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Atalanta Bergamo News: Gosens, Zapata & Co. drehen auf

Gosens, Zapata, "Papu" & Co. - Gründe für Atalantas Höhenflug

Robert Gherda

17.07.2020 | 21:45 Uhr

Duvan Zapata (r.) und Robin Gosens (l.) sind zwei Garanten für den Höhenflug von Atalanta Bergamo.
Image: Duvan Zapata (r.) und Robin Gosens (l.) sind zwei Garanten für den Höhenflug von Atalanta Bergamo. © Getty

Atalanta Bergamo ist in Italien das Team der Stunde und die Offensive der Lombarden stellt einen Rekord nach dem nächsten auf. Sky Sport hat Ursachenforschung betrieben, wie der Höhenflug zu erklären ist.

Juventus dominiert die Serie A in den vergangenen Jahren fast nach Belieben. Seit der Saison 2011/12 gewann der italienische Rekordmeister acht Scudettos in Folge und auch in dieser Spielzeit dürften Cristiano Ronaldo & Co. am Ende wohl wieder den Titel einheimsen.

Umso erstaunlicher ist daher, was sich am vergangenen Samstag in Turin abgespielt hat, als die alte Dame Atalanta Bergamo zum Spitzenspiel des 32. Spieltags empfing. Vor dem Treffer zum 0:1 durch Atalantas Duvan Zapata hatte der Tabellenführer sage und schreibe acht Minuten und elf Sekunden keinen einzigen Ballkontakt in der gegnerischen Hälfte.

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Offensive in Italien in eigener Liga

Der Underdog hatte am Ende mehr Torschüsse, Ballbesitz und Ecken, aber Juve hatte Cristiano Ronaldo. Der Superstar verwandelte zwei äußerst umstrittene Handelfmeter souverän und sicherte dem Titelverteidiger zumindest einen Punkt. Der Treffer zum 2:2-Endstand fiel erst in der 90. Minute und beendete gleichzeitig Bergamos Sieges-Serie von elf Pflichtspielen. Juve hielt den Verfolger auf Distanz und hat bei noch fünf Partien sieben Punkte mehr als Bergamo auf dem Konto.

Allzu lange grämten sich die Lombarden aber nicht und waren drei Tage später wieder in der Spur. Gegen Brescia Calcio gab es einen deutlichen 6:2-Kantersieg. Atalanta hat damit in der laufenden Saison nach 33 Partien bereits 93 Treffer erzielt. In der Geschichte der Serie A konnte kein Team mehr Tore erzielen - und das Team um den deutschen Linksverteidiger Robin Gosens hat noch fünf Partien in der Hinterhand.

Im Schnitt ist in Europas Top-Ligen nur der FC Bayern (2,94 Tore pro Spiel) noch treffsicherer als Bergamo (2,82). In Italien ist der Vorjahresdritte sogar in einer völlig eigenen Liga - Juventus stellt die zweitbeste Offensive, hat aber 23 (!) Tore weniger erzielt.

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Robin Gosens verrät bei Sky90 seine Zukunftspläne. (Video-Länge: 01:00 Minuten)

Schon drei Mal sieben Tore in einem Spiel

Bereits dreimal gelangen Atalanta in dieser Spielzeit sieben Tore in einem Spiel (7:1 gegen Udine, 7:0 beim FC Turin und 7:2 bei US Lecce, Anm. d. Red.) und selbst ein Renomierklub wie der AC Milan wurde schon mit 5:0 aus dem Stadion geschossen. Auch in der Champions League sorgte Bergamo für Aufsehen und war das erste Team überhaupt, das nach drei Niederlagen in den ersten drei Begegnungen noch ins Achtelfinale einziehen konnte.

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Dort schenkten die Italiener dem FC Valencia sowohl im Hinspiel zu Hause (4:1) als auch im Rückspiel (4:3) vier Tore ein und treffen nun im Viertelfinale auf BVB-Bezwinger Paris St. Germain. Und die Millionen-Truppe von Thomas Tuchel muss keinesfalls Endstation sein, denn Bergamo ist aktuell alles zuzutrauen. "Zur Atalanta zu kommen, ist wie ein Besuch beim Zahnarzt. Es ist wirklich sehr hart", sagte beispielsweise Pep Guardiola über die Italiener nach dem Duell in der Königsklasse im November 2019.

Doch wie gelang es der einstigen Fahrstuhlmannschaft, die insgesamt zwölf Mal in die Serie B absteigen musste, sich zu einer der torgefährlichsten Mannschaften Europas zu entwickeln?

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Champions League: Robin Gosens steht mit Atalanta Bergamo im Achtelfinale. Sky hat den Linksverteidiger in seiner italienischen Heimat besucht (Videolänge: 2:02 Min.).

Trainer als Vater des Erfolgs

Vater des Erfolgs ist zweifelsohne der Trainer. Mit Gian Piero Gasperini, der seit 2016 im Amt ist, kam auch der Erfolg. Gleich in seiner ersten Spielzeit führte der heute 62-Jährige die Mannschaft auf Platz vier und damit in die Europa League. Ein Jahr später ging es als Siebter erneut nach Europa, ehe in der vergangenen Spielzeit als Tabellendritter erstmals der Einzug in die Champions League glückte.

Gasperini setzt dabei auf ein 3-4-1-2-System, das gerne auch zum 3-4-2-1 wird, ein extrem hohes Pressing bereits in der gegnerischen Hälfte und ein überfallartiges Offensivspiel über die Außen. Wichtigster Spieler im Gasperini-System ist Alejandro "Papu" Gomez, der bereits seit 2014 in Bergamo unter Vertrag steht und alleine in der aktuellen Spielzeit auf 16 Vorlagen und sechs Tore kommt.

"Papu" dürfte dem gemeinen Fußball-Fan eher kein Begriff sein, aber große Stars sucht man in Gasperinis Truppe ohnehin vergeblich. Beweis gefällig? KPMG beziffert den Marktwert des Juve-Kaders mit namhaften Akteuren wie Mathijs de Ligt, Paulo Dybala oder eben Ronaldo auf 635 Millionen Euro. Im Vergleich dazu kommt Atalanta nur auf 265 Millionen Euro. Neben Juve haben noch beide Klubs aus Mailand (Inter und AC), Rom (AS und Lazio) und zudem auch der SSC Neapel einen wertvolleren Kader.

Transfers passen perfekt

Bergamo gelingt es aber immer wieder Spieler für kleines Geld zu verpflichten, die perfekt ins Team passen. Der zentrale Mittelfeldspieler Remo Freuler kam beispielsweise im Januar 2016 für knapp unter zwei Millionen Euro vom FC Luzern aus der Schweiz und ist laut KPMG mittlerweile mehr als das zehnfache Wert (Marktwert im Mai 2020: 21 Millionen Euro). Ein weiteres Beispiel ist Rechtsverteidiger Hans Hateboer, der ein Jahr nach Freuler für etwa eine Million Euro vom FC Groningen nach Norditalien wechselte.

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Und auch Gosens kam im Juni 2017 für läppische 900.000 Euro von Heracles Armelo aus den Niederlanden in die Lombardei und entwickelte sich zu einem der torgefährlichsten Außenverteidiger Europa. In der aktuellen Saison überragt der 26-Jährige in der Liga mit neun Toren und acht Vorlagen.

Am meisten Geld legte Bergamo für den vermeintlichen Star und wertvollsten Spieler des Teams auf den Tisch. Der kolumbianische Torjäger Zapata kam zunächst leihweise für 14 Millionen Euro von Sampdoria Genua, zu Beginn des Jahres verpflichtete Atalanta den Stürmer gegen eine weitere Zahlung von zwölf Millionen schließlich fest.

Zapata treffsicher

Das Geld scheint gut investiert, denn Zapata, der bereits seit 2013 in Italien spielt, hat in Bergamo sein Glück gefunden. In der vergangenen Runde traf er in 37 Spielen stolze 23 Mal und wurde Zweiter in der Torschützenliste hinter Sampdorias Fabio Quagiarella. In dieser Spielzeit verpasste er einige Spiele aufgrund einer Adduktorenzerrung, kommt aber in 23 Partien dennoch auf 16 Buden und sechs Vorlagen.

In der vereinsinternen Torschützenliste liegt der bullige Stürmer damit auf Platz zwei noch knapp vor Josip Illicic (15 Tore), der in der Champions League in dieser Saison bereits mit einem Viererpack für Aufsehen sorgte. Top-Torjäger des Teams ist allerdings Neuzugang Luis Muriel mit 17 Treffern, obwohl er nur in zehn Begegnungen in der Startformation stand. Der 28-Jährige kam vor der Saison für etwa 18 Millionen Euro vom FC Sevilla.

Gosens ist übrigens gemeinsam mit Chelsea-Leihgabe Mario Pasalic Vierter im Tor-Ranking. Der gebürtige Mainzer Pasalic wurde von den Blues in den vergangenen sechs (!) Saisons immer verliehen, wird aber im Sommer für geschätzte 15 Millionen Euro fest verpflichtet.

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Angriff auf Juventus?

Solche Transfers kann Bergamo mittlerweile problemlos stemmen, weil es dem Klub immer wieder gelingt Profit aus der guten Jugendarbeit zu schlagen. Allein im vergangenen Sommer verkaufte Atalanta mit Dejan Kulusevski (35 Millionen zu Juventus) und Franck Kessie (24 Millionen zu Milan) zwei Akteure aus dem eigenen Stall für viel Geld.

Die Einnahmen aus der aktuellen Champions-League-Saison dürften den finanziellen Spielraum der Lombarden weiter erhöhen, zumal auch die Qualifikation für die Königsklasse für nächstes Jahr praktisch fix ist. Und sollte Atalanta die Mannschaft zusammenhalten und vielleicht sogar noch verstärken, ist es gut möglich, dass der aktuelle Tabellenzweite die Juve-Dominanz vielleicht schon im kommenden Jahr beendet.

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