Cruyff-Absage und Jordan-Vergleich: Die Fehde von Pep und Mourinho
Guardiola trifft auf Mourinho: Zurück zur Normalität
24.07.2020 | 10:25 Uhr
Es gibt im Spitzenfußball kein anderes Trainer-Duo, dass eine so spezielle Beziehung zueinander hat wie Jose Mourinho und Pep Guardiola. Die Geschichte der beiden gleicht einer Achterbahnfahrt: Gegenseitige Bewunderung, eine leidenschaftliche Rivalität und schließlich großer Respekt.
Als sie sich kennenlernen, verstehen sich José Mourinho und Josep "Pep" Guardiola prächtig. Guardiola spielt damals beim FC Barcelona, ist ein Weltklasse-Mittelfeldstratege. Mourinho arbeitet als Übersetzer und irgendwie auch als Co-Trainer unter Chef-Coach Bobby Robson. Beide sehen und verstehen Fußball ähnlich. Noch heute halten beispielsweise beide Trainer nichts von reinen Konditionseinheiten, jede Übung wird mit dem Ball absolviert.
Im Jahr 2008 kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung. Mittlerweile sind beide Akteure als Trainer aktiv, Mourinho hat mit Chelsea in drei Jahren sechs Titel gewonnen und war zuvor mit dem FC Porto Champions-League-Sieger geworden. Pep Guardiola steht bei der zweiten Mannschaft der Katalanen an der Seitenline.
Johan Cruyff sagt Mourinho ab
Als der Job des Barca-Trainers vakant wird, wittert Mourinho seine Chance, zu dem Klub zurückzukehren, den er "für immer in seinem Herzen" tragen will, wie er bei seinem Abschied aus Katalonien 2000 verkündet hatte. Der Großteil des Barca-Präsidiums ist angetan, doch der Vereinsheilige Johan Cruyff senkt den Daumen. Stattdessen wird Pep Guardiola Cheftrainer und gewinnt in seiner Premierensaison das Triple.
Was das Gewinnen von Trophäen angeht, spielen beide Trainer ohnehin in ihrer eigenen Liga. Beide gewannen acht nationale Meisterschaften und zwei Mal den Henkelpott. Insgesamt steht Jose Mourinho bei 25 Titeln, Pep ist knapp besser, errang 28 Trophäen in seiner Trainerlaufbahn.
"Ich schenke ihm eine eigene Trophäe dafür"
In den folgenden Jahren gönnen sich die beiden nichts mehr. Mourinho wirft 2010 mit Inter Barcelona aus der Champions League und gewinnt ebenso das Triple. Als der Portugiese im Anschluss Trainer bei Real Madrid wird, erreicht die Rivalität der beiden ihren Höhepunkt. Der sonst so zurückhaltende Guardiola explodiert auf einer Pressekonferenz vor dem Champions League-Halbfinale 2011 gegen Real.
Angesprochen auf die ständigen Sticheleien Mourinhos wettert er: "Außerhalb des Platzes hat er schon gewonnen, er hat das ganze Jahr gewonnen. Er hat das ganze Jahr gewonnen und in der Zukunft auch schon. Ich schenke ihm seine eigene Trophäe dafür. Ich hoffe, er nimmt sie mit nach Hause und hat daran so viel Spaß wie an den anderen."
Innerhalb von gerade einmal anderthalb Jahren stehen sich Mourinhos Real und Peps Barca elf Mal gegenüber. Von den 22 Spielen, die die beiden insgesamt gegeneinander bestreiten, gewinnt Guardiola zehn Partien. Sieben Mal steht am Ende ein Remis, nur fünf Siege kann Mourinho erringen. In der Premier League siegt "The Special One" sogar nur in einem Match, am 33. Spieltag der Saison 2017/18, als City bereits Meister ist.
"Nie Jose und Josep"
Als sie das nächste Mal aufeinander treffen, im kalten Norden Englands, kühlt die Rivalität zusehends ab. Zu unterschiedlich sind die Vorzeichen. Während für Guardiola ab Amtsantritt 2016 quasi ein kompletter Klub umgebaut wird, arbeitet sich Mourinho anderthalb Jahre durch eine große Sinnkrise beim Lokalrivalen Manchester United.
Guardiola wird zwei Mal Meister mit den Citizens, Mourinho gewinnt 2016/17 die Europa League mit den Reds, wird darüber hinaus Ligapokalsieger. Es sind die letzten Titel für United bis heute.
Vor dem 23. Aufeinandertreffen am Sonntag (Live auf Sky Sport 1 HD ab 17:00 Uhr) sagt Pep über Mourinho, dass er riesigen Respekt davor habe, was dieser für den Fußball getan hat.
Mourinho äußert sich ähnlich wohlwollend. "Ich erinnere mich mehr an die drei Jahre, in denen wir jeden Tag auf der selben Seite gekämpft haben, [...] als an die Rivalität danach. Es war immer Barcelona und Real, Inter und Barcelona, City und United oder jetzt Tottenham und City. [...] Nie Jose und Josep. Wir wollen gewinnen, wir brauchen Punkte."