BVB: Die Gründe für das Tief in der Bundesliga
Borussia Dortmund mit zweitem Remis in Folge
30.09.2019 | 20:55 Uhr
Der BVB steht nach dem 6. Bundesliga-Samstag auf Rang sieben - und ist damit so schlecht wie nie zuvor unter Coach Lucien Favre platziert. Sky Sport beleuchtet die Gründe für das Schwächeln der Schwarz-Gelben.
Nur fünf Punkte aus den vergangenen vier Bundesliga-Partien: Der BVB steckt in einem Ergebnis-Tief und droht bereits früh in der Saison den Anschluss an die Spitze zu verlieren.
Mit aktuell drei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayern München steht Dortmund nur auf Rang sieben und damit am Tiefpunkt unter Favre. Doch warum läuft es für den BVB nach einem guten Saisonstart zuletzt so schleppend? Sky Sport geht auf Spurensuche und identifiziert die "Krisen"-Faktoren:
BVB in der Defensive extrem anfällig
Ein Blick auf die Tabelle oder die Ergebnisse des BVB genügt, um eines der Haupt-Mankos in dieser Saison zu erkennen: die defensive Anfälligkeit. Mit neun Gegentoren nach nur sechs Saisonspielen weist die Borussia in dieser Statistik den schlechtesten Wert aller Teams in der oberen Tabellenhälfte auf.
Mehr Gegentore zum gleichen Saisonzeitpunkt hatte die Borussia zuletzt in der Saison 2014/15 kassiert (11) - in der letzten Spielzeit von Jürgen Klopp als BVB-Trainer, die letztendlich nach dem zwischenzeitlich letzten Platz nach der Hinrunde noch glimpflich auf Rang sieben endete.
In den Folgejahren - in denen jeweils die Champions League erreicht wurde - zeigten sich die Schwarz-Gelben besonders in der Anfangsphase einer Saison defensiv gefestigt. 2017/18 kassierte der BVB in den ersten sechs Spielen beispielsweise nur einen einzigen Gegentreffer. In diese Richtung muss sich Dortmund wieder hin entwickeln, um auch in diesem Jahr im Meisterschaftsrennen ein Wörtchen mitzureden.
BVB kann Standardschwäche nicht abstellen
Bei der defensiven Instabilität macht sich besonders ein Faktor bemerkbar - die schwarz-gelbe Standardschwäche. Auch beim jüngsten 2:2 gegen den SV Werder Bremen kassierte der BVB den Ausgleichstreffer nach einem Eckball.
"Bei Standards, da müssen wir das konsequenter machen, offensiv wie defensiv. Das gelingt uns im Moment nicht", sieht BVB-Keeper Roman Bürki eine gravierende Schwachstelle.
Diese offenbart sich bereits im gesamten Kalenderjahr 2019. Mit 16 Gegentreffern nach ruhendem Ball weist die Borussia damit den zweitschwächsten Wert aller Bundesligisten auf. Nur der 1. FSV Mainz (18) liegt in dieser negativen Statistik vor dem Revierklub.
Bei noch genauerer Betrachtung der Statistik ist zudem zu erkennen, dass Dortmund in dieser Saison nach nur sechs Spielen bereits vier Gegentreffer nach Ecken kassiert hat - zusammen mit Bremen die meisten aller Bundesligateams.
Favre vermisst die Balance
Die defensive Anfälligkeit und die vielen Gegentore sind aber nicht nur in der Standardschwäche begründet. Auch die fehlende Balance im Dortmunder Spiel ist ein Faktor für die Gegentor-Flut der Borussia.
"Manchmal müssen wir die Balance finden und mehr den Ball halten. Ich hätte gern noch mehr Ballbesitz. Wir müssen verteidigen und fertig", kritisierte Favre nach dem Bremen-Spiel. "Wir haben zu viele Tore kassiert. Wir können nicht immer drei Tore machen, um das Spiel zu gewinnen. Wir müssen auch mal mit 1:0 gewinnen."
Auch Sky Reporter Jesco von Eichmann sieht in der fehlenden Balance einen Hauptfaktor für die Ergebnis-Misere. "Die Dortmunder müssen die Balance finden. Das ist ein generelles Problem beim BVB. Thomas Delaney hatte zuletzt unter anderem gegen Barcelona und Leverkusen für diese gesorgt, saß gegen Bremen aber nur auf der Bank. In dieser Thematik muss Favre auf jeden Fall ran."
Wo sind der Killerinstinkt und die Konsequenz geblieben?
Der fehlenden Balance zum Trotz hatte der BVB gegen Werder dennoch auch in der Schlussphase die Möglichkeit, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch der eingewechselte Paco Alcacer setzte den Ball nach Vorarbeit von Julian Brandt wuchtig über die Latte.
Diese Szene verdeutlicht, was dem BVB - trotz bereits 17 erzielter Tore - in der Offensive derzeit fehlt: Killerinstinkt und Konsequenz. "Wir spielen einen super Fußball, aber der Killerinstinkt vorne fehlt. Das hätte uns vielleicht den Sieg gebracht", erklärt Bürki am Sky Mikrofon.
Auch Kapitän Marco Reus schlägt in die gleiche Kerbe. "Wir haben es heute nicht zu Ende gebracht. Wir müssen konsequenter auf das dritte Tor gehen, dann haben wir schneller Ruhe. Normalerweise kennt man es von uns, dass wir dann nochmal aufdrehen, wenn es auf die Südtribüne geht. Wir haben aber zu wenige wirklich zwingende Torchancen kreiert. Das war insgesamt in der zweiten Halbzeit zu wenig. Das müssen wir uns auf jeden Fall ankreiden lassen."
Goldenes Händchen? Favres Quote sinkt gravierend
In der vergangenen erfolgreichen Saison hätte der BVB ein solches Spiel wie am Samstag gegen Bremen wohl noch mit 3:2 gewonnen - dank eines Jokertores. Denn Favre zeigte in der Vizemeister-Saison ein wahrlich goldenes Händchen bei seinen Einwechslungen.
Insgesamt verzeichnete der BVB 2017/18 in der Bundesliga 17 Jokertore und zwölf Assists von eingewechselten Spielern. Allein an den ersten sechs Spieltagen der vergangenen Saison wechselte Favre zehn Torbeteiligungen ein (fünf Treffer, fünf Assists).
In dieser Saison schafft es der Schweizer bislang aber nicht, durch Einwechslungen zählbar ins Spiel einzugreifen. Nur am ersten Spieltag gegen Augsburg (Tor durch Julian Brandt) und am zweiten Spieltag gegen Köln (Tor von Achraf Hakimi) schossen sich zwei Joker auf die Anzeigetafel. Zudem gab der eingewechselte Jacob Bruun Larsen beim 4:0-Sieg gegen Leverkusen eine Vorarbeit.
BVB mit Luft nach oben - Prag wartet
Die Kluft zur Statistik der vergangenen Spielzeit ist somit gravierend, wodurch es auch bei diesem Aspekt deutliches Steigerungspotential gibt.
Es wartet also viel Arbeit auf den BVB, allerdings bleibt wenig Zeit bis zum nächsten Spiel. Bereits am Mittwoch steht die zweite Champions-League-Partie gegen Slavia Prag an (18:55 Uhr LIVE und EXKLUSIV auf Sky Sport HD und via Sky Ticket).
Raum für weitere Fehler gibt es in der Königsklasse nicht. Denn wenn der BVB die Gruppenphase überstehen will, ist ein Sieg bei den Tschechen Pflicht.