Sky Sport macht den BVB-Kadercheck.
Von Patrick Berger & Thorsten Mesch
Platz zwei in der Bundesliga mit nur einer Niederlage gegen den FC Bayern, aber ein 0:2 beim ersatzgeschwächten Tabellen-Vierzehnten der Premier League.
Borussia Dortmunds Pleite in der Königsklasse bei Tottenham Hotspur hat die Probleme des BVB aufgezeigt und führt zur Frage, ob die Zusammenstellung der Mannschaft höchsten Ansprüchen genügt.
Beim letzten Titelgewinn (DFB-Pokalsieg 2021) hatte die Borussia mit Jude Bellingham, Erling Haaland, Jadon Sancho, Marco Reus und Mats Hummels noch fünf (!) Unterschiedsspieler im Kader. Bis auf Nico Schlotterbeck oder Serhou Guirassy - wenn beide in Topform sind - trägt im aktuellen Mannschaftsgefüge kein Spieler dieses Qualitätssiegel.
"Dortmund hat keine Sanchos, Haalands oder Dembeles mehr. Die Marktwerte gingen in den letzten Jahren in den Keller, Spieler mit großem Wiederverkaufswert muss man erst suchen", beschreibt Sky Sport Reporter Patrick Berger die Situation.
"Der BVB hat einen Kader, dem es an Qualität fehlt und der über die letzten Jahre hinweg von verschiedenen Trainern (Terzic, Sahin, Kovac), Kaderplanern und Scouts (Kehl, Mislintat, Krug, Graf), Bossen (Watzke, Ricken) oder Beratern (Sammer) zusammengestellt wurde. Zu viele Leute reden mit, es wird nicht mit einer Sprache gesprochen. Das Produkt: Ein unausgewogener Kader, dem die Balance fehlt.
Zu viele Leute reden mit, es wird nicht mit einer Sprache gesprochen. Das Produkt: Ein unausgewogener Kader, dem die Balance fehlt. Auf welche Spieler können sich die Borussen verlassen? Wo muss man nachbessern?
Sky Sport macht den BVB-Kadercheck:
TOR:
Im Tor hat der BVB keine Probleme. Mit Gregor Kobel steht ein internationaler Top-Torwart zwischen den Pfosten. Der 28-Jährige wird bei der Weltmeisterschaft im Kasten der Schweiz stehen. In Dortmund gehört Kobel zu den Führungsspielern auf und neben dem Platz.
Auch Kobels Stellvertreter Alexander Meyer (34) ist erfahren und spielt auf gutem Niveau.
ABWEHR:
Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton, Emre Can, Niklas Süle und Ramy Bensebaini. Die Defensive ist in der Zentrale mit international erfahrenen Akteuren bestückt. Anton zeigt stabile Leistungen und ist der heimliche Abwehrchef. Schlotterbeck gehört eigentlich zu den Leistungsträgern, wackelt aber seit der Vertragsfrage. Ergänzt wird die Abwehr durch junge Spieler mit Potenzial wie Filippo Mane und Chelsea-Leihgabe Aaron Anselmino (beide 20).
Perspektivisch: Süles auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Can ist derzeit angeschlagen, sein Kontrakt soll aber verlängert werden. Anselmino kehrt nach seiner Leihe zum FC Chelsea zurück. Der BVB braucht im Sommer mindestens zwei Top-Verteidiger, die den Laden dichtmachen.
Auf den Außenpositionen ist man mit Julian Ryerson, Yan Couto (beide rechts), Daniel Svensson und Almugera Kabar (beide links) ordentlich, aber nicht herausragend besetzt. Hier ist man auf der Suche nach Verstärkungen (Kaua Prates), aber ein Unterschiedsspieler ist nicht in Sicht.
ZENTRALES MITTELFELD:
Im Zentrum gibt es mit Felix Nmecha, Marcel Sabitzer, Jobe Bellingham, Carney Chukwuemeka und Salih Ozcan ein Überangebot von Spielern mit ähnlichem Profil. "Nmecha, der bereits als Fehleinkauf abgestempelt wurde, ragt als einer der wenigen Spieler heraus. Er zählt zum Tafelsilber", erklärt Berger.
Vor allem Chukwuemeka, der immer wieder Knieprobleme hatte, ist noch nicht die erhoffte Verstärkung. Gleiches gilt für Bellingham. Dortmund braucht einen klaren Sechser, den hat es seit Axel Witsel nicht mehr gegeben. Auch deshalb will der BVB im Sommer jemanden an die Seite von Nmecha stellen.
OFFENSIVES MITTELFELD/ ANGRIFF:
Julian Brandt und Karim Adeyemi zeigen wechselhafte Leistungen. Adeyemi hat mit seinem enormen Tempo ein Alleinstellungsmerkmal und kann Spiele entscheiden, beim 24-Jährigen sind aber immer wieder technische Defizite erkennbar. Flügel-Talent Julien Duranville konnte die Hoffnungen nie erfüllen und wurde an den FC Basel ausgeliehen.
Für die Zehnerposition hat es der BVB hat es versäumt, Rayan Cherki zu verpflichten. Der Franzose ist ein absoluter Ausnahmespieler. Zudem fehlen ein, zwei Tempodribbler, die den Unterschied ausmachen können.
Serhou Guirassy kann solch ein Unterschiedsspieler sein. Das hat der 29-Jährige in der vergangenen Saison unter Beweis gestellt, als der Guineer mit 13 Treffern der erfolgreichste Torschütze der gesamten Champions League war. Dies hatte zuvor nur ein BVB-Angreifer geschafft: Erling Haaland.
Guirassy ist momentan weit von seiner Vorjahresform entfernt und ein Schatten seiner selbst. Fabio Silva zeigt zwar gute Ansätze, hat in der Königsklasse aber erst einmal und in der Bundesliga noch gar nicht getroffen.
Maximilian Beier ist mit fünf Toren und drei Vorlagen in 16 Bundesliga-Einsätzen zwar auf dem Weg, seine Zahlen aus der Vorsaison (acht Tore, sechs Vorlagen) zu bestätigen, aber der Nationalspieler reißt international keine Bäume aus und kommt in der Champions League bisher nur auf eine Vorlage.
FAZIT:
Beim BVB gibt es - vor allem in der Offensive - seit den Zeiten von Haaland, Reus, Bellingham und Co. keinen Unterschiedsspieler. Adeyemi, Beier, Svensson und Co. können an guten Tagen top sein, sind aber keine Weltklasse.
Im aktuellen Kader gibt es viele Unwuchten. Der BVB muss im Sommer nachjustieren.
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