Supertalente-Produktion mit Herz aus Rennes - Bayern-Flirt Jeremy Jacquet dabei

Aus dem Westen Frankreichs raus in die Welt. Kaum ein Klub in Europa bildet junge Spieler so gut aus wie Stade Rennes.

Jeremy Jacquet (M) ist das nächste Supertalent aus der Talentschmiede von Stade Rennes.
Image: Jeremy Jacquet (M) ist das nächste Supertalent aus der Talentschmiede von Stade Rennes.  © Imago

Gegenüber skysport.de verraten Ex-Nachwuchsdirektor Patrick Rampillon, der ehemalige Klubprofi Patrick Guillou und Ex-Bayern-Profi Valerien Ismael das Geheimnis der Bretonen.

Wie am Fließband werden Jahr für Jahr hochtalentierte Spieler von Stade Rennes an Topklubs aus Europa transferiert. Ousmane Dembele (2016/17 zu Borussia Dortmund), Eduardo Camavinga (2021/22 zu Real Madrid), Mathys Tel (2022/23 zum FC Bayern München), Jeremy Doku (2023/24 zu Manchester City), Desire Doue (2024/25 zu Paris Saint-Germain) - und jetzt ist der auch von den Bayern umworbene Jeremy Jacquet auf dem Sprung. Das Abwehr-Juwel wird für eine Gesamtsumme von 70 Millionen Euro im kommenden Sommer zum FC Liverpool wechseln.

Die Supertalente-Produktion in Rennes läuft und läuft und läuft...

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Rennes zum dritten Mal in Folge ausgezeichnet

Kein Wunder, dass der Klub aus dem Westen Frankreichs im Juni 2025 zum dritten Mal in Folge zur besten Jugendakademie des Landes ausgezeichnet wurde. "PSG und Olympique Lyon haben top Nachwuchsleistungszentren, aber Rennes ist noch besser", sagt Ex-Bayern-Profi Valerien Ismael exklusiv gegenüber skysport.de.

Für den ehemaligen Nachwuchsdirektor von Rennes, Patrick Rampillon, ist das permanente Feilen am perfekten Scouting ein Schlüssel zum Erfolg. "Je besser das Auge für Talente, desto größer die Chance, junge im Verein ausgebildete Spieler in der ersten Mannschaft spielen zu lassen. Für mich waren 70, 80 Prozent meiner Arbeit auf die Qualität des Scoutings ausgerichtet", verrät Rampillon, der 27 Jahre lang Leiter des Nachwuchsleistungszentrums war.

Sport & Schule sind wichtig

Es ist die Perspektive in Rennes, die seit jeher junge Akteure anlockt, um im Maschinenraum der Rot-Schwarzen die nötigen Teile für eine erfolgreiche Karriere verpasst zu bekommen. "Sie sehen, dass sie eine echte Chance haben, in der Ligue 1 zu spielen und das als Sprungbrett für einen großen Verein in Europa nutzen können", meint Ismael. Der Klub leiste hervorragende Arbeit darin, die Talente im Alter von 13, 14 Jahren ausfindig zu machen und weiterzuentwickeln.

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Rennes setzt junge Spieler bereits im Alter von 16, 17 Jahren regelmäßig in Frankreichs Eliteliga ein. "Das macht sie attraktiv, weil sie jung sind und doch schon viel Erfahrung haben", erläutert Ismael.

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Der ehemalige Rennes-Profi und heutige TV-Experte Patrick Guillou weiß aber auch: "Man bildet den Spieler gleichzeitig zu einem guten Bürger aus. Da gehört eben auch die Schule dazu." Das Soziale und das Akademische stellen eine ebenso wichtige Säule im Gesamtkonzept des Klubs dar wie das Sportliche. Supertalente-Produktion mit Herz.

Talente ausbilden und teuer verkaufen

Die Frühreife der Toptalente gepaart mit den sportlichen Erfahrungen sorgen jährlich für viele Interessenten an den jungen Hochleistungsmaschinen. Hohe Transfererlöse für einzelne Talente sind mittlerweile Usus. Für Dembele kassierte Rennes 35 Millionen Euro, für Camavinga 31 Millionen Euro, für Tel 20 Millionen Euro, für Doue 50 Millionen Euro. Und nun wird aller Voraussicht nach der 20-jährige Jacquet einen 70-Millionen-Regen bescheren.

"Das ist ein Geschäft, das sehr gut funktioniert - nicht nur mit jungen französischen Spielern, sondern auch mit internationalen Spielern wie Raphinha aus Brasilien (2020 für rund 18,6 Millionen Euro zu Leeds United - aktuell beim FC Barcelona, Anm.Red.) oder Doku aus Belgien (2023 für rund 60 Millionen Euro zu Manchester City, Anm.Red.)", sagt Ismael.

Vernünftiger milliardenschwerer Besitzer

Dabei wäre eine derart strikt verfolgte Transferstrategie nicht zwingend notwendig. Der französische Milliardär Francois-Henri Pinault, dem unter anderem die Luxusmodemarke Gucci gehört, ist der Besitzer des Klubs. Doch genauso wie sein Vater, der den Klub 1998 gekauft hatte, konzentriert er sich gemeinsam mit den Vereinsverantwortlichen darauf, keine übertrieben hohen Ablösesummen auszugeben und so stets ein solides Fundament vorzufinden. Nachhaltigkeit vor riskantem kurzfristigen Erfolg - auch wenn am Ende der Saison oftmals Top-Talente den Klub verlassen.

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Für Ex-Nachwuchsdirektor Rampillon waren solche Transfers nie einfach. "Es tut mir immer im Herzen weh, wenn wir talentierte Spieler verlieren", sagt der 69-Jährige: "Aber wenn sie gehen, gibt es Gründe. Da muss man die Entscheidung respektieren." Auch im kommenden Sommer wird es - neben Jacquet - wohl einige Abgänge geben.

Jugendakademie schon immer top?

Ohne Frage ist das Nachwuchsleistungszentrum ein essenzieller Bestandteil der Vereinsphilosophie. War das schon immer so oder war der Transfer-Flop Lucas Severino in 2000 der Stein, der alles ins Rollen brachte? Der Stürmer kam für stolze 150 Millionen Francs (rund 23 Millionen Euro), erzielte aber in 72 Spielen lediglich sechs Tore.

"Es war immer aktuell", meint Rampillon: "Es gab immer junge Leute, die in der ersten Mannschaft gespielt haben - wie Sylvain Wiltord oder Pierre-Yves Andre."

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Die Regelmäßigkeit aber, mit der Rennes beinahe jährlich Supertalente hervorbringt, entwickelte sich aus Sicht von Ismael erst Ende der 2000er-Jahre, "als der Klub voll auf dieses Konzept gesetzt hat." Für den Ex-Rennes-Profi Guillou ist indes völlig klar: "Es ist einfach ein Teil der DNA des Klubs. Wenn ein Spieler gut ist, dann steckt man ihn in die erste Mannschaft. Das hat am Ende nichts mit dem Alter zu tun."

Und so läuft die Supertalente-Produktion unaufhörlich weiter. Und das Fließband in Rennes wird wohl auch in naher und mittelfristiger Zukunft nicht stillstehen.

Mehr zum Autor Luca Sixtus

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