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Der FC Augsburg und Stefan Reuter müssen sich hinterfragen

Der FC Augsburg muss seine Wagenburg öffnen

Der FC Augsburg und Stefan Reuter müssen sich trotz erneutem Klassenerhalt hinterfragen.
Image: Der FC Augsburg und Stefan Reuter müssen sich trotz erneutem Klassenerhalt hinterfragen.  © Imago

Der FC Augsburg hat Beachtliches vorzuweisen: Seit zwölf Jahren hält er die oberste deutsche Klasse. Und das in einer Stadt, die traditionell vielleicht sogar mehr dem Puck zugetan ist, als dem Ball. Doch trotzdem wird intern wie extern die Entwicklung des FCA hinterfragt. Eine Analyse.

Seit dem größten Vereinserfolg - der Qualifikation für den Europapokal 2015 - gelang es nicht mehr, eine Bundesligasaison oberhalb von Platz 12 abzuschließen. Finanziell ist der Klub aufgrund der langen Phase der Etablierung in der Bundesliga angekommen, hat Vorteile gegenüber Vereinen, die vielleicht auf eine größere Fanbasis zurückgreifen können, aber zwischenzeitlich den Weg in die 2. Bundesliga antreten mussten.

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Reuter muss sich der Trainer-Kritik stellen

So ist es einerseits verständlich, dass die Augsburger Funktionäre um Stefan Reuter sich mehr erwarten, als jedes Jahr bis spät ins Frühjahr hinein auf den Klassenerhalt zu hoffen. Andererseits sind dafür richtige Personalentscheidungen in der Überzahl notwendig. Allein auf der Trainerposition ist es Geschäftsführer Reuter in den vergangenen Jahren nicht gelungen, solche zu treffen. Martin Schmidt, Heiko Herrlich, Markus Weinzierl - die letzten drei Übungsleiter blieben nur ein Jahr. Zu wenig Zeit für eine gemeinsame Entwicklung in Richtung einstelliger Tabellenplatz. Dieser Kritik muss sich Reuter stellen.

Und Ähnliches gilt natürlich auch für die Transferpolitik. Der Kader in dieser Saison, sagt der Sportgeschäftsführer selbst, sei besser als das Ergebnis. Weinzierl sieht das anders - und geht. Und er geht erneut in Unfrieden. 2016 konnte man ihm mit Blick auf die Kommunikation seines Schalke-Wechsels vielleicht noch Vorwürfe machen. In diesem Jahr ist der Knall noch lauter, doch erscheint der 47-Jährige eher als Opfer denn als Täter.

Die Vertagung der Vertragsgespräche auf die Zeit nach dem Saisonfinale zeigte deutlich, dass das Vertrauen in den Trainer nicht mehr vorhanden war. Die Trennung seitens des Vereins galt daher mittlerweile als beschlossen. Weinzierl ist dem nun zuvorgekommen. Mit dem Rücktritt des Präsidenten Klaus Hofmann hätte dem gebürtigen Straubinger in Zukunft außerdem der größte Fürsprecher im Verein gefehlt. Die Rückkehr Weinzierls hatte Hofmann initiiert. Aber auch das Verhältnis zwischen Hofmann und Reuter, vor allem aber auch zu dessen Geschäftsführer-Kollegen Michael Ströll gilt als belastet.

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Sky Reporter Christian Akber-Sade ordnet die Geschehnisse um den FC Augsburg, Stefan Reuter und den scheidenden Coach FC Augsburg ein.

Der FC Augsburg muss seine Wagenburg öffnen

Wer sich fragt, woher all die Risse in der scheinbar heilen Augsburger Bundesligawelt ergeben, der findet die Antwort im Machtkonstrukt des Vereins. Die Geschäftsführer Ströll und Reuter gelten als unzertrennliches Duo, das versucht, vor allem die eigene Position zu festigen. Eine Art Wagenburg entsteht. Rückendeckung erhält das Duo dem Vernehmen nach weiter vom Aufsichtsrat der KGaA. In der Vergangenheit führte das eben zu internen Verwerfungen.

Auch Spieler waren davon betroffen, wurden ihnen doch zum Teil Steine in den Weg gelegt, was objektiv verständliche Wechselambitionen anging. Medial spielt der FC Augsburg ebenfalls über Jahre eher eine Abschottungstaktik. Interviews und Stories außerhalb des Vereinsgeländes wurden nur in den seltensten Fällen ermöglicht. Und so bleibt ein recht graues Image, das den Tabellenplatzierungen der letzten Jahre entspricht und viel mit der internen Vereinspolitik zu tun hat.

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Und trotzdem hat der Verein, hat Stefan Reuter nicht alles falsch gemacht. An einem Standort wie Augsburg über so viele Jahre in der deutschen Eliteklasse zu verweilen, ist bemerkenswert. Es scheint aber, als sei es auch für den Sportgeschäftsführer an der Zeit, mehr Selbstreflexion an den Tag zu legen und die Wagenburg selbst zu öffnen. Nur so kann der FCA den nächsten Schritt gehen, den sich Reuter selbst so offen wünscht.

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