Die Offensiv-Baustellen von Niko Kovac beim BVB
Nach der Winterpause und dem Trainingslager in Marbella steht Borussia Dortmund vor einer wegweisenden zweiten Saisonhälfte. Während die Defensive unter Trainer Niko Kovac stabil wirkt, hakt es im Angriff.
09.01.2026 | 08:58 Uhr
Ein gesetzter Top-Stürmer, ein unzufriedener Nationalspieler und zwei "Arbeiter" im Mittelfeld stehen im Fokus. Sky Sport analysiert die Baustellen der Schwarz-Gelben.
Von Jesco von Eichmann und Patrick Berger
Sturm-Check: Guirassy thront, Silva scharrt mit den Hufen
An Serhou Guirassy führt derzeit kein Weg vorbei. Und das, obwohl er in der Bundesliga seit dem 31. Oktober nicht mehr getroffen hat. Trainer Niko Kovac schätzt bei ihm aber auch seine Fähigkeiten, ein Pressing auszulösen und seine Aggressivität.
Langfristig dürfen diese Attribute aber bei einem Angreifer keine Argumente für fehlende Tore sein. Der Stoßstürmer war die Lebensversicherung im System Kovac. Die muss er wieder werden, denn im Schatten des Routiniers wächst der Druck: Fabio Silva hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten immer mehr als Alternative präsentiert.
Silva, der zuletzt immer wieder als Joker Akzente setzte (u. a. beim Sieg gegen Gladbach mit einer Vorlage), will mehr Spielanteile. Sogar vom Wunsch, Dortmund sonst verlassen zu wollen, wird schon gemunkelt.
Mit seinem Drang zum Tor und seiner Beweglichkeit ist er der direkteste Konkurrent für Guirassy. Für Kovac ist das ein Luxusproblem, das jedoch Moderationsgeschick erfordert, um die Stimmung im Sturmzentrum bei Laune zu halten.
Adeyemi zwischen Weltklasse und "Skandälchen"
Es war bisher nicht die Saison des Karim Adeyemi. Nach einem starken Start ist der Nationalspieler leistungsmäßig Richtung Dezember schwächer geworden. Begleitet wurde dieser leichte Abschwung (in den letzten fünf Bundesliga-Spielen ohne Treffer) von Disziplin-Diskussionen.
Adeyemi muss im neuen Jahr beweisen, dass er den Fokus wieder zu 100 Prozent auf den Fußball legt, sonst droht ihm selbst bei Förderer Kovac ein Bankplatz.
Kreativ-Zentrale: Mehr Magie von Brandt und Chukwuemeka
Das Mittelfeld-Duo Julian Brandt und Carney Chukwuemeka verkörpert die neue Kovac-Schule: Die Defensivarbeit der beiden ist vorbildlich. Brandt spult enorme Kilometerfresser-Distanzen ab und auch Neuzugang Chukwuemeka überzeugt durch physische Präsenz und Zweikampfstärke.
Doch die nackten Zahlen mahnen zur Steigerung: Brandts Zwischenbilanz ist mit zehn Scorern in 20 Saisoneinsätzen gut, aber der Mittelfeldmann hat immer noch zu viele Spiele dabei, denen er keinen Stempel aufdrückt. Chukwuemeka stabilisiert das Zentrum, lässt aber noch die tödlichen Pässe in die Spitze vermissen. Der 22-Jährige kommt bisher auf zwei Tore und eine Vorlage in 18 Einsätzen in dieser Saison.
Beide müssen in der Rückrunde wieder mehr ihr "Zehner-Gen" zeigen, um die gegnerischen Abwehrreihen zu knacken.
Fans fordern mehr Spektakel - Kovac muss Balance finden
Die Kritik am "pragmatischen" Kovac-Fußball wird lauter. Der BVB erzielt in der laufenden Saison zu wenige Tore pro Spiel im Vergleich zur Tabellenspitze. Partien werden selten frühzeitig entschieden, was oft zu unnötigem Zittern in der Schlussphase führt.
"Wir sind mit dem Status quo nicht unzufrieden, aber wir wollen uns verbessern", so Kovac in Marbella. Die Fans fordern mehr Spektakel. Der Trainer muss nun den schmalen Grat zwischen defensiver Stabilität und offensivem Risiko finden.
Die mögliche BVB-Aufstellung:
Die Geheimwaffen: Inacio und das Juwel Albert
Um neuen Schwung zu bringen, könnte Kovac vermehrt auf junge, unverbrauchte Kräfte setzen, wie Samuele Inacio und Mathis Albert. Gerade der 16-jährige Albert gilt als Supertalent und könnte mit Einsätzen auch bei den Fans eine gewisse Euphorie entfachen.
Der Grundstein in Marbella ist gelegt. Ob der BVB im neuen Jahr wirklich die offensive Leichtigkeit wiederfindet, wird sich bereits zum Rückrundenauftakt gegen Eintracht Frankfurt am Freitagabend (ab 20:15 Uhr LIVE auf Sky Sport Top Event) zeigen.
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