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2. Bundesliga: VfB Stuttgart empfängt den Karlsruher SC zum Derby

VfB empfängt KSC zum Derby: Ausnahmezustand im Ländle!

Alexander Bonengel

24.11.2019 | 15:34 Uhr

Jubelt der VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC?
Image: Jubelt der VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC? © Getty

Wenn der VfB und der KSC gegeneinander spielen (Sonntag, ab 12:30 Uhr live auf Sky Sport Bundesliga 3 HD), ist Ausnahmezustand in Fußball-Baden-Württemberg. Die Fans sind elektrisiert, die mediale Aufmerksamkeit stark erhöht, die Vorfreude scheinbar grenzenlos.

Doch gerade in Derby-Zeiten offenbart der Lokalpatriotismus auch seine hässliche Seite. Beim letzten Derby in Stuttgart 2017 war einiges aus dem Ruder gelaufen. Einige KSC-Fans hatten sich vermummt, es flog Pyrotechnik aus dem Gästeblock auf das Spielfeld und auch in Zuschauerbereiche. Am Ende standen in der Bilanz 20 verletzte Polizisten. Das alleine ist schon schlimm, aber es hätte durchaus noch schlimmer kommen können.

Erhöhte Sicherheitskontrollen beim Derby

So etwas soll sich auf keinen Fall wiederholen: "Es gibt eine klare rote Linie in Stuttgart. Die lautet: keine Gewalt, weder gegen Menschen noch gegen Sachen", sagt der Stuttgarter Polizeivizepräsident Thomas Berger. Erhöhte Sicherheitskontrollen, keine Rucksäcke, keine Taschen, keine Fahnen. Wasserwerfer stehen bereit, sollte die Situation eskalieren. "Wir gehen nicht davon aus, dass wir sie einsetzen müssen, denn in den allermeisten Fällen haben wir es mit friedlichen Fans zu tun", ergänzt Berger.

Dennoch ist die Alarmbereitschaft immer besonders hoch, wenn Rot gegen Blau spielt. Hassbotschaften in sozialen Netzwerken, verschmierte S-Bahnen, Plakataktionen - die Vorboten eines Duells, das niemals nur ein normales Fußballspiel sein kann.

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Löw sendet Videobotschaft an Fans

Womöglich ist ja Napoleon schuld: 1806 ernannte der französische Kaiser Württemberg zum Königreich, Baden blieb Großherzogtum. Gegen den Willen der Badener wurde 1952 das Bundesland Baden-Württemberg gegründet, Stuttgart Landeshauptstadt. Dort blüht die Wirtschaft um Daimler, Porsche, Bosch und Co., dort sitzt auch der Landessender SWR. Die Geschichte von Baden und Württemberg ist nicht zuletzt eine von Missgunst und gefühlter Benachteiligung.

Bundestrainer Joachim Löw schaltete sich dieser Tage ein, sendete eine Videobotschaft an beide Vereine, in denen er die Fans zu Besonnenheit mahnt. Als ehemaliger Spieler und Trainer beider Clubs weiß er wie kaum ein anderer um das komplizierte Verhältnis zwischen den Landesteilen.

Absteiger vs. Aufsteiger

Es ist ja auch nicht so, dass die Partie am Sonntag sportlich nichts zu bieten hätte - ganz im Gegenteil: Es spielt der Bundesliga-Absteiger gegen den Aufsteiger aus der dritten Liga, die Mannschaft mit dem höchsten Marktwert (VfB mit geschätzen 83,80 Mio. €) gegen das Team mit dem niedrigsten (KSC mit geschätzen 9,30 Mio €). Der VfB ist zum Aufsteigen verdammt, für den KSC geht es um den Ligaverbleib.

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Die Badener übertreffen bisher die Erwartungen, der VfB liegt deutlich drunter. Darüber hinaus prallen weitere Welten aufeinander: Auf der einen Seite die neu zusammengestellte Millionen-Truppe VfB um Ex-Nationalspieler wie Mario Gomez, Holger Badstuber und Gonzalo Castro, gespickt mit feinsten Edeltechnikern und der wohl höchsten individuellen Qualität der Liga. Auf der anderen Seite die eingeschworene Truppe des KSC, eine Mischung aus fußballerisch limitierten Kämpfern und Typen wie den Stürmern Pourié und Hofmann, die einst in der Versenkung verschwunden waren und beim KSC wieder aufblühen. Der Großteil der Mannschaft besteht dabei aus den Drittliga-Aufsteigern.

Die innovative aber bisher gleichermaßen ineffiziente Spielidee von Tim Walter begegnet dem eher pragmatischen aber effektiven Fußball von Alois Schwartz, der extrovertierte Trainer trifft auf den introvertierten.

Walter verspricht Derby-Sieg

Stuttgarts Tim Walter lehnte sich dabei zuletzt weit aus dem Fenster. Auf die sehr zugespitzte Frage eines Journalisten, warum der VfB das Derby gewinnen werde, äußerte Walter: "Weil wir mehr investieren. Wir wissen, dass wir alles geben müssen. Wir werden dann auch die Tore schießen und keines kassieren." Walters Aussagen wirken zuweilen übertrieben, manche sprechen gar von Arroganz oder mangelndem Realitätssinn.

Sogar nach dem 2:6 Debakel in Hamburg sah er seine Mannschaft auf einem "guten Weg". Zweifeln ist für Walter ein Fremdwort. Es wäre aber zu einfach gegriffen, Walters Habitus als Arroganz oder Verrücktheit abzutun. Es dürfte auch einiges an Kalkül dahinterstecken: Vier der letzten fünf Spiele hat der VfB verloren. Normalerweise herrscht da schon Ausnahmezustand am Wasen. Doch Walters Moderation scheint die Eskalation der Krise wirkungsvoll einzudämmen. Irgendwie schafft er es, den Leuten glaubhaft zu machen, dass alles gut werden wird. Dazu verkörpert er in der Außendarstellung eine Leichtigkeit, die seinen Vorgängern abging.

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Wenn dann auch noch zwischenzeitlich Erfolg eintritt, wie der Sieg im DFB-Pokal in Hamburg nach der 2:6 Ligapleite wenige Tage zuvor, nährt das die Glaubwürdigkeit. Klar, ewig wird der Walter'sche Gefühlskosmos nicht gegen Ergebnisse bestehen können. Aber für die Zeit zwischendrin sorgt er für Ruhe.

Schwartz schießt gegen Walter

Seinem stets äußerst sachlichen Pendant Alois Schwartz würden derart kernige Aussagen sicher niemals über die Lippen kommen. Allerdings ist der gebürtige Nürtinger auch keiner, der die Dinge einfach so auf sich sitzen lässt. Er ließ verlauten, dass Walters jüngst getätigte Aussagen "mit Respekt nicht unbedingt viel zu tun" haben. "Er hat uns kein Tor zugetraut, obwohl wir mehr geschossen haben als sie. Das ist ja schön für ihn. Ich gehe damit anders um. Ich habe Respekt vor jedem Gegner", sagt Schwartz.

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Der KSC ist in der deutlich angenehmeren Ausgangsposition, denn den Druck hat vor allem der zum Siegen verdammte VfB. Die Badener können am Sonntag eigentlich nur gewinnen. Als Aufsteiger mit Platz zehn haben sie zur Zeit bestenfalls Luxusprobleme: Neun Mal nacheinander sind die Badener ungeschlagen, die letzten sieben Zweitliga-Partien endeten aber allesamt unentschieden.

Höchste Zeit also, dass es mal wieder drei Punkte werden. Selbstbewusstsein haben sie nach den letzten Wochen. Zudem sind sie genau die Art Mannschaft, die dem VfB nicht liegt: Hinten kompakt, schnell im Umschalten und Kontern, dazu starke Standards. Ein Karlsruher Sieg hätte historische Dimensionen: Das letzte Mal gelang das den Karlsruhern in Stuttgart im Jahr 1965.

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