EM 2020 News: DFB-Team entwickelt Zusammengehörigkeit vor Turnier
Teamgeist wird zum Titel-Trumpf! Müller & Hummels bringen Spaß zurück
10.06.2021 | 13:42 Uhr
Seit Beginn der EM-Vorbereitung kristallisiert sich bei der deutschen Nationalmannschaft eine große Stärke heraus, die in den vergangenen Jahren kaum spürbar war: Im DFB-Team herrscht wieder ein echtes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Das könnte zur Geheimwaffe werden.
Seit der Weltmeisterschaft 2018 fehlt dem DFB-Team ein richtiges Gesicht. Eine echte Mannschaft, die Charakter zeigt und Zusammenhalt schafft. Mit der sich die Fans wieder identifizieren können und die ein echtes "Sommermärchen"-Gefühl auf und neben dem Rasen vermittelt.
Hummels und Müller bringen den Spaß-Faktor zurück
Doch genau so ein Team scheint sich nun wieder zu entwickeln. Angeführt von den Comebackern Mats Hummels und Thomas Müller, deren Rückkehr auch symbolisch für ein echtes Wir-Gefühl steht, erwächst eine Truppe aus dem DFB-Kader, die Freude macht. Albernheiten auf den Pressekonferenzen, gute Laune im Training und Zeit für die Fans sind Aktionen, die langsam wieder zur Löw-Elf passen.
Durch die Nominierungen von vermeintlichen Underdogs und gleichzeitigen Sympathieträgern wie Robin Gosens und Christian Günter entsteht eine neue Konstellation innerhalb der Mannschaft, die das ganze Gefüge auflockert. "Es ist eine gute Dynamik in der Mannschaft. 2018 war die Stimmung anders, da lag eine gewisse Schwere über der Mannschaft - die spüre ich jetzt nicht. Ganz im Gegenteil: Die Stimmung ist sehr gut", freute sich jüngst auch Joachim Löw.
Löw-Rückzug zum richtigen Zeitpunkt
Das ist auch einem klugen Schachzug des Bundstrainers zu verdanken. Die Europameisterschaft in diesem Sommer wird Löws letztes Turnier als Nationaltrainer Deutschlands sein. Das hatte der 61-Jährige bereits vor einigen Monaten bekanntgegeben und so nicht nur viel Druck von sich selbst genommen. Die ständigen Debatten um seine Person hörten auf, der Fußball rückte wieder in den Vordergrund.
Auf dem Platz herrscht derweil ein Konkurrenzkampf, wie es ihn auf einzelnen Positionen selten gab. Im offensiven Mittelfeld streiten sich mit Ilkay Gündogan, Thomas Müller, Jamal Musiala und Kai Havertz zahlreiche Hochkaräter um nur eine Position. Letzterer will davon wiederum nichts wissen. Die Profis spielen derzeit nicht mehr für sich und ihr Image, sondern treten als Einheit auf.
"Wir haben Top-Spieler und auch viel Erfahrung mit vielen Spielern die viele Titeln gewonnen haben. Wir sind eine Einheit und ein Team. Es spielt der, der vom Trainer ausgewählt wird", stellt Havertz, der sich auch unterordnen könne, nach der Lettland-Gala bei RTL klar. Aufreiben will sich der Champions-League-Sieger vom FC Chelsea aber in jedem Fall: "Natürlich hoffe ich auf einen Stammplatz. Aber wenn man außen ist, muss man trotzdem Gas geben und hoffen, dass man rein kommt."
Fans feiern die Mannschaft - Neuer spricht von Vertrauen
Dieses Einheitsgefühl bemerken viele Fans. Bei der Ankunft der Mannschaft auf der Team-Anlage in Seefeld versammelten sich zahlreiche Anhänger, um das DFB-Team in Empfang zu nehmen. Jubel und Beifall für einen Testspiel-Sieg gab es für die Jungs von Löw schon lange nicht mehr in dieser Form.
Auch Kapitän Manuel Neuer sprach nach dem Lettland-Spiel lächelnd über das Team und zeigte als Anführer der Mannschaft allen, dass auch der Glaube an die eigenen Fähigkeiten wieder zurück ist. "Ich habe einen guten Eindruck", meint Neuer und erklärt: "Unsere Jungs sind ganz klar und wir vertrauen uns. Wir sind hoch motiviert und wollen alles geben. Ich hab ein gutes Gefühl."
Turnier-Mannschaften müssen zusammenhalten
Das Wir ist zurück. Gerade zum rechten Zeitpunkt, denn der wachsende Teamgeist könnte schon in der Gruppenphase ein wichtiger Faktor werden. Die deutsche Elf trifft in der Gruppe zunächst auf Weltmeister Frankreich und EM-Titelverteidiger Portugal. Zwei wahre Bewährungsproben, die schon nach Finale klingen.
Auch der ehemalige Nationalspieler Torsten Frings sieht eine positive Entwicklung in der Mannschaft. Für den 44-Jährigen spielt gerade in kurzen Turnieren das Zusammengehörigkeits-Gefühl eine tragende Rolle. "Ein guter Teamgeist ist sehr wichtig für eine Turnier-Mannschaft. Es ist meistens so, dass es eine feste erste Elf gibt und vielleicht zwei oder drei Spieler, die an der Startelf schnuppern. Viele Spieler erscheinen im ersten Moment nicht so wichtig, werden es im Laufe des Turniers dann aber. Deshalb ist es wichtig, dass der Teamgeist bei allen gut ist", erklärt Frings im Interview mit Sky Sport News.
Abschiedsgeschenk für Löw?
Dass dieser Teamgeist nun im DFB-Team heranreift, könnte zu einem Ass im Ärmel des Bundestrainers werden, dass im Vorfeld wohl die wenigsten haben kommen sehen. "Das kann Jogi richtig gut: Eine Mannschaft hinter sich bringen. Ich glaube, dass das auch dieses Jahr gelingen wird", meint Frings weiter.
Schafft Löw es wirklich, das gesamte Team zu einer Einheit zusammenzuschweißen und hinter sich zu bringen, dann bleibt aus deutscher Sicht nur eines zu hoffen: dass diese Mannschaft ihrem Trainer zum Abschied noch ein letztes großes Geschenk macht.