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Bundesliga: Jan Aage Fjörtoft über Erling Braut Haaland & Borussia Dortmund

Fjörtoft: "Haaland ist zum richtigen Verein gekommen"

Thomas Goldmann

17.01.2020 | 13:47 Uhr

Jan Aage Fjörtoft schwärmt im Interview mit skysport.de über Erling Haaland.
Image: Jan Aage Fjörtoft schwärmt im Interview mit skysport.de über Erling Haaland. © Imago

Jan Aage Fjörtoft war einst selbst in der Bundesliga als Spieler aktiv. Im Interview mit skysport.de spricht der Norweger über seinen Landsmann Erling Braut Haaland, den BVB und den Titelkampf.

skysport.de: Herr Fjörtoft, wie haben Sie die ersten beiden Auftritte von Erling Braut Haaland in der norwegischen Nationalmannschaft erlebt? Konnte er überzeugen, obwohl er ohne Tore blieb?

Fjörtoft: Natürlich ist er nicht zufrieden, wenn er keine Tore schießt. Wir haben in der Nationalmannschaft und auch in der Champions League gesehen, dass er die internationale Klasse hat. Das Spiel gegen die Färöer-Inseln wäre super für ihn gewesen, um sein erstes Tor in der Nationalmannschaft zu feiern. Leider war er da verletzt. Norwegen spielt in den Play-offs zur Europameisterschaft gegen Serbien. Wir hoffen, dass Haaland dort eine große Rolle spielen wird.

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Borussia Dortmund: Favre und Zorc sprechen über Haaland (Videolänge: 19 Sekunden).

skysport.de: Wie schätzen Sie Haaland als Typen ein? Kann er den Wirbel, der um ihn gemacht wird, gut verkraften?

Fjörtoft: Am meisten beeindruckt mich bei Haaland seine Einstellung zum Sport. Er möchte sich immer verbessern. Er hat mit seiner Familie ein gutes Team um sich. Sein Vater war früher selbst Profi bei Manchester City und Leeds United. Er kann seine Rolle als Gesprächspartner und Beschützer von Erling sehr gut ausfüllen. Sie haben für Erling immer das ausgewählt, was gut für ihn ist. Das war so, als er in Salzburg unterschrieben hat, weil das gut für seine Entwicklung war. Und jetzt hat man sich bei all diesen großartigen Angeboten für Dortmund entschieden. Das zeigt, dass sein Umfeld in Ordnung ist. Wir wissen aber alle, dass für Neuverpflichtungen, junge Spieler und vor allem für Stürmer andere Gesetze gelten. Diese Gesetze kann man als Mensch nicht so beeinflussen. Denn es wird ein wahnsinniges Medieninteresse an ihm geben. Da werden dann die Minuten gezählt, wenn er mal nicht trifft. Aber das gehört zu unserem Beruf, zum Leben eines Sportlers dazu. Darauf ist er zu 100 Prozent vorbereitet - so gut man vorbereitet sein kann. Es gibt natürlich Dinge, die du nicht beeinflussen kannst. Du musst die Herausforderung annehmen und hoffen, dass du gut spielst.

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Alfie Haaland, der Vater von BVB-Neuzugang Erling, war als Profi unter anderem für Manchester City aktiv. Der Norweger hat im Fußballgeschäft einiges erlebt und unterstützt seinen Sohn auch als Berater.

skysport.de: Dortmund ist doch da nochmal eine ganz andere Bühne als Salzburg...

Fjörtoft: Es ist eine andere Bühne, aber er hat in der Champions League geliefert - wo die Erwartungen auch groß waren. Er hat angefangen mit einem Dreierpack, dann spielt er gegen Liverpool, kommt rein und schießt ein Tor, gegen Neapel hat er auch getroffen. Also mit dem Wirbel kann er sicher umgehen. Aber wir wissen alle, wie das ist. Darum ist es ja so wichtig, nach Dortmund zu gehen. Es kann ja sein, dass Journalisten und Fans nicht so viel Geduld haben. Aber die Dortmunder haben bewiesen, dass sie sich damit auskennen, junge Spieler zu entwickeln. Ich glaube, das war auch das Hauptargument für den Wechsel zum BVB.

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skysport.de: Wo liegen die größten Stärken von Haaland? Wo kann der BVB am meisten von ihm profitieren?

Fjörtoft: Er kann sich sehr gut in Position bringen. Wenn die Mittelfeldspieler den Ball haben, macht er Räume auf, in die er stoßen kann. Zuerst kreiert er diese Räume durch seine Bewegungen und dann attackiert er dort, wenn der Ball dorthin gespielt wird. Das ist eine wahnsinnige Stärke. Natürlich ist er ein Goalgetter und wahnsinnig stark. Er sprintet wie ein Leichtathlet. Und er hat diese Schnelligkeit, diese Stärke, diese muskuläre Schnelligkeit. Das werden hoffentlich alle in Deutschland sofort sehen.

skysport.de: Borussia Dortmund hatte in der Hinrunde einige Probleme. Glauben Sie, dass Haaland wesentlichen Einfluss auf den Meisterschaftskampf nehmen kann?

Fjörtoft: Ich glaube, mit Haaland haben sie noch ein weiteres Instrument. Solch einen Spielertypen hatten sie bislang noch nicht. Wir hoffen alle, dass diese Rückrunde spannend wird und dann können solche Kleinigkeiten einen Unterschied machen. Der BVB muss sich finden. Es waren ein paar Spiele dabei, die sensationell waren und viele, die überraschend waren. Auch bei den Spielern gibt es verschiedene Höhen und Tiefen im Spiel. Sie müssen gucken, dass sie die Konstanz bekommen. Das wird der Schlüssel sein. Konkurrenten wie Bayern werden sicher eine bessere Rückrunde spielen und dann darf man sich das nicht erlauben.

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Bundesliga: BVB-Fans sprechen über Neuzugang Haaland (Videolänge: 55 Sekunden).

skysport.de: Mit Marco Reus, Jadon Sancho, Thorgan Hazard oder Julian Brandt verfügt der BVB bereits über eine schlagkräftige Offensive. Denken Sie, dass die Offensive des BVB mit Haaland gar die Beste der Bundesliga werden könnte?

Fjörtoft: Vom Papier her ist es natürlich ein Traum, als Stürmer mit solchen Hochkarätern zu spielen. Es sind alle Voraussetzungen erfüllt, um viele Tore zu erzielen. Aber wir wissen, dass es um die Balance in der Mannschaft geht. Wenn man hinten unsicher ist, überträgt sich das nach vorne und umgekehrt auch. Man muss gucken, dass man da die richtige Balance findet. Wenn man daran denkt, wie spannend diese Rückrunde werden könnte, könnten solche Dinge wie Assists und Tore entscheidend werden.

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skysport.de: Haaland hat nach Sky Infos eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag. War das der richtige Weg, um ihn zum BVB zu lotsen?

Fjörtoft: Sie haben den Spieler ja auch durch eine Ausstiegsklausel bekommen. Dann ist es sinnvoll, dies fortzuführen. Das gehört zum Fußball dazu. Wir kennen die Details nicht, wie das alles ausgehandelt wird. Schlussendlich ist Haaland in den richtigen Verein gekommen. Das ist für ihn das Wichtigste.

skysport.de: Können Sie sich vorstellen, dass Haaland langfristig größere Ziele als den BVB hat und wo würden Sie ihn da sehen?

Fjörtoft: Dazu muss man zunächst mal definieren, was größere Ziele sind. Bei Dortmund kommen mehr als 80.000 Zuschauer. Sie haben eine tolle Stimmung. Sie sind in der Bundesliga und in der Champions League dabei und haben eine der spannendsten Mannschaften in Europa. Da muss man sich erstmal fragen, was größere Ziele sein sollen. Zum Beispiel Manchester United. Ja, gut, sie spielen in der Europa League. Ich glaube mit dem Hintergrund, mit seiner Geschichte wird er sicher noch einmal in England spielen. Das ist ja ganz klar. Sein Vater hat dort gespielt, er ist dort geboren. Norwegen hat ein sehr enges Verhältnis zum englischen Fußball. Aber das Gute bei ihm ist, dass er immer die kleineren Schritte macht. Das war schon so, als er in Salzburg unterschrieben hat und dann ein super Angebot von Juventus hatte und es ablehnte. Und jetzt ist Dortmund für ihn eine super Bühne. Er hat die richtige Wahl getroffen. Er hat nicht nein zu Manchester United gesagt, sondern ja zu Borussia Dortmund. Das ist ein großer Unterschied. Ich bin ein großer Fan der Bundesliga und der Premier League. Aber vielleicht ist die Intensität und die Öffentlichkeit noch intensiver in England und bei Manchester United.

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Dortmunds Leiter der Lizenzspielerabteilung, Sebastian Kehl, bremst die Erwartungshaltung bei Neuzugang Erling Haaland. (Videolänge: 00:23)

skysport.de: Wer ist ihr Favorit auf die deutsche Meisterschaft und wer hat die besten Chancen auf die Champions League?

Fjörtoft: Ich bin ein sehr schlechter Zocker. Bayern hat den Abstand verkürzt. Sie werden langsam besser. Das hat irgendwie mit dieser Selbstverständlichkeit zu tun, Spiele zu gewinnen, Meisterschaften zu gewinnen. Diese Selbstverständlichkeit gehört dazu. Dieses Gefühl bei Bayern: Wenn man 1:1 auswärts spielt, ist das eine Mini-Krise. Bei allen anderen Vereinen wäre das vielleicht ein leichter Dämpfer. Wir sprechen immer über einen Generationswechsel bei Bayern. Aber sie haben ja schon drei oder vier der besten jungen Spieler in Deutschland. Ich bin sehr gespannt auf Leipzig mit so vielen guten Offensivspielern, genau wie Dortmund. Gladbach ist ein Dark Horse. Sie sind das Leicester des deutschen Fußballs momentan - obwohl sie eine fantastische Geschichte haben. Sie haben gute Spieler, gute Spieler auf der Bank, die mithalten können, einen super Trainer, einen super Manager. So spannend war es lange nicht. Wenn man wie ich ein riesiger Fan des deutschen Fußballs ist, dann freut man sich.

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