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EURO 2020 News: Die Tops und Flops nach dem 1. Spieltag

Schick, Jubel-Eklat & blasser Lewy: Tops & Flops nach EM-Spieltag eins

Sky Sport

16.06.2021 | 17:27 Uhr

Patrik Schick (Tschechien/ l.) und Robert Lewandowski (Polen/ r.) erlebten einen konträren ersten EM-Spieltag.
Image: Patrik Schick (Tschechien/ l.) und Robert Lewandowski (Polen/ r.) erlebten einen konträren ersten EM-Spieltag.  © Imago

Spieltag eins der Europameisterschaft ist beendet. Alle Teams waren nun einmal im Einsatz. Während der eine oder andere überzeugt oder gar überrascht hat, sind einige Teams und Akteure negativ aufgefallen. Sky Sport mit dem Zwischenfazit.

Es war die alles überschattende Szene dieser Europameisterschaft - auch für die kommenden Wochen: Dänemark-Star Christian Eriksen sackt in der Partie gegen Finnland kurz vor der Halbzeitpause zusammen und bleibt reglos liegen. Das schnelle Handeln von Mitspielern und Ärzten retteten dem Inter-Profi letztendlich das Leben.

Mittlerweile befindet sich der 29-Jährige glücklicherweise in stabilem Zustand im Krankenhaus, wo nun nach der Ursache des Herzstillstands gesucht wird. Noch ist diese unklar. Doch das Wichtigste ist, dass es Eriksen wieder den Umständen entsprechend gut geht und alle Beteiligten in den bangen Minuten richtig gehandelt haben. Nicht umsonst wurden die Notfallärzte und Sanitäter bereits von der Presse als "Europameister" gefeiert.

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Doch auch sportlich gab es rückblickend auf den 1. Spieltag der EM einige Gewinner.

Kunstschütze Patrik Schick

So zum Beispiel Tschechien-Angreifer Patrik Schick. Der Stürmer von Bayer Leverkusen war mit seinen beiden Toren gegen Schottland (2:0) nicht nur der Hauptverantwortliche für den Sieg der Tschechen. Auch das "Wie" macht den 25-jährigen Prager zu einem Gewinner des 1. Spieltags.

Das 1:0 erzielte Schick in der 42. Minute noch auf normale Art und Weise per wuchtigem Kopfball. Doch das 2:0 in der 52. Minute ließ wohl jeden Fußball-Fan (mit Ausnahme der Schotten) aus dem Sessel springen. Per gefühlvollem Heber aus fast 50 Metern überlistete Schick den zu weit vor dem Tor stehenden Schottland-Keeper David Marshall. Ein Traumtor, das Tschechien in einer alles andere als leichten Gruppe - die weiteren Gegner sind England und Vizeweltmeister Kroatien - direkt an die Tabellenspitze führte und durchaus als Kandidat für das Tor des Turniers in Frage kommt.

Platz 1: PATRIK SCHICK. Distanz: 45,5 Meter. Im Spiel Tschechien gegen Schottland 2021.
Image: Tschechiens Patrik Schick feiert seinen Kunsttreffer gegen Schottland.  © DPA pa

Neuer Geheimfavorit Italien

Vorrunden-Aus bei der WM 2014, Viertelfinal-Aus bei der EM 2016 gegen Deutschland (5:6 n. E.), Verpassen der WM 2018 in Russland - die vergangenen drei Turniere verliefen aus Sicht der Italiener alles andere als wünschenswert. Auch wenn die Squadra Azzurra ungeschlagen (zehn Siege aus zehn Spielen) durch die EM-Qualifikation marschiert ist, wurde sie auch aufgrund ihrer vergangenen Turnierergebnisse nicht unbedingt zu den absoluten Topfavoriten gezählt.

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Mit dem Eröffnungsspiel am Freitag in Rom gegen Türkei änderte sich dieser Status aber umgehend. Durch den sehr überzeugenden 3:0-Erfolg avancierte Italien zu einer Art Geheimfavorit, wie die internationale Presse die Mancini-Truppe betitelte. Die heimische Presse sprach von einer "magischen Nacht" und einer "Show", die die Anhänger auf den Weg nach Wembley positiv stimmt.

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Der italienische Nationaltrainer Roberto Mancini ist zufrieden nach dem 3:0-Auftaktsieg seiner Mannschaft gegen die Türkei bei der EURO 2020 (Videolänge: 0:34 Minuten).

Niederlande & Ukraine liefern beste Partie des 1. Spieltags

Den objektiven Fußball-Fan dürfte auch das Spiel Niederlande gegen die Ukraine positiv gestimmt haben. Das 3:2-Spektakel hatte ansehnlichen Offensivfußball zu bieten. Nachdem die Niederlande mit 2:0 in Führung gegangen war und viele Beobachter die Partie damit als entschieden angesehen hatten, bewiesen die Ukrainer Comeback-Qualitäten und egalisierten das Spiel inklusive eines sehenswerten Treffers des Ex-Dortmunders Andriy Yarmolenko.

Kurz vor Schluss traf dann jedoch Hollands Verteidiger Denzel Dumfries zum Endstand und sorgte damit für das bislang torreichste Spiel des Turniers. Für alle Fußball-Fans bleibt zu hoffen, dass die EURO 2020 im weiteren Turnierverlauf noch viele weitere solcher Partien zu bieten hat.

Die Fans kehren in die Stadien zurück

Apropos Fans. Diese können auch zu den bisherigen Gewinnern des Turniers gezählt werden, immerhin dürfen sie nach langer Wartezeit aufgrund der Corona-Pandemie endlich wieder ins Stadion. Die Atmosphäre und Stimmung ist damit ein gänzlich andere als noch vor Monaten und Wochen, als der Großteil der nationalen Meisterschaften vor leeren Tribünen ausgetragen wurden. Dies machten bereits auch zahlreiche Profis in den Interviews nach den Spielen deutlich.

Allerdings muss das Thema Fan-Rückkehr in die Stadien auch von einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Dass in Budapest 61.000 Zuschauer dicht an dicht - und ohne(!) Maske - im Stadion sind, während das Coronavirus nach wie vor in der Welt grassiert, muss zumindest die Frage zulassen, ob in diesem Fall das Rad nicht zu weit zurückgedreht wurde.

Neben den bisherigen Gewinnern der EURO 2020 gibt es aber auch einige Verlierer - aus verschiedenen Gründen.

Lewandowski & Polen überraschend blass

In einer Gruppe mit den favorisierten Spaniern, Schweden und der Slowakei galt Polen vor Turnierbeginn als aussichtsreicher Kandidat für die K.o.-Runde - zumindest als Gruppenzweiter. Doch das Auftaktmatch gegen den Underdog Slowakei ging komplett schief. Neben dem Spiel (1:2) verloren die Polen mit Grzegorz Krychowiak auch einen ihrer Leader durch eine Gelb-Rote Karte.

Polen
Image: Robert Lewandowski (l.) findet gegen die Slowakei nicht zu seinem Spiel.  © Imago

Und auch der zweite Leader, Robert Lewandowski - immerhin Weltfußballer 2020 -, konnte dem Spiel seinen Stempel nicht aufdrücken. Ganz im Gegenteil: Der Bayern-Knipser tauchte komplett unter. Er hatte zwar fünf Torschüsse, doch keiner fand den Weg auf den Kasten der Slowakei. Dementsprechend setzte es auch Kritik von der heimischen Presse.

"Mit dem Ball am Fuß gelang ihm nichts. Er gehörte zu den Schwächsten auf dem Spielfeld", urteilte die Gazeta Wyborca. Andere Medien kritisierten, Lewandowski sei "erloschen". Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Spanien am Samstag (21:00 Uhr/ zum Spielplan) steht Lewandowski mit Polen nun ernsthaft unter Druck. Eine weitere Niederlage könnte womöglich das frühe EM-Aus bedeuten.

Spanische Dominanz ohne Ertrag

Unter Druck steht jedoch auch Polens nächster Gegner Spanien. Die Iberer traten bei ihrem Heimspiel in Sevilla gegen Schweden gewohnt dominant auf. Am Ende standen 85(!) Prozent Ballbesitz und 62 Prozent gewonnener Zweikämpfe, doch für einen Sieg reichte es dennoch nicht. Keiner der 17 Torschüsse fand den Weg ins Tor. Unter dem Strich sprang das erste und bislang einzige 0:0 des Turniers heraus.

Spanien muss sich in dieser Hinsicht deutlich steigern, ansonsten könnte es auch für die Iberer mit dem Weiterkommen eng werden. Ein weiterer Patzer gegen Polen und der Truppe von Coach Luis Enrique droht ein echtes Endspiel gegen die Slowakei.

Arnautovic-Sperre nach Torjubel

Soweit ist es bei Österreich noch lange nicht. Denn der Truppe um Kapitän David Alaba gelang beim 3:1-Erfolg gegen Nordmazedonien ein historischer Sieg. Dieser hat allerdings ein Nachspiel für einen ganz bestimmten Profi. Marko Arnautovic machte mit seinem Treffer zum 3:1 zwar den Deckel drauf, leistete sich im Anschluss aber einen verbalen Aussetzer.

Die Österreicher Alaba und Arnautovic nach dem Tor zum 3:1 gegen Nordmazedonien.
Image: Die Österreicher Alaba und Arnautovic nach dem Tor zum 3:1 gegen Nordmazedonien.  © DPA pa

Der Österreicher diffamierte seinen Gegenspieler Ezgjan Alioski deutlich erkennbar. Alaba wollte seinem Mitspieler noch den Mund zuhalten, konnte die Beleidigungen des exzentrischen Angreifers aber nicht mehr zurückhalten. Nachdem der mazedonische Verband harte Sanktionen gefordert hatte, ermittelte die UEFA gegen Arnautovic. Nun steht auch das Ergebnis der Ermittlungen fest: Der Angreifer wird für ein Spiel gesperrt.

UEFA trifft falsche Entscheidung

Nicht nur in dieser Hinsicht hat die UEFA zu tun. Der europäische Fußballverband ist selbst mächtig in die Kritik geraten - vorwiegend von Seiten Dänemarks. Nach dem Drama um Christian Eriksen habe die UEFA die Entscheidung, ob weitergespielt wird, auf die Spieler abgewälzt. "Es war keine Situation, in der wir hätten landen sollen. Es hätten andere Leute diese Entscheidung treffen müssen", so Dänemarks Keeper Kasper Schmeichel.

Der Dachverband hatte den Spielern neben einer unmittelbaren Spielfortsetzung nur eine Neuansetzung am Folgetag um 12:00 Uhr angeboten. "Natürlich hatte ich nicht das Gefühl, dass es das Beste ist. Wir hatten zwei Möglichkeiten, die beide schlecht waren, und wir nahmen die am wenigsten schlechte", sagte Angreifer Martin Braithwaite.

"Es gab eine Menge Spieler, die nicht bereit waren zu spielen", ergänzte der Profi des FC Barcelona: "Natürlich hätte es nicht so sein sollen. Wenn man so etwas erlebt hat, geht man nicht raus und spielt ein Fußballspiel."

Um es in Schmeichels Worten zu sagen: "Hoffentlich hat die UEFA daraus etwas gelernt."

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