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Das Projekt Hertha BSC: Die Pläne von Preetz, Windhorst und Klinsmann

109 Millionen für neue Stars: Das Projekt Hertha BSC

Daniel Becker

01.02.2020 | 17:32 Uhr

Klinsmann (v.) ist das neue Gesicht der Hertha - Manager Preetz (h.) leitet im Hintergrund die Geschicke des "BIg City Clubs".
Image: Klinsmann (v.) ist das neue Gesicht der Hertha - Manager Preetz (h.) leitet im Hintergrund die Geschicke des "BIg City Clubs". © Imago

Von organischem Wachstum sprach Hertha-Sportchef Michael Preetz bei "Wontorra on Tour" am vergangenen Montag. Nach den Transferausgaben zuletzt stellt sich die Frage, wie organisch der Wachstum von Hertha BSC aktuell tatsächlich verläuft. Sky Sport wirft einen Blick auf die vorgegebenen Ziele und die Transfer-Aktivitäten des Hauptstadt-Klubs.

Innerhalb von zwei Wechselperioden toppte die Alte Dame ihre Transfer-Rekorde dreimal - im Sommer kam Dodi Lukebakio für 20 Millionen Euro vom FC Watford, im Winter verpflichteten die Berliner erst Lucas Tousart für 25 Millionen Euro und schließlich noch einen großen Namen mit Krzysztof Piatek vom AC Mailand. Letzterer kostete 27 Millionen Euro - exklusive Bonuszahlungen.

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In Transfer Update - die Show nimmt Sky Reporter Max Bielefeld die Stärken von Hertha-Neuzugang Krzysztof Piatek unter die Lupe (Video-Länge: 2:29 Minuten).

Transfer-Ausgaben übersteigen 100-Millionen-Marke

Da fallen die Transfers von Santiago Ascacibar (elf Millionen Euro), Matheus Cunha (18 Millionen Euro) und Eduard Löwen (sieben Millionen Euro) fast gar nicht mehr auf - aber auch die ersten zwei Genannten hätten vor dem vergangen Sommer noch Rekord-Ausgaben bedeutet.

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Unter dem Strich kamen innerhalb der letzten sechs Monate die fünf teuersten Spieler der Vereinshistorie. Die Ausgaben in dieser Zeit: 109 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Transfereinnahmen von rund 22 Millionen Euro aus dem Verkauf von Valentino Lazaro, der zu Inter Mailand ging.

Tennor-Geldhahn ist erst einmal geöffnet

Die Großinvestitionen wurden durch den Verkauf von 49,9 Prozent der Hertha-Anteile an die Tennor-Holding, eine Investment-Gruppe unter der Leitung von Lars Windhorst, möglich gemacht. Es flossen rund 225 Millionen Euro auf das Berliner Konto. Weitere Investitionen seien nicht ausgeschlossen.

"Wir haben uns dafür keine Beschränkungen auferlegt. Bei Bedarf werden wir auch darüber nachdenken, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, um unsere Ziele zu erreichen", sagte Windhorst der Bild am Sonntag.

Klinsmann definiert klare Ziele

Doch was verbirgt sich hinter "unsere Zielen"? In erster Linie wollen die Berliner langfristig und nachhaltig um die europäischen Plätze mitspielen. Das machte auch Trainer Jürgen Klinsmann in einem Facebook-Chat mit Hertha Fans klar: "In dieser Saison geht es nur darum, die Klasse zu halten. Im darauffolgenden Jahr müssen wir aber Richtung Europa angreifen. In drei bis fünf Jahren wollen wir um Titel mitspielen und eine Dauerpräsenz im Europacup haben."

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Logisch, dass sich der Trainer, in diesem Fall Interims-Trainer, zuerst einmal um die sportlichen Ziele kümmert - besonders im Gespräch mit den Fans. Doch was verspricht sich der Geldgeber von seinem Engagement? Die Antwort ist simpel: Einen finanziellen Mehrwert für die Investment-Gruppe.

Windhorst kam als Geschäftsmann, nicht als Fan

Das machte der Kapitalgeber gegenüber der BamS klar: "Das ist keine verrückte Idee von mir, sondern es steht eine bestechende wirtschaftliche Logik dahinter, die sich auf Dauer erheblich auszahlen wird. Selbst wenn es nicht nur 225 Millionen, sondern viele hundert Millionen Euro kosten würde, hätten wir am Ende trotz des erheblichen Mehreinsatzes einen Wert geschaffen, der im Milliardenbereich liegt."

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Sätze, die einer Fan-Gemeinschaft, die gegen die Investoren-Klubs aus Hoffenheim und Leipzig demonstrierte, vermutlich nicht gefallen werden. Doch Manager Preetz beschwichtigte gegenüber Sky: "Das ist nicht verwerflich, das kann man ihm nicht vorwerfen. Natürlich ist er Geschäftsmann und will mit seinen Investitionen Geld verdienen."

Mahnende Beispiele in Liga zwei und drei

Doch was passiert, wenn die Hertha die Ziele, in drei bis fünf Jahren in der Champions League und um Titel mitzuspielen verpasst? Der Hamburger SV mit Klaus-Michael Kühne und der TSV 1860 München mit Hasan Ismaik sind mahnende Beispiele. Beide Klubs stiegen ab, nachdem Investoren ihren Geldbeutel öffneten, um sportlichen Erfolg zu ermöglichen.

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Jörg Wontorra hat Herthas Geschäftsführer Sport Michael Preetz zu Gast bei ''Wontorra on Tour'' (Videolänge: 46:27 Min.).

Preetz: "Hertha bleibt Entscheidungsträger"

Um dies zu verhindern will Hertha laut Preetz "peu a peu" wachsen und nichts erzwingen. Er bemängelte bei den anderen Klubs den großen Einfluss der Geldgeber auf das operative Geschäft. Die Hertha würde eine "andere Konstruktion" haben. Das ist sicherlich nicht falsch. Kühne versuchte immer wieder über die Öffentlichkeit, Einfluss zu nehmen und Ismaiks Einfluss auf das Tagesgeschäft der Löwen ist unbestritten.

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Preetz bestätigt zwar, dass es "Wahnsinn wäre", Windhorsts Expertise nicht einzubinden, aber die Hertha sei am Ende des Tages nach wie vor der Entscheidungsträger. Das sei alleine schon durch die "50+1-Regel" der DFL gewährleistet.

"50+1" bleibt Thema

Windhorst allerdings ist kein Fan der Regel, die es Investoren verbietet, mehr als 49,9 Prozent der Anteile eines Klubs zu halten. Das führte er im Gespräch mit der BamS weiter aus: "In keinem Land in Europa gibt es eine solche Regel. Allein aus diesem Grund ist sie schon nicht zeitgemäß." Das verleitet zu der Annahme, dass der Investor durchaus gerne mehr Einfluss hätte. Obwohl er einschränkte, dass das Investment nicht mit der Hoffnung auf einen Wegfall der heiß diskutierten Regel gemacht wurde.

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Schillernde Persönlichkeiten

Es bleibt festzuhalten, dass die Investition mit der Hoffnung auf finanziellen, sowie sportlichen Erfolg getätigt wurde. Im Unterhaltungs-Geschäft Fußball bedingt der sportliche, den monetären Erfolg. Besonders bei Hertha BSC, das sich seit Jahren mit dem Ruf der "grauen Maus" auseinandersetzen muss.

Und deshalb kann der Klub nicht alleine durch ein ausverkauftes Stadion oder Merchandise-Verkäufe große Einnahmen generieren. Die Marke Hertha BSC muss wachsen. Um die Aufmerksamkeit auf das Projekt zu lenken, wurde Klinsmann, auf Wunsch von Windhorst, in den Verein geholt. Zunächst als Aufsichtsratsmitglied, aktuell als Interims-Trainer.

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Klinsmann sorgt für Schlagzeilen

Wobei der ehemalige Nationalspieler eher als Trainer-Chef, statt Chef-Trainer zu sehen ist. Klinsmann sind zwei Fußballlehrer unterstellt. Zum einen der Ex-Werder-Coach Alexander Nouri, zum anderen Markus Feldhoff. Klinsmann sei nicht zuletzt auch als eine schillernde Galionsfigur, die der Hertha Schlagzeilen und Aufmerksamkeit generieren soll, installiert worden.

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Es gab schon erste Zweifel am neuen Hertha-Weg unter Jürgen Klinsmann nach der 0:4-Klatsche gegen die Bayern zum Rückrundenauftakt. Doch nun zeigte Hertha eine Reaktion und drehte das Spiel in Wolfsburg.

Das unterstrich Preetz bei Sky: "Wir brauchen eine Person an der Seitenlinie, die eine überragende Strahlkraft hat, eine große Persönlichkeit hat. Weil wir glauben, dass die Stadt Berlin erobert werden kann."

Mediale Aufmerksamkeit, sportlicher Erfolg

Die "graue Maus" ist durch Klinsmann, Windhorst und dem Angriff auf dem Transfermarkt durchaus in den täglichen Diskussionen um die geliebte Bundesliga angekommen. Dort wollen die Berliner auch bleiben. Im besten Fall nicht durch Schlagzeilen wie sie der HSV oder 1860 schrieben, sondern durch sportlichen Erfolg. Dieser soll durch einen verstärkten Kader gewährleistet werden. Preetz wolle vor allem mit "jungen, hungrigen und talentierten Spielern" arbeiten.

Gute Jugendarbeit, kaum Durchlässigkeit

Durch die Transfer-Offensive ist der erste Schritt gemacht. Das neue Hertha-Team liest sich durchaus vielversprechend. Die Neuzugänge sind allesamt jung und zweifelsohne talentiert. Doch um das Image aufzupolieren, benötigt die Hertha auch wirkliche Identifikationsfiguren - echte Berliner Jungs. Die sind im Kader der Alten Dame kaum zu finden. Und das obwohl Preetz die Hertha-Jugendarbeit als eine der Besten Deutschlands sieht.

Eine Ausnahme ist hierbei Arne Meier, der allerdings in der Winterpause offensiv um einen Wechsel bat, nachdem ihm Ascacibar und ab Sommer Tousart vor die Nase gesetzt wurden. Maximilian Mittelstädt und Jordan Torunarigha wurden zwar auch in der Hertha-Jugend ausgebildet, gehören aber nur zum weiteren Kreis der ersten Elf.

Organisches Wachstum? Nur bedingt

Schnellen die Transferausgaben innerhalb eines halben Jahres derart in die Höhe, werden langfristige Ziele so offensiv propagiert, fällt es einem schwer zu glauben, dass die Hertha langsam in eine neue Rolle, weit weg von der "grauen Maus", wachsen will.

Doch der Weg dorthin ist mit mahnenden Beispielen aus Hamburg und München gepflastert. In diese Vereine wurde in großem Maße investiert, aber ebenso deutlich wurden die gesteckten Ziele verpasst. Das weiß auch das Berliner Triumvirat um Klinsmann, Preetz und Windhorst.

In Berlin soll das nun anders sein - ob dies am Ende aber tatsächlich durch "organischem Wachstum" geschehen wird, muss abgewartet werden...

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