Deniz Undav exklusiv über neuen Deal mit dem VfB, die WM und das Pokalfinale
Die Bundesliga-Saison ist vorbei und Deniz Undav hat sich mit dem VfB Stuttgart für die Champions League qualifiziert.
19.05.2026 | 19:09 Uhr
Trotz des erreichten Ziels hat der Angreifer noch viel vor. Sowohl mit den Schwaben im Pokalfinale gegen die Bayern als auch mit dem DFB-Team bei der Weltmeisterschaft.
Im exklusiven Interview mit Sky Sport spricht Undav zudem unter anderem über Bayern-Star Harry Kane, einen möglichen Sieges-Döner, seine Vertragsverhandlungen mit dem VfB und den Stand der Nationalmannschaft.
Deniz Undav über ...
... die Bedeutung des anstehenden DFB-Pokalfinals:
"Das Event an sich. Du fliegst da zwei Tage vorher hin, kriegst die Stimmung ein bisschen mit außerhalb vom Hotel. Berlin ist voll mit Stuttgart-Fans, mit Bayern-Fans. Die Choreos während des Aufwärmens waren letztes Jahr schon brutal, ich kann mir vorstellen, dass es dieses Jahr wahrscheinlich sogar noch besser wird. Und dann einfach nur Vorfreude, wir haben letztes Jahr den Pokal gewonnen. Wir wollen natürlich am besten wieder den Pokal gewinnen, aber wir haben es diesmal mit einem anderen Gegner zu tun. Wir versuchen das Spiel zu genießen. Wir haben nichts zu verlieren, wir sind der komplette Underdog und schauen, ob wir der Rolle gerecht werden und dann wirklich befreiter aufspielen als sonst."
... die Qualitäten von Stürmer-Kontrahent Harry Kane:
"Ich glaube spielerisch, Bälle spielen und Vorlagen geben, das kann ich auch sehr gut. Aber er hat vor dem Tor eine Ruhe. Seine Kaltschnäuzigkeit. Was mir aufgefallen ist, dass er gefühlt bei jedem Torschuss eine Sekunde kurz in sich geht, kurz atmet und dann erst schießt. Und diese Ruhe vor dem Tor zu haben ist für den Stürmer sehr wichtig, weil dann kommen die Schüsse platzierter. Und wenn du das jeden Tag trainierst, dann wirst du eiskalt und wenn ich das bisschen hätte, dann glaube, ich hätte ich mehr Tore oder könnte mehr Tore schießen."
... einen klaren Favoriten im Finale:
"Es gibt den klaren Favoriten, das ist der FC Bayern. Das braucht man ja auch nicht künstlich anders sehen, aber es kann in einem Spiel alles passieren. Wir bereiten uns gut vor, wir wissen, wie gut Bayern ist. Wir wissen, wir können sie stören, wir können sie nerven. Wir müssen jetzt versuchen, das einmal in dieser Saison über 90 Minuten zu schaffen und konstant gegenzuhalten. Dann kann alles passieren, natürlich haben sie so eine Qualität, sie können uns dann trotzdem schlagen. Wir werden alles reinschmeißen, denn wir wollen gewinnen und in so einem Spiel kann es auch sein, dass es auf kleine Fehler ankommt und wir müssen halt weniger Fehler machen als Bayern."
... über einen möglichen Sieges-Döner:
"In Berlin sowieso. Falls wir gewinnen sollten, wird jeder einen Döner essen. Ich glaube, da kommst du nicht drum herum. Ich schaue ein paar YouTube-Videos vorher über die Top-5-Döner in Berlin und gucke, was mir da gefällt."
... seine Entwicklung in dieser Saison:
"Dieses Jahr hatte ich wieder eine Vorbereitung, die hatte ich letztes Jahr nicht. Ich hatte zwar auch wieder eine Verletzung, eine unglückliche Knieverletzung. Für mich war es wichtig, eine Reaktion zu zeigen vom letzten Jahr, weil ich letztes Jahr irgendwo gesehen habe, dass ich als Enttäuschung gehandelt worden bin und das hat mich gestört in der Vorbereitung, bei jedem Lauf habe ich darüber nachgedacht. Es kann alles sein, aber es kann nicht sein, dass ich eine Enttäuschung der Saison bin. Und das war so eine Motivation, die ich über die ganze Saison hatte. Das hat mich getriggert. Natürlich auch die WM, die jetzt ansteht."
... den Einfluss von Sebastian Hoeneß:
"Er hat mir auf jeden Fall erstmal die Freiheit gegeben, ich selbst zu sein. Es ist nicht oft passiert, dass mir das ein Trainer gegeben hat, aber er hat mir die Freiheit gegeben, redet viel mit mir, wir tauschen uns oft aus, er versucht mir Tipps zu geben. Manchmal, wenn er merkt, dass ich im Spiel oft mit einem Kontakt weiterspielen möchte, versucht er mir die Anweisung zu geben, dass ich es mal mit zwei Kontakten versuchen soll. Es sind so kleine Sachen. Taktisch bin ich gut ausgebildet. Das hat er auch gesehen. Selbst wenn es mal nicht läuft, nicht in sich kehren, sondern versuchen, als Vorbild ranzugehen, als Leader ranzugehen. Die Momente, in denen es dann gut läuft, zu genießen und wenn es dann schlecht läuft, einfach mehr oder weiterzumachen. Nur durch harte Arbeit kannst du da rauskommen und solche Tipps gibt er mir. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis."
... mögliche Verbesserungen der Mannschaft:
"Wenn die Bayern in unserer Situation wäre, hätten die Frankfurt 4:0, 5:0 weggehauen. Wir führen 2:0, wir wissen, dass die anderen zurückliegen, dass wir eigentlich schon durch sind. Und wir lassen uns dann gehen. Der letzte Drang fehlt. Und das sind Situationen, die mich immer wieder stören, in denen ich sage: 'Ey, lass doch weitermachen, es ist doch egal, wir führen 2:0.' Es gibt doch nichts Besseres als 2:0 zu führen, du hast dich schon gefühlt für die Champions League qualifiziert. Aber einfach mal kaltschnäuziger zu werden, erwachsener zu werden in solchen Situationen auf das Dritte, Vierte gehen, weil Frankfurt hat nicht die Gegenwehr gezeigt. Frankfurt hat sich ja gefühlt auch aufgegeben und wollte nicht. Und das sind so Situationen. Du kommst dann wieder unnötig in Probleme, in Druck-Situationen. Wir müssen einfach daraus lernen, denn es kann nicht sein, dass wir jedes Jahr die gleichen Fehler machen. Und eine Top-Mannschaft hätte da 4:0 oder 5:0 gewonnen."
... seine mögliche Zukunft in Stuttgart und seinen 2027 auslaufenden Vertrag:
"Ich habe eine Deadline für mich gesetzt und wenn die das vor der WM machen, ich bin noch bis nächste Woche Dienstag hier, dann wird es knapp. Es spricht nichts dagegen, ich habe es oft geäußert, dass ich gerne hier spiele. Ich bin gerne hier. Ich fühle mich wie ein Stuttgarter, auch wenn ich es nicht bin. Wir sind nicht so weit auseinander, sondern vielleicht sind es nur Kleinigkeiten."
... die letzten zwölf Monate und eine mögliche WM-Teilnahme:
"Falls ich bei der WM dabei sein sollte, glaube ich, dieses Jahr hätte es nicht besser laufen können. Letztes Jahr Pokalsieger geworden, Champions-League-Teilnehme geschafft und bei der WM dabei zu sein, wäre ein überragendes Gefühl. Ich hätte als Kind sowieso nicht daran gedacht und selbst in der letzten Saison war ich vom Gedanken her sehr weit weg davon, dass ich überhaupt über die WM nachgedacht habe. Ich habe mir nur gedacht, dass ich in der neuen Saison versuche, vielleicht eine Option zu sein, mal im Gespräch sein kann. Dass ich so eine Saison gespielt habe, hätte ich jetzt auch nicht gedacht. Der Dennis vor drei, vier Jahren hätte mich für dumm verkauft. Wenn ich dabei sein sollte, bin ich überglücklich. Dann wird es wieder spannend für die nächste Saison, weil es wieder keine Vorbereitungen gibt. Aber es gibt nichts Schöneres, als für sein Land spielen zu können. Das war immer mein Ziel. Ich habe mich bei der EM schon übertrieben gefreut, obwohl es nur sieben Minuten waren."
... den Stand der deutschen Nationalmannschaft:
"Mir wird es immer zu negativ gesehen, wo Deutschland steht. Ich glaube nicht, dass es viele Nationen gibt, die individuell viel besser sind oder zumindest auf gleichem Niveau sind. Du hast einen Kai Havertz, Jamal Musiala, Flo Wirtz. Wenn die einen guten Tag haben, dann sieht es schwer aus für den Gegner und in einem Do-or-Die-Spiel, einem K.o.-Spiel, kann alles passieren und wir haben die Qualität, wir haben brutale Einzelspieler, wir haben ein Top-Team und ich glaube, dass wir auf jeden Fall mithalten können. Ich glaube, wir werden schlechter geredet als wir sind. Wenn die Jungs zur Nationalmannschaft kommen, haben sie eine andere Rolle als beim Verein. Eine bessere Rolle. Du kommst auf jeden Fall schon entspannter rüber. Wirtz z.B. ist bei Liverpool ein Spieler. Bei uns ist er der Spieler. Das sind so Sachen, wenn du zur Nationalmannschaft kommst, bist du gefühlt befreit. Du hast das Vertrauen vom Bundestrainer und den Spielern. Du kommst mit einem anderen Gefühl an. Und dann durch die Tage, durch die Wochen, die wir da sind, durch Gespräche, durch die Nächte, in denen wir viel lachen werden, glaube ich, wird das alles entspannter. Bei deinem Verein gehst du morgens hin und haust um 13, 14 Uhr wieder ab und dann bist du den ganzen Tag alleine. Bei der Nationalmannschaft bist du ja wirklich 24-7 mit den anderen Spielern zusammen."
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