BVB News: Dortmund auch ohne Haaland langsam erfolgreich
Dank neuer Tugenden: BVB auch ohne Haaland Bayern-Jäger
31.10.2021 | 22:46 Uhr
Obwohl der 2:0-Sieg der Dortmunder gegen den 1. FC Köln durchaus schmeichelhaft ist, beweist er dem BVB dennoch: Es geht auch ohne Erling Haaland. Neben drei Punkten kann die Rose-Elf viel Positives aus dem Erfolg mitnehmen. Und darf weiter von der Schale träumen.
Dem BVB stehen schwere Wochen ins Haus. Mit Haaland fehlt der Borussia der absolute Top-Star und Torgarant der Mannschaft. Und das definitiv noch einige Zeit, wie Sportdirektor Michael Zorc vor der Partie gegen Köln noch einmal am Sky Mikro unterstrich: "Das wird noch einige Wochen dauern. Um einen genauen Zeitpunkt zu benennen, ist es noch zu früh. Wir hoffen, dass er noch dieses Jahr wieder spielen kann."
Hazard glänzt als Haaland-Ersatz
Bis der Norweger wieder einsatzbereit ist, gilt es das Fehlen des 20-Jährigen im Kollektiv aufzufangen. Ein erster Profi hat sich während der Verletzungspause des Stürmers für die Rolle an vorderster Front empfohlen. Schon im DFB-Pokal gegen den FC Ingolstadt glänzte Joker Thorgan Hazard mit dem entscheidenden Doppelpack zum 2:0-Sieg. Am Samstag bestätigte der Belgier seinen Torriecher.
Mit der ersten wirklich klaren Chance traf der Offensivmann in der 40. Minute zum 1:0, das zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich in der Luft lag. Köln drückte und erarbeitete sich einige Möglichkeiten, doch Hazard war zur Stelle. "In der Situation macht er es sehr gut", lobte auch BVB-Coach Marco Rose seinen Angreifer.
Nicht aber, ohne den Treffer richtig einzuordnen: "In der ersten Halbzeit sind nicht alle Dinge bei ihm aufgegangen. Toto kommt aus einer Verletzung. Er hat mir gerade gesagt, dass er nach den ersten zwei Sprints schon echt Luft holen musste. Von daher ist es keine einfache Situation."
Starke Kölner zwingen den BVB zu neuen Tugenden
Ähnlich lief es im zweiten Durchgang. Zur wohl besten Spielphase der Geißböcke, in denen vor allem der gut aufgelegte Anthony Modeste seinen Meister in BVB-Keeper Gregor Kobel fand, stachen die Dortmunder zu. Nach einer Brandt-Ecke sprang Steffen Tigges höher alle anderen und köpfte sich zu seinem ersten Bundesliga-Treffer. "Für mich als großer Stürmer, da muss ich dann einfach da sein. Ich glaube, die nächsten ein, zwei Tage werde ich noch lachen", freute sich Tigges nach der Partie.
Am Ende gewann der BVB die Partie mit 2:0, obwohl die Kölner ein Torschussverhältnis von 21:8(!) auf den Rasen zimmerten. Ein schwarz-gelber Sieg der Effizienz, wie auch der Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung Sebastian Kehl auf die Frage nach dem Unterschied erklärte: "Ein Stück weit mehr Effektivität. Die Kölner haben ein gutes Spiel gemacht, wir hatten in der ersten Halbzeit auch so unsere Probleme. Am Ende waren wir sehr effektiv, auch wenn man vielleicht das ein oder andere Tor mehr machen kann. Aber wir sind heute sehr zufrieden."
Hamann: "Gutes Zeichen, wenn du trotzdem die Spiele gewinnst"
Eine Tugend, die sich die Dortmunder in dieser Saison neu angeeignet haben. Lange galt es als großes Problem der Borussia, Siege bei spielerisch glanzvollen Auftritten mit nach Hause zu nehmen. Hurra-Fußball par excellence ohne Ertrag. Nun scheint die Welt umgedreht.
Für Sky Experte Didi Hamann ein Schlüssel zum Erfolg. "Das war immer etwas, das man ihnen vorgehalten hat: die engen Spiele, die Kampfspiele, nicht für sich zu entscheiden. Richtig geglänzt oder gut gespielt haben sie die ganze Saison eigentlich noch nicht. Aber es ist ein gutes Zeichen, wenn du trotzdem die Spiele gewinnst", lobte der Ex-Profi.
Eine Formel, die dem BVB derzeit ein warmes Polster auf die Nicht-Champions-League-Plätze verschafft, aber gleichzeitig keine Dauerlösung sein kann. "Auf Dauer müssen sie langsam auch anfangen, wieder besser Fußball zu spielen. Da ist noch Luft nach oben", erklärt Hamann. Gnadenlose Effizienz auch ohne Haaland und Punktesammeln in knappen Spielen: Der BVB ist auch ohne Haaland auf einem guten Weg unter Neu-Trainer Rose.
Weiße Weste: Der BVB kann tatsächlich zu Null spielen
Ein weiterer Mutmacher mit Blick auf die kommenden Wochen ist die erste Weiße Weste für Dortmunds neuen Keeper Kobel in der Bundesliga. Auch wenn dem starken Schweizer bislang kaum etwas vorzuwerfen ist, so musste er doch in den neun Liga-Partien zuvor stets hinter sich greifen. Die Abwehr - die auch gegen Köln ins Wanken kam - fiel erstmals nicht.
Für Rose ein Meilenstein. Wenngleich er auch weiß, dass die Partie einen anderen Verlauf hätte nehmen können. "Ein ganz schwieriges Spiel, mit einem bärenstarken Gegner, das wir gewonnen und tatsächlich zu Null gespielt haben", freute sich der Trainer, ehe es in die Knallhart-Analyse ging: "Mir hat heute die Kontrolle gefehlt. Wir waren die Mannschaft, die umgeschaltet hat und Köln die, die das Spiel gemacht hat. Wir haben zwar leidenschaftlich gespielt und sind mehr gelaufen als der Gegner. Aber alles, was mit Ball passiert ist, da war Köln heute schon sehr, sehr gut."
Volles Haus als schwarz-gelbes Sahnehäubchen
Und was hat dann den Unterschied gemacht? "Es war wichtig für uns heute, die Leute zu haben. In schwierigen Phasen haben die Fans sehr gut reagiert und uns gepusht", meinte Rose nach der Partie lächelnd. 66.709 Zuschauer fanden am Samstag den Weg in den Dortmunder Signal Iduna Park. Seit der Corona-Pandemie ist das Rekord in Deutschland.
Die Stimmung sorgte scheinbar nicht nur für Gänsehaut, sondern auch den ein oder anderen Sprint und konsequente Grätsche mehr. Selbst Köln-Kapitän Jonas Hector, der insgesamt mit dem Ergebnis haderte, kam am Sky Mikro bei der Kulisse ins Schwärmen: "Dafür spielen wir Fußball, deswegen machen wir das Ganze. Das man eine solche Stimmung erleben darf. Es ist einfach schön, dass die Zuschauer zurück sind, gerade in so einer Vielzahl."
Auch Kehl freute sich über die Stimmung und fasste den Tag kurz und knapp mit einem Lachen zusammen. "Schön, dass es wieder laut ist! Eine großartige Stimmung, 2:0 gewonnen und mal kein Gegentor kassiert. Wir können sicherlich noch besser spielen, aber die Leute sind zufrieden", resümierte der BVB-Funktionär.
BVB beweist Titel-Anspruch! Saison wird spannend
Effizenz in höchster Vollendung, ein Sieg ohne Gegentor, titelreife Stimmung - und das alles ohne Haaland. Der BVB bleibt Bayern-Jäger Nummer eins und wirkt reifer als in den vergangenen Jahren. Finden die Dortmunder ihren Spielwitz zurück und leben die neuen Tugenden um Konstanz und Effektivität weiter aus, bleibt der Kampf um die Schale weiter spannend.
Für den BVB gilt es nun den Rückenwind mit in das CL-Heimspiel am kommenden Mittwoch zu nehmen und das 0:4-Debakel aus dem Hinspiel gegen Ajax Amsterdam offiziell zum Ausrutscher zu machen.
Ausrutscher, die selbst Titel-Abonnenten wie dem Bayern dieser Tage passieren können.
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