Diomande-Entdecker spricht: "Damit hat niemand gerechnet"

Er ist der Mann der Stunde! Yan Diomande glänzte beim WM-Auftaktsieg der Elfenbeinküste gegen Ecuador (1:0) und wurde zum Mann des Spiels gewählt. Antonio Rüdiger bezeichnete den Leipzig-Profi als "D-Zug".

Yan Diomande ist derzeit in aller Munde.
Image: Yan Diomande ist derzeit in aller Munde.  © Imago

Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann warnt vor der Schnelligkeit und Dribbelstärke des 19 Jahre alten Flügelspielers. Im Interview mit Sky Sport spricht sein Entdecker Wolfgang Meier. Der 40 Jahre alte Spielervermittler lebt bei Ingolstadt und betreibt die Firma Wolfs.

Sky Sport: Wie haben Sie Yan Diomande entdeckt?

Wolfgang Meier: "Ich muss gestehen, dass ich Yan im Vergleich zu anderen afrikanischen Top-Talenten erst im Mai 2025 auf dem Schirm hatte, obwohl mir ein afrikanischer Freund bereits 2022 von ihm erzählt hatte. Anfang Juni sprach ich erstmals mit meinem ivorischen Partner Max Gradel, der als Kapitän der Elfenbeinküste 2024 den Afrika-Cup gewann. Max kannte Yan und dessen Stiefvater und gab mir die Information, dass Yan keinen gültigen Vertrag mit einem anderen Berater hatte. Außerdem zeigte die AS Monaco konkretes Interesse an ihm. Gleichzeitig bestand die Möglichkeit, mit ihm zusammenzuarbeiten, sofern wir einen passenden Verein für ihn finden würden."

Sky Sport: Wie hat RB Leipzig am Ende das Rennen gemacht? RB konnte ihn schließlich für vergleichsweise wenig Geld verpflichten.

Meier: "Im Gespräch mit RB Leipzig hieß es damals, dass sie den Spieler lieben, die geforderten 20 Millionen Euro in Form einer Ausstiegsklausel aber schon noch runterbekommen müssen. Natürlich war diese Summe ein Brett für einen 18-Jährigen, der gerade einmal 500 Minuten Profifußball in den Beinen hatte. Ich stimmte dem zu und sagte, dass sein aktueller Marktwert wahrscheinlich eher bei 13 oder 14 Millionen Euro liege, er aber sehr schnell zeigen werde, dass er die 20 Millionen wert ist. Nach einem Jahr sah ich ihn bereits bei einem Marktwert von rund 60 Millionen Euro. Dass er allerdings so durch die Decke geht, wie er es in den vergangenen elf Monaten getan hat, damit hat natürlich niemand gerechnet."

Sky Sport: Es gab einen zweiten Verein, der dazwischengrätschen wollte, richtig?

Meier: "Das stimmt. Während der Verhandlungen mit Leipzig wurde es auch mit Sunderland sehr konkret. Allerdings wollten sie die Klausel nicht ziehen. Viele andere Vereine, die die 20 Millionen Euro hätten zahlen können, sagten zwar, dass sie den Spieler sehr interessant finden, ein Transfer aufgrund seiner geringen Spielzeit aber zu riskant sei. Von den großen Bundesligisten zeigte lediglich Borussia Dortmund Interesse an ihm. Dort wurde mir allerdings signalisiert, dass man eher ein erfahreneres Profil verpflichten wolle. Überrascht hat mich, dass Bayer Leverkusen gar nicht auf ihn einging, da er meiner Meinung nach das ideale Profil für den Verein gewesen wäre. Stattdessen entschied man sich für Ben Seghir aus Monaco. Es ist mittlerweile fast normal, dass es vor Transfers viel nach außen drängt. Mit dem Transfer Update seid ihr dabei ja Vorreiter. Ich kenne zwar die wichtigsten Medien in Deutschland, bin aber kein Fan davon, Gerüchte gezielt zu streuen. Ich arbeite lieber im Hintergrund an Transfers. Bis einen Tag vor Yans Unterschrift drang keine Information nach außen. Erst am letzten Tag gab es dann Vereine wie den VfL Wolfsburg oder Sporting, die ebenfalls noch aufspringen wollten."

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Spielervermittler Wolfgang Meier (l.) verrät, wie Diomandes Wechsel zu RB Leipzig ablief.
Image: Spielervermittler Wolfgang Meier (l.) verrät, wie Diomandes Wechsel zu RB Leipzig ablief.  © Sky

Sky Sport: Warum fiel die Wahl letztlich auf Leipzig?

Meier: "Unterm Strich hat sich Leipzig am meisten um Yan bemüht und sich diesen Transfer verdient. Es gibt einige Vereine, die aus meiner Sicht einen gewissen falschen Stolz haben und am liebsten ausschließlich ohne Spielervorschläge von Beratern rekrutieren möchten. Wenn der sportliche Erfolg stimmt, ist dagegen nichts einzuwenden. Das Beispiel Diomande zeigt jedoch, dass ein Transfer auch das Ergebnis einer Kombination aus gutem Vereinsscouting und der Arbeit von Beratern sein kann, die zur richtigen Zeit die richtigen Informationen liefern. Genau das macht modernes Scouting aus."

Sky Sport: Leipzig ist auch ein gewisses Risiko eingegangen, oder?

Meier: "Diese Transfers sind besonders spannend. Einen Offensivspieler aus der Ligue 1 oder der 2. Bundesliga mit 20 Scorerpunkten für einen Bundesligisten zu bewerten, ist nicht sonderlich schwierig. Einen Spieler einzuschätzen, der bis dahin wenig gespielt hat, aber dennoch früh erkennen lässt, welches Potenzial in ihm steckt - das ist wahres Scouting."

Sky Sport: Aktuell gibt es einen Berater-Zoff: Diomande wechselte zur von Jay-Z gegründeten Agentur Roc Nation Sports, Sie und Ihr Partner Maxidel sind außen vor. Was steckt dahinter?

Meier: "Aktuell gibt es ein gewisses Berater-Hickhack um Yan. Dazu möchte ich nicht allzu viel sagen. Nur so viel: Er besitzt einen gültigen Beratervertrag mit meinen Partnern von Maxidel. Dieser Vertrag wird sowohl von der FIFA als auch insbesondere vom englischen Verband FA respektiert."

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Sky Sport: Der FC Liverpool hat zuletzt ein Paket von 100 Millionen Euro geboten. Trauen Sie ihm den Sprung zu?

Meier: "Natürlich. Yan hat jetzt nicht nur gegen kleinere Mannschaften in der Bundesliga geliefert, sondern auch gegen die Topmannschaften überzeugt. Er bringt alle Qualitäten für einen Winger auf dem höchsten Niveau mit."

Sky Sport: Wie würden Sie Yan Diomande als Menschen beschreiben?

Meier: "Mich beeindruckt vor allem, dass er trotz allem, was in dieser Saison um ihn herum passiert ist, konstant seine Leistungen gebracht hat. In vielen Spielen war er die Lebensversicherung von RB Leipzig. Das zeugt von einer außergewöhnlich hohen Resilienz."

Mehr zum Autor Patrick Berger

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