Bundesliga: Friedhelm Funkel: über Schalke, Köln, Mainz
Funkel: Schalke, Köln und Mainz kämpfen ums Überleben in der Liga
13.11.2020 | 18:33 Uhr
In Teil zwei seines großen Bundesliga-Zwischenfazits analysiert Friedhelm Funkel die Situation in der unteren Tabellenhälfte. Die Trainer-Legende schätzt die Lage im Kampf um den Klassenerhalt bei Schalke 04, in Köln und Mainz ein und sagt Arminia Bielefeld eine schwierige Saison voraus.
Sky Sport: Herr Funkel, Sie haben bei einigen aktuellen Bundesligaklubs als Trainer gearbeitet, u.a. in Köln und in Frankfurt. Die Eintracht hat vor zwei Jahren in der Europa League für Furore gesorgt, jetzt ist es ein bisschen ruhiger geworden. Hätten Sie die Mannschaft von Trainer Adi Hütter vielleicht etwas weiter oben in der Tabelle erwartet?
Friedhelm Funkel: Man darf nicht vergessen, dass die Eintracht damals ihre drei besten Stürmer Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic verloren hat. Die Frankfurter machen aus ihren Möglichkeiten das Beste. Im Moment suchen sie noch ein bisschen nach Konstanz. Ich glaube, sie werden am Ende zwischen Platz sechs und Platz zehn landen.
Sky Sport: Hoffenheim wurde nach dem 4:1 gegen Bayern gefeiert, aber die Mannschaft von Sebastian Hoeneß hat seitdem kein Spiel mehr gewonnen und steht mit sieben Punkten auf Platz 13. Wie schätzen Sie die Entwicklung bei der TSG und Hoeneß' Arbeit ein?
Funkel: Das Beispiel zeigt was passieren kann, wenn die Euphorie in der Öffentlichkeit zu groß ist. Sie haben in Köln gewonnen, das muss auch ihr Anspruch sein. Bayern haben sie erwischt, wie man Bayern erwischen muss. Sebastian Hoeneß macht auf mich einen sehr seriösen und sehr guten Eindruck. Er muss auch seine Erfahrungen machen und lernen, mit Niederlagen umzugehen. In der Europa League hat Hoffenheim gute Ergebnisse erzielt, in der Bundesliga sehe ich sie am Ende zwischen Platz acht und Platz zwölf.
Sky Sport: Sky Experte Lothar Matthäus hat einigen Schalker Spielern die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Es sind auch schon andere, sehr harte Urteile gefällt worden über die Mannschaft der Königsblauen und ihre Negativ-Serie. Wie sehen Sie die Situation auf Schalke?
Funkel: Wenn man die Namen durchgeht, haben einige in der Bundesliga schon bewiesen, dass sie dort nicht nur mithalten können, sondern auch schon Akzente gesetzt haben. Aber als Mannschaft treten sie seit einigen Wochen und Monaten wie ein Absteiger auf. Das zu ändern, wird nicht einfach sein. Sie haben einen ehemaligen Spieler wie Naldo geholt, der im Team für bessere Stimmung sorgen soll, aber überhaupt keine Trainerausbildung hat. Daran sieht man, wie die Situation ist. Wenn man so lange nicht gewonnen hat, dann ist es nicht so einfach, alles und alle wieder unter einen Hut zu bringen. Das wird eine Mammutaufgabe für Manuel Baum. Schalke gehört zu den Vereinen, die um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Das wird ihr einziges Ziel sein. Alles andere wäre in der jetzigen Situation fatal und falsch. Zu ihrem Glück stehen andere Vereine auch nicht viel besser da.
Sky Sport: Wir beurteilen Sie die Chancen von Köln und Mainz, die auch beide einen Fehlstart hingelegt haben?
Funkel: Köln hat saisonübergreifend auch schon seit 17 Spielen nicht mehr gewonnen, sie haben Uth und Cordoba verloren, die beide mit ihren Toren in der vergangenen Saison für den Klassenerhalt gesorgt haben. Sie haben sich dann sehr schwer dabei getan, ihren Kader wieder neu zusammenzustellen. Weil sie kein Geld hatten, mussten sie auf die Verkäufe warten, um dann Spieler zu holen.
Das erste Spiel nach der Länderspielpause gegen Union Berlin wird richtungweisend sein. Wenn sie das nicht gewinnen, wird die Unruhe größer. Ich finde es gut, wie Horst Heldt immer noch Zuversicht ausstrahlt und den Zusammenhalt betont. Nur so geht es. Das hat man in der letzten Saison bei Werder gesehen, auch wenn die Bremer viel Glück hatten. Wenn man jetzt den Trainer wechseln würde, dann würde es noch schwerer werden. Auch für Köln wird es eine Saison, in der man um das Überleben in der Bundesliga kämpfen wird.
Sky Sport: Mainz hat den Trainer gewechselt und steht dennoch mit nur einem Punkt am Tabellenende. Wir beurteilen Sie das, was dort geschehen ist?
Funkel: Dass eine Mannschaft streikt, habe ich noch nie erlebt. Ich glaube nicht, dass Achim Beierlorzer da der Alleinschuldige war. Ich kenne Achim ja auch. Er ist niemand, der alle gegen sich aufbringt. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube, da gibt es noch andere Gründe. Auf jeden Fall hat das Ganze der Mannschaft und dem Verein brutal geschadet. Man hat immer noch kein Spiel gewonnen und nächste Woche hat man ein Auswärtsspiel in Freiburg, das wird auch nicht so einfach. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie auf einmal fünf Spiele in Folge gewinnen. Mainz wird bis zum Schluss gegen den Abstieg kämpfen.
Sky Sport: Was halten Sie von Beierlorzers Nachfolger Jan-Moritz Lichte?
Funkel: Er macht einen ganz guten Eindruck auf mich. Vor der Kamera, was er so von sich gibt. Aber was er jetzt eben auch braucht, sind nicht nur gute Spiele, sondern Punkte und Siege. Sonst wirst du absteigen. Fortuna Düsseldorf ist in der letzten Saison immer für gute Spiele, Laufleistung etc. gelobt worden, aber dafür kannst du dir nichts kaufen.
Sky Sport: Für Köln, Schalke und Mainz ist trotz ihrer katastrophalen Serien der Abstand auf Platz 15 noch nicht groß. Bielefeld hat auch nur vier Punkte und zuletzt fünf Mal in Folge verloren. Wie sehen Sie die Chancen der Arminia auf den Klassenerhalt?
Funkel: Bielefeld hat es ganz, ganz schwer, das habe ich vor der Saison schon gesagt. Sie haben in Uwe Neuhaus einen tollen Trainer, der es endlich als Chefcoach in die Bundesliga geschafft hat. Sie haben eine gute Mannschaft für die zweite Liga, da waren sie überragend. Aber jetzt sieht man, wie groß der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist.
Das Interview führte Thorsten Mesch
Hier geht es zu Teil eins des Bundesliga-Zwischenfazits mit Friedhelm Funkel.