DFB-Team News: Holpriger Start für ''Messias'' Flick
Arbeitssieg statt DFB-Gala unter Flick: So schnell geht es (doch) nicht
04.09.2021 | 10:48 Uhr
Ernüchterung in Fußball-Deutschland! Nach zuletzt drei durchwachsenen Jahren unter Ex-Bundestrainer Joachim Löw war die Hoffnung groß, dass Hansi Flick beim DFB ähnlich schnell den Schalter umlegen kann, wie er es beim FC Bayern eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Doch der Arbeitssieg gegen Liechtenstein hat gezeigt: Noch ist nicht alles Gold, was glänzt.
Ein zäher Aufgalopp in eine neue Ära. So könnte man das Debüt von Bundestrainer Hansi Flick gut zusammenfassen. Die DFB-Elf hat das WM-Quali-Spiel gegen den Underdog aus Liechtenstein (2:0) zwar erwartungsgemäß gewonnen, doch die Art und Weise erinnert noch zu sehr an die jüngsten Spiele unter Joachim Löw.
Zum Durchklicken: Die DFB-Noten zum Flick-Debüt
Denn die erhoffte Aufbruchstimmung, die Flick vor einigen Wochen auf seiner Vorstellungs-PK heraufbeschworen hatte, war nur ansatzweise zu erkennen. Die deutsche Nationalmannschaft ließ Spielfreude und Spielwitz größtenteils vermissen, genauso wie Ideen im Offensivspiel, um eine tiefstehende Nation zu knacken.
Großchancen gegen die Nummer 189 der FIFA-Weltrangliste waren Mangelware. Das erste kleine Fazit fällt also eher ernüchternd aus. Selbst der große ''Messias'' Flick, wie er von vielen gesehen wird, braucht Zeit - und wohl mehr Zeit, als er in München benötigt hat.
Beim deutschen Rekordmeister hat er innerhalb weniger Tage die Weichen umgestellt - und wie! Als Flick Anfang November 2019, genauer gesagt nach dem 5:1-Debakel der Bayern in Frankfurt, das Ruder an der Säbener Straße übernommen hatte, war sofort ein anderer Geist in der Mannschaft zu spüren.
Köhler: ''Messias kann nicht über Wasser laufen''
Auf das Debakel bei der SGE folgte prompt eine 4:0-Gala gegen Borussia Dortmund. Flick gilt als ''Menschenfänger'', der das Fingerspitzengefühl hat, mit sensiblen Spielern umzugehen und in deren Köpfe zu gelangen. Den Faktor Psyche hatten sich auch der DFB und alle Fans erhofft.
In dieselbe Kerbe schlägt Sky Reporter Uli Köhler, allerdings nimmt unser DFB-Experte Flick auch etwas in Schutz. ''Ich war echt geplättet. Ich habe gedacht: Jetzt geht es los! Man muss einfach sagen, dass die Erwartungen so wahnsinnig hoch waren, und der Messias kann nicht über Wasser laufen'', verdeutlichte der DFB-Experte im Talk auf Sky Sport News und ergänzte außerdem noch: "So schnell geht es doch nicht, das muss das Fazit sein. Jeder hat gedacht: Endlich ist der Jogi weg und jetzt wird der Schalter umgelegt.''
Die große Erwartungshaltung ist der springende Punkt. Denn auch wenn die vergangenen drei Jahre sehr durchwachsen waren und man bis auf Platz 16 der Weltrangliste durchgereicht wurde, ist immer noch der allgegenwärtige Anspruch präsent, um Titel mitzuspielen.
Wichtige Spieler haben gefehlt
Doch die Realität sieht augenscheinlich immer noch etwas anders aus, auch wenn die große Fußball-Nation Deutschland rein vom Papier her nach wie vor starke Einzelspieler hat. ''Die Klasse der deutschen Mannschaft ist nicht so weit, wie viele es haben wollen'', ergänzte Köhler in diesem Kontext.
Zu Flicks Verteidigung darf natürlich auch nicht unerwähnt bleiben, dass der 56-Jährige erst wenige Einheiten mit seiner neuen Mannschaft absolvieren konnte und der eine oder andere Stammspieler, wie Thomas Müller, Manuel Neuer oder Mats Hummels, verletzungsbedingt fehlte.
Flick selbst wollte nach dem mühsamen Erfolg über Liechtenstein das Positive hervorheben. ''Wir haben jetzt gewonnen und das war ein Auftakt. Jeder Anfang ist nicht ganz einfach, aber wir gehen den Weg weiter'', betonte der neue Bundestrainer im Gespräch mit RTL.
''Triple Header'' wird weitere Erkenntnisse liefern
Und weiter: ''Wir haben am Sonntag ein ganz wichtiges Spiel gegen Armenien und da werden wir versuchen, die Dinge, die wir heute vielleicht nicht so gut gemacht haben, anders zu machen." Auch Aushilfs-Kapitän Joshua Kimmich wollte das Spiel gegen Liechtenstein nicht überbewerten. ''Dieses Spiel als Maßstab (für die Arbeit von Flick; Anm. d. Red) zu nehmen ist schwierig'', erklärte der Bayern-Star.
Der volle Fokus gilt nun den weiteren WM-Quali-Spielen gegen Armenien (Sonntag, 20:45 Uhr) und Island (Mittwoch, 20:45 Uhr). Und klar ist auch: Erst nach diesem ''Triple Header'' wird man weitere Erkenntnisse gewinnen können, was Spielfreude, Taktik und Personal angeht.
Es weht ein neuer Wind beim DFB, doch bislang ist es eher ein Lüftchen als ein Orkan ...