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Abstimmung über DFL-Investor sorgt für Uneinigkeit im deutschen Profifußball

Einigung oder Knall? DFL-Investorendeal als Zerreißprobe

Die Kölner Fans bringen ihre Kritik mit mehreren Bannern zum Ausdruck.
Image: Die Kölner Fans bringen ihre Kritik mit mehreren Bannern zum Ausdruck.  © DPA pa

Am Montag steigt die mit Spannung erwartete Abstimmung über den potenziellen DFL-Investorendeal. Es droht die Abspaltung innerhalb des deutschen Profifußballs.

Die Fans wüten, die Opposition formiert sich - und die Befürworter drohen mit Spaltung: Der Profifußball steuert in der hitzig diskutierten Investorenfrage mal wieder auf eine Zerreißprobe zu. Wenn die Bosse der 36 Erst- und Zweitligisten am Montag im Sheraton-Hotel am Frankfurter Flughafen erneut über den möglichen Milliardendeal abstimmen, wartet im schlimmsten Fall ein großer Knall.

Umso mehr bemühen sich die Chefs der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Vorfeld um Deeskalation. "Wir haben sehr viele Gespräche mit allen Vereinen geführt und sehen ein positives Stimmungsbild als Grundlage für die Diskussion und Abstimmung", sagte Co-Geschäftsführer Steffen Merkel dem kicker. Einer Umfrage des Fachmagazins zufolge ist der Ausgang des Votums jedoch völlig offen - eine friedliche Einigung erscheint keineswegs sicher.

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14 Klubs bekannten sich bislang öffentlich zu ihrer Zustimmung. Zwei Klubs (1. FC Köln, SC Freiburg) teilten ihre Ablehnung mit, ein Verein (VfL Osnabrück) will sich enthalten. Dazu fordert Union Berlin offenbar eine Verschiebung der Abstimmung, diese erfolge "zum falschen Zeitpunkt", hieß es in einem Schreiben der Köpenicker aus dem der kicker zitiert.

Bayer-Chef droht Zweitliga-Klubs

Schon im Mai, als der Einstieg eines Investors unter anderen Voraussetzungen gescheitert war, war es zu heftigen Verwerfungen innerhalb des Ligaverbandes gekommen. Die Abspaltung der Bundesliga vom Rest als Folge der Uneinigkeit scheint mittlerweile nicht mehr unrealistisch.

Man müsse "aufpassen, dass wir nicht in eine Situation geraten, in der die 2. Liga vorgibt, was die DFL machen soll", warnte Bayer Leverkusens Klub-Boss Fernando Carro in der FAZ - und drohte mit Blick auf die Zweitliga-Klubs. Sollte der abgespeckte Deal aufgrund deren Ablehnung platzen, müsse man sich "ernsthafte Gedanken über die künftige Governance der DFL machen".

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Zur Umsetzung der DFL-Pläne ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Dann würden die beiden Bosse Merkel und Marc Lenz das Mandat zu Verhandlungen mit den vier potenziellen Geldgebern aus dem sogenannten "Private-Equity-Bereich" erhalten.

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Es winken bis zu einer Milliarde Euro

Diesmal sollen sechs bis neun Prozent der Anteile einer DFL-Tochtergesellschaft, in welche die kompletten Medienrechte ausgelagert werden, für 20 Jahre verkauft werden. Dafür soll es zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro geben.

Im Idealfall gehen 600 Millionen an die DFL-Zentralverwaltung zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells (Digitalisierung, Streamingplattform, usw.). 300 Millionen erhalten gemäß dem gültigen Verteilerschlüssel die Klubs, um die zunächst entstehenden Medien-Mindereinnahmen auszugleichen. Mit den restlichen Millionen soll ein Vergütungssystem geschaffen werden, das Klubs belohnt, die zu Werbezwecken ins Ausland reisen.

Fan-Proteste gegen Investorendeal

Bei der gescheiterten Abstimmung im Mai sei es "in vielerlei Hinsicht um Transparenz in der Kommunikation" gegangen, meinte Lenz. Merkel ergänzte, dass die DFL nichts zu verstecken habe. Es sei zudem klar, dass ein potenzieller Investor "nur limitierte Mitspracherechte im wirtschaftlichen Bereich" erhalte. Akzeptiere ein möglicher Partner "die roten Linien nicht, ist er nicht der richtige für uns".

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In Fankreisen wird das Vorhaben dennoch weiter "sehr kritisch" gesehen, wie Thomas Kessen von Unsere Kurve betonte. Vor allem aus Sicht der Zweitligisten sei eine Zustimmung "völlig paranoid". Nicht nur an diesem Bundesliga-Wochenende war es in den Kurven zu massiven Protesten gekommen. Auch die Bürgerbewegung Finanzwende hält die neuen Pläne für "gefährlich".

Uneinigkeit über Weg der Weiterentwicklung

Zwar teilten laut Lenz "alle Klubs die Ansicht, dass eine Weiterentwicklung notwendig ist und wir dafür investieren" müssten. Über den Weg herrscht aber Uneinigkeit. Der deutsche Fußball "mit seiner Historie und seiner Verankerung in der Gesellschaft" passe "kulturell" nicht zum Ansatz eines Private-Equity-Unternehmens, betonte der 1. FC Köln.

Für BVB-Boss und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke wäre ein Investor dagegen ein möglicher Wachstumstreiber. "Die Liga sucht einen Partner, der ihr dabei hilft", sagte er jüngst. Ob das alle so sehen? "Ich bin wirklich gespannt", sagte Carro vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung, "weil schwer zu sagen ist, was dort passieren wird".

SID

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