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1. FC Nürnberg News: Club droht harter Winter - Test gegen Frankfurt LIVE auf Sky

Neue Macher, alte Probleme! Club droht harter Winter

Udo Hutflötz

21.11.2020 | 12:46 Uhr

Die neuen Macher beim 1. FC Nürnberg können mit der Saison bislang nicht zufrieden sein: Sportvorstand Dieter Hecking (l.) und Trainer Robert Klauß.
Image: Die neuen Macher beim 1. FC Nürnberg können mit der Saison bislang nicht zufrieden sein: Sportvorstand Dieter Hecking (l.) und Trainer Robert Klauß.  © DPA pa

Eine Länderspielpause eignet sich häufig für ein Zwischenfazit bei den Vereinen. Im Fall des 1. FC Nürnberg fällt dieses jedoch nicht allzu positiv aus. Das Testspiel gegen Eintracht Frankfurt (Donnerstag, ab 14 Uhr LIVE & EXKLUSIV im Stream & auf Sky Sport News) soll der Startschuss für eine erfolgreichere Zukunft werden.

Samstag, 11. Juli 2020: Es ticken die letzten Sekunden im AUDI-Sportpark in Ingolstadt. 96 Minuten sind im Relegations-Krimi zwischen dem FC Ingolstadt und dem 1. FC Nürnberg gespielt. Patrick Erras schlägt den Ball über Kopf in den Strafraum der Hausherren, Fabian Schleusener schaltet am schnellsten und spitzelt die Kugel am Keeper vorbei zum 1:3 ins Tor.

Der 1. FC Nürnberg rettet sich in letzter Sekunde vor dem Abstieg in die 3. Liga. Der Super-GAU ist abgewendet und die Freude bei den Franken kennt nach einer mehr als verkorksten Saison keine Grenzen.

Nürnberg stellt sich personell neu auf - bislang ohne Erfolg

Bereits kurz danach wird beim Club der Neustart eingeleitet. Sportvorstand Robert Palikuca verlässt Nürnberg nach gerade einmal 15 Monaten. Ex-FCN-Coach Dieter Hecking übernimmt. Auch auf der Trainerposition gibt es bei den Franken eine Veränderung. Relegations-Retter Michael Wiesinger kehrt in seine ursprüngliche Funktion als NLZ-Leiter zurück und Robert Klauß, der 35 Jahre junge Co-Trainer von Julian Nagelsmann bei RB Leipzig, schlüpft erstmals bei einem Profi-Klub in die Cheftrainer-Rolle. Sein Assistent wird Tobias Schweinsteiger, der vom Hamburger SV kommt.

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Neue Entscheider, neue Macher, neue Köpfe also beim FCN, die die alten Sorgen vergessen machen und eine Aufbruchsstimmung beim krisenerprobten Traditionsverein erzeugen sollen. Doch bereits nach wenigen Monaten ist Ernüchterung im Umfeld des Clubs eingekehrt. Die handelnden Personen sind zwar andere, doch die Probleme sind gleichgeblieben. Der 1. FC Nürnberg ist in einer neuen Realität angekommen. Und diese heißt Tabellenkeller. Sieben Punkte nach sieben Spielen bedeuten Rang 16.

Doch ist dieser Zustand nur eine etwas länger andauernde Momentaufnahme oder eine gefährliche Tendenz? Vieles aus den vergangenen Wochen spricht für Letzteres. Denn beim Club läuft (immer noch) zu viel schief!

Club verspielt zu viele Führungen

An oberster Stelle der Mängelliste ist die Führungsschwäche zu nennen. Das Team von Trainer Klauß schafft es nicht, eine Führung über die Zeit zu bringen. In jedem der bislang sieben Ligaspiele lagen die Franken zwischenzeitlich vorne. Doch nur ein einziges Mal konnte der FCN auch drei Punkte eintüten (beim 1:0-Heimsieg gegen den SV Sandhausen am 2. Spieltag).

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"Wir hatten Spielverläufe, wo wir hätten ein deutlich besseres Ergebnis erzielen können. Ich denke da alleine schon an die letzten drei Spiele gegen Karlsruhe, Braunschweig und Düsseldorf, wo mehr als nur zwei Punkte hätten herausspringen müssen. Das wissen wir. Da gilt es jetzt weiter dran zu arbeiten", so Hecking im exklusiven Sky Interview.

Der Sportvorstand kennt aber auch die Gründe für diese anhaltende Problematik. "In den letzten zwei Jahren waren wenige Erfolgserlebnisse da. Man merkt daher förmlich, wenn die Mannschaft in Führung geht, dass sie das Spiel natürlich gerne gewinnen würde, aber die negativen Ereignisse aus den vergangenen Jahren wieder in die Köpfe kommen. Wir brauchen jetzt einfach auch mal ein Erfolgserlebnis, dass wir ein Spiel nach Hause bringen."

Insgesamt verspielten Christian Mathenia, Enrico Valentini und Co. bereits 14 Punkte nach Führung - eine erschreckende Bilanz und gleichzeitig Spiegelbild der vergangenen (Horror-)Saison.

Neuzugänge zünden (noch) nicht wie erhofft

Ein weiterer Punkt, den der FCN aus der vergangenen Saison mit in die neue Spielzeit geschleppt hat, ist das zähe Integrieren der Neuzugänge. Die Neuen um Manuel Schäffler, Pascal Köpke und Co. stellen noch nicht in Gänze die erhoffte Verstärkung dar - und das aus unterschiedlichen Gründen.

Die beiden genannten Offensivakteure haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie mit ihrer Qualität einer Mannschaft helfen können - beispielhaft seien Schäfflers 19 Tore in der vergangenen Spielzeit für Absteiger SV Wehen Wiesbaden. Beim Club tut sich die Sturmkante nach seinen anfänglichen Knieproblemen noch etwas schwer. Mit seiner Präsenz und Körperlichkeit bringt der 31-Jährige wichtige Komponenten ins Spiel, doch seine Treffersicherheit aus Wiesbaden hat er noch nicht gänzlich wiedergefunden. Mit seinem Treffer gegen Düsseldorf zeigte er hier aber zuletzt aufsteigende Form und seinen Killerinstinkt vom Punkt.

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Ähnlich verhält es sich bei Köpke, der ebenfalls in der noch jungen Saison mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, gegen Braunschweig mit seinem Doppelpack aber seine Qualität aufblitzen ließ.

Über diese verfügt auch zweifelsfrei Tom Krauß, den Klauß aus Leipzig mitgebracht hat. Doch der Youngster muss sich ähnlich wie Bayern-Leihgabe Sarpreet Singh, der bislang noch keine große Rolle beim FCN spielt, erst noch an die 2. Bundesliga gewöhnen. Zeit ist hier der ausschlaggebende Faktor.

Klauß muss Länderspielpause nutzen

Und genau dieser zählt auch zu den Hoffnungsschimmern, die die Franken in eine bessere Zukunft blicken lassen. In der aktuellen Länderspielpause kann Coach Klauß auf fast seinen gesamten Kader zurückgreifen und hat so genug Zeit, um an den Automatismen zu arbeiten. Bis auf Robin Hack (krank), Tim Handwerker (DFB U21), Virgil Misidjan (Reha) und Singh (private Gründe) stehen alle Akteure zur Verfügung, sodass Klauß der Mannschaft seine Vorstellungen intensiv, ohne Druck und in Ruhe vermitteln kann.

Dafür nutzt er auch die Möglichkeit eines Testspiels gegen Bundesligist Eintracht Frankfurt (Donnerstag ab 14 Uhr LIVE auf Sky Sport News und im kostenlosen LIVESTREAM auf skysport.de). "Testspiele in der Länderspielpause sind für Spieler, die bisher weniger Spielzeit hatten, immer eine gute Chance, einen Rhythmus zu finden und Selbstvertrauen zu tanken. Dafür sind Spiele auf hohem Niveau gegen Bundesligisten wichtig", wird Klauß auf der Vereinshomepage zitiert.

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Der 1. FC Nürnberg testet bei Eintracht Frankfurt: Das erhofft sich Sport-Vorstand Dieter Hecking von der Partie gegen den Bundesligist. (Videolänge: 1:03 Min)

Hecking strahlt Ruhe aus und stärkt Trainer Klauß

Zeit spielt beim 1. FC Nürnberg aber auch noch aus einem anderen Blickwinkel eine Rolle: Der erfahrene Sportvorstand Hecking ist bereits in seiner Zeit als Trainer nicht durch Aktionismus aufgefallen, sondern trat eher mit Besonnenheit und Ruhe auf. Diese Eigenschaften legt der 56-Jährige auch in seiner neuen Funktion an den Tag. Er gibt seinem jungen Coach Zeit.

"Ich glaube, wir brauchen über den Trainer gar nicht reden. Er hat eine ganz deutlich Ansprache, er hat eine ganz klare Idee von dem, was er von der Mannschaft erwartet. Robert Klauß will den Ballbesitz-Fußball haben. In den vergangenen zwei Jahren war es doch eher so, dass der lange Ball gespielt wurde und wir auf den zweiten Ball gegangen sind. Das ist eine klare Veränderung des Spielstils. Es braucht einfach eine gewisse Zeit." Geht es nach Hecking, müsste weniger Klauß, sondern eher die Profis eine Leistungssteigerung vollziehen. "Einzelne Spieler müssen auch einfach besser spielen, als dies in den ersten sieben Spielen der Fall war. Das muss man auch einfach mal klar benennen."

Insgesamt nimmt Hecking jedoch den ganz großen Druck von den Beteiligten, indem er mit einem Ziel "zwischen Tabellenplatz sieben und zwölf" keine überzogenen Ansprüche stellt. Das bringt Ruhe in die tägliche Arbeit und ins Team. Und bekanntlich fußt darauf häufig der Erfolg im Sport.

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Derby gegen Fürth als Weggabelung

Bereits direkt nach der Länderspielpause hat der Club in zwei Kracher-Duellen die Möglichkeit, diesen zurück nach Nürnberg zu bringen. Zunächst gastiert der FCN beim Überraschungsteam aus Osnabrück (2.), im Anschluss folgt das immer brisante Derby gegen die SpVgg Greuther Fürth, die bislang auf Platz drei liegend eine starke Runde spielt.

Besonders dem Heimduell mit Fürth könnte eine übergeordnete Bedeutung zukommen. Im Falle eines positiven Ergebnisses könnte dieses besondere Spiel einen Wendepunkt in dieser bislang enttäuschenden Saison darstellen. Sollte am Ende jedoch ein Negativerlebnis unter dem Strich stehen, könnte die noch ruhige Stimmung kippen und ein harter Winter am Valznerweiher drohen ...

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