"Der Stolz kommt später": Tapfere Eintracht schwer enttäuscht

Sensation nur knapp verpasst

Im Konfettiregen trauern die Eintracht-Spieler um eine verpasste Chance.
Image: Im Konfettiregen trauern die Eintracht-Spieler um eine verpasste Chance.  © Getty

Eintracht Frankfurt reiste nach dem verlorenen DFB-Pokal-Finale erhobenen Hauptes aus Berlin ab. Doch die Zukunft der Mannschaft ist ungewiss.

Als die niedergeschlagenen Profis von Eintracht Frankfurt um 0.19 Uhr im Ritz-Carlton ankamen, begann statt der rauschenden Pokal-Party ein trauriger Marathon aus Schulterklopfern und netten Worten.

"Natürlich sind wir enttäuscht und traurig", sagte Kapitän Alexander Meier, dem erst wieder ein Lächeln übers Gesicht huschte, als ihm ein kleiner Autogramm-Jäger im Berliner Edel-Hotel strahlend einen Stift hinhielt.

Seine Karriere bleibt ungekrönt: Alexander Meier verpasst auch im zweiten Anlauf den Pokalsieg.
Image: Seine Karriere bleibt ungekrönt: Alexander Meier verpasst auch im zweiten Anlauf den Pokalsieg.  © Getty

Über eine Stunde lang hatte die Eintracht beim 1:2 (1:1) im Finale gegen Borussia Dortmund eine Hand am DFB-Pokal. Doch ein Foulelfmeter von BVB-Stürmerstar Pierre-Emerick Aubameyang (67.) riss die Fans der Hessen, die Berlin am Samstag auf den Kopf gestellt hatten, aus allen Träumen. Das Warten auf den ersten Titel seit 29 langen Jahren geht weiter.

"Das wird zwei, drei Tage dauern, ehe wir realisieren, dass wir auch stolz sein können. Wir haben ein super Spiel gemacht", sagte Meier. Bei Trainer Niko Kovac überwog sogar schon nach dem Abpfiff das Gefühl, "eine außerordentliche Saison" gespielt zu haben.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Kovac ist stolz auf sein Team

90 Minuten großer Kampf

Die schlechteste Rückrundenmannschaft der Bundesliga hatte sich vor 74.322 Zuschauern, darunter mehr als 20.000 bis zum Umfallen feiernde Frankfurter, teuer verkauft. "Wir haben dem BVB über 90 Minuten alles abverlangt", sagte Kovac, der sein Team im schwarzen Anzug bis zur letzten Sekunde angepeitscht hatte: "Sie mussten sich strecken bis zur Decke."

Gereicht hat es nicht. Vor Aubameyangs "berechtigtem Elfmeter" (Kovac) traf Ousmane Dembélé (8.). Ante Rebic (26.) gelang nur der zwischenzeitliche Ausgleich. "Mit etwas mehr Glück hätten wir in Führung gehen können", sagte Kovac: "Wir werden trotzdem erhobenen Hauptes nach Hause fahren."

Mehr dazu

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Russ:

Wie tief der Frust dennoch saß, zeigte ein Interview von Sportvorstand Fredi Bobic, der DFB-Präsident Reinhard Grindel dafür kritisierte, sich am Vorabend vermeintlich auf die BVB-Seite geschlagen zu haben. "Er ist ein junger Präsident, er kann noch lernen. Uns hat das nicht gefallen", sagte Bobic. Laut Deutschem Fußball-Bund (DFB) hatte Grindel der Eintracht den Titel im fast gleichem Atemzug aber genauso gegönnt.

Auf den Sportvorstand und Kovac wartet in den kommenden Wochen viel Arbeit. "Es wird einige Spieler geben, die gehen wollen. Aber wir lassen nicht jeden ziehen", sagte Kovac.

Hradecky wird zum tragischen Held

Dazu gehört wohl Torwart Lukas Hradecky, der den Klub mit seinen Glanztaten überhaupt erst ins Endspiel gebracht hatte - dann aber im Finale mit einem Foul an Christian Pulisic den entscheidenden Strafstoß verursachte.

"Kleinigkeiten entscheiden am Ende große Spiele. Ich kann dem Lukas überhaupt keinen Vorwurf machen", sagte Kovac: "Der Fehler beginnt viel früher. Wenn ein Torwart rauskommt, ist es klar, dass der Stürmer den Körperkontakt sucht - und den hat er dann ja auch bekommen. Am Ende war es ein Foul."

Hradecky, dessen Vertrag bis 2018 läuft, fährt nun "erst einmal in den Urlaub". Auch die Zukunft des von Real Madrid ausgeliehenen Abwehrspielers Jesus Vallejo ist noch nicht geklärt. Der Schweizer Nationalspieler Haris Seferovic wechselt zu Benfica Lissabon. Welche Rolle Meier in den kommenden Monaten noch spielen wird, ist offen. (sid)