Zeitraum überzeugen. Lediglich der im Winter nachverpflichtete Konstantinos Mavropanos vom FC Arsenal zeigte in der Rückrunde sein Potential und stabilisierte die sonst so anfällige Abwehr des FCN.

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2. Bundesliga, 34. Spieltag: Die Sky Stimmen zur Partie Holstein Kiel - 1. FC Nürnberg (Videolänge: 57 Sekunden).

Ansonsten blieben die Verpflichtungen eher blass: Nikola Dovedan baute nach gutem Start genau so stark und schnell ab, Asgar Sörensen, Tim Handwerker, Oliver Sorg, Johannes Geis, Fabian Schleusener und Michael Frey kamen zwar auf ausreichend Spielzeit, nachhaltigen Eindruck hinterließ jedoch keiner der Genannten.

Kaum Einsatzzeiten erhielten Iuri Medeiros, der immerhin für zwei Millionen Euro von Sporting Lissabon verpflichtet wurde, sowie Adam Gnezda Cerin und Felix Lohkemper.

Trainer-Entscheidungen von Sportvorstand Palikuca fruchten nicht

Zurückzuführen sind diese Transfers auf Sportvorstand Robert Palikuca, der aufgrund der sportlichen Misere zuletzt bereits angezählt wurde. Doch nicht nur bei den Spielern hat der 42-Jährige im Nachhinein unglückliche Entscheidungen getroffen. Auch seine Trainer-Entscheidungen fruchteten nicht. Erst scheiterte Canadi. Der Österreicher wollte mutigen, schnellen und offensiven Fußball in Nürnberg etablieren, verpasste es dabei aber, defensive Stabilität zu vermitteln. Nach zwölf Spieltagen standen 22 Gegentore sowie das Aus von Canadi zu Buche.

Im Anschluss schaffte es auch dessen Nachfolger Jens Keller nicht, den Club wieder in bessere Fahrwasser zu führen. Im Gegenteil: tabellarisch ging es für die Franken noch weiter nach unten. Der routinierte Übungsleiter, der unter anderem bei Schalke 04 und dem VfB Stuttgart tätig war, brachte insgesamt mehr Kompaktheit ins Team, worunter aber die offensive Durchschlagskraft litt.

Am Ende hatte Keller sogar einen schlechteren Punkteschnitt (1,10) als sein Vorgänger Canadi (1,21).

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Club verschenkt Punkte am Fließband

Doch die Schuld für die zweite Horror-Saison in Folge liegt nicht nur am Sportvorstand und seinen Trainern. Auch die Spieler müssen sich einen dicken Beitrag an der Misere ankreiden lassen - besonders im Hinblick auf Konzentrationsfähigkeit und Willenskraft.

Denn 25 verspielte Punkte nach eigener Führung können nicht als Zufall abgestempelt werden. An dieser Stelle scheint es ein Problem bzw. eine Blockade bei den Akteuren zu geben. Bestes Beispiel: das 1:1 am letzten Spieltag bei Holstein Kiel. Nach der frühen Führung in der dritten Minute durch Patrick Erras nutzte der Club diesen Rückenwind nicht aus, sondern überließ den Gastgebern das Spiel, wie Torhüter Christian Mathenia nach der Partie anmahnte.

Nach dem Ausgleich der Störche war es dann schwierig, den Schalter erneut umzulegen, die letzte Durchschlagskraft war nicht mehr vorhanden - auch wenn in diesem Fall der Wille sichtbar war.

Diesen muss der Club nun in der Relegation (am 7. und 11. Juli) zwingend über zwei komplette Spiele an den Tag legen - ganz egal, wie der Gegner heißen wird. Gelingt dies erneut nicht, droht der in der Vereinsgeschichte zweite Abstieg in die Drittklassigkeit und damit der absolute Super-GAU Realität zu werden.

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